Interview mit Steve McCurry auf FotoTV

Steve McCurry: Sharbat Gula, Afghan Girl, Pakistan, 1984

“Zurückblickend auf die letzten 20 oder 30 Jahre, kann ich mir nichts besseres vorstellen, meine Zeit damit zu verbringen, zu reisen, und diesen Planeten zu erkunden. Er ist so vielfältig und so reich.” (Steve McCurry im Interview auf FotoTV)

Steve McCurry´s Foto des afghanischen Mädchens mit den wunderschönen grünen Augen ist wohl jedem bekannt. Steve McCurry ist ein amerikanischer Fotojournalist und Magnum-Fotograf. FotoTV zeigt ein knapp 20-minütiges Interview mit dem Fotografen, in dem er über den Beginn seiner Karriere berichtet, über seine Interessen und Projekte. Er erzählt die Geschichte des berühmten Fotos “Afghanisches Mädchen” und von der erneuten Begegnung mit ihr 18 Jahre später. Er nimmt sein letztes Buch “The Imperial Way” und zeigt Bilder daraus und erzählt auch dazu die Geschichten, was ich besonders spannend finde, denn manchmal sieht man Bilder anders, wenn man die Geschichte dazu vom Fotografen selbst hört.

Ich sehe gerade, dass man auf FotoTV angemeldet sein muss, wenn man das Video sehen möchte, was aber kostenlos ist und den Zugang zu einem kleinen Teil des Angebotes dort ermöglicht. Unangemeldet kann man leider nur eine Vorschau sehen.

Link zum Video

Webseite von Steve McCurry

Steve McCurry bei Magnum Photos

Buchempfehlung “Kreative Belichtung”

Erwähnte ich schon, dass ich Bücher sehr mag? Meine Abteilung “Bücher über das Fotografieren an sich” wächst ebenso beständig, wie meine kleine Sammlung Bildbände toller Fotografen. Nun habe ich letzte Woche ein Buch entdeckt, von welchem ich bis dato noch gar nichts gehört oder gelesen hatte: “Kreative Belichtung. Fortgeschrittene Techniken für originelle Fotografien” von David Nightingale ist momentan mein Lieblingsbuch.

Wie der Titel schon vermuten lässt, richtet sich das Buch nicht an Anfänger, sondern an Fotografen, die mit der Technik vertraut sind und Lust haben, sich kreativ auszutoben. Nachdem im ersten Kapitel technische Grundlagen kurz, aber effektiv erläutert werden, geht es in den folgenden Kapiteln um extrem kurze oder lange Belichtungszeiten und extrem große oder kleine Blenden. Es geht z. B. um Lichtmalerei, Sternspuren, HDR, Feuerwerk, Unschärfe, Graufilter und Mitzieher. Die Texte sind gut verständlich geschrieben und motivieren zum Ausprobieren. Zu jeder Technik gibt es Beispielfotografien, die atemberaubend schön sind. Man bekommt große Lust, auch solche Bilder zu machen und so wie David Nightingale es beschreibt, scheint das gar nicht so schwer zu sein ;-). Die verwendeten Fotos stammen nicht alle aus seiner Kamera, sondern auch von verschiedenen anderen Fotografen, was ich sehr sympathisch finde. Zu jedem Foto gibt es eine Anmerkung und Angaben zu Kamera und Objektiv. Ausserdem sind die jeweiligen Aufnahme-Parameter vermerkt, so dass man für eigene Versuche recht gute Anhaltspunkte hat.

Auch wenn man keinen Buchladen um die Ecke hat, kann man ein bisschen in das Buch hinein schnuppern, wobei man am Anfang des Buches leider noch nicht in den Genuss der tollen Bilder kommt und das Inhaltsverzeichnis fehlt: Link zur Leseprobe

Bilder des Fotografen Nightingale kann man in dieser sehenswerten Galerie bewundern: www.chromasia.com

Ich mach mit, du auch?

Blogtimes veranstaltet einen Wettbewerb zum Thema Schwarzweiß. Da mach ich mit und zwar mit folgendem Foto, welches in der Hamburger Speicherstadt entstand:

THE BEAUTY OF THE CITY

Das Bild wurde zur blauen Stunde von der Poggenmühlenbrücke aus aufgenommen. Entwickelt mit Lightroom 3 und Silver Effex Pro 2, wurde nur eine kleine Korrektur mit Photoshop vorgenommen: Die Kräne an der Elbphilharmonie habe ich weggestempelt, da sie mich störten und für die Bildwirkung von keiner Relevanz waren. Natürlich sah das Bild in Farbe auch gut aus, aber ich bevorzuge ja meist die schwarzweißen Varianten.

So, machst du auch mit? Dann sehen wir uns auf Blogtimes.

Jessica Backhaus im Artist Talk

Die Galerie Morat in Hamburg stellt zur Zeit einige Bilder von Jessica Backhaus aus. Am vergangenen Freitag, kurz vor der Vernissage, stellte sich die Künstlerin in einem Artist Talk einem kleinen Publikum vor, ich war auch dabei und ich bin froh darum. Ich kannte Jessica Backhaus´ Fotos bisher nur aus dem Internet und habe mich bei einigen Werken gefragt, warum sie das auf diese Weise oder warum sie es überhaupt fotografiert hat.  Das war z. B. ein angebissener Apfel, der irgendwo rumlag, ein im Wasser vergessener Ball, irgendwelche wirr um einen Pfahl gebundenen Bänder…..  Nun habe ich diese Fotografin erlebt, habe ihr zugehört, als sie von ihrem Leben und ihrer Leidenschaft für die Fotografie und für das Geheimnis zurück gelassener Gegenstände erzählt hat. Von ihrer Freundschaft zu ihrer Lehrerin Gisèle Freund, der die Künstlerin nur ein einziges ihrer Fotos gezeigt hat, weil sie immer glaubte, nicht gut genug zu sein. Von den Schwierigkeiten, das umzusetzen, was sie so gern machen wollte, weil eine Idee allein eben nicht ausreicht. Sie erzählt von dem Moment, als sie aufgeben wollte und es dann doch nicht tat. Von der Zeit, als sie in der Dunkelkammer immer mehr Abzüge für ihr erstes Projekt anfertigte und davon, wie die Freundin ihr den Anstoß für den nächsten Schritt gab: Endlich einen Dummy von ihrem Buch  “Jesus and the Cherries” anzufertigen und mit dem bewaffnet, alle Verleger auf der Frankfurter Buchmesse abzuklappern. Von dem Stolz auf ihre Arbeit und ihren Erfolg. Von ihrem aktuellen Projekt und den harten Kritiken, die sie dafür hat einstecken müssen. Die unterschwellige Botschaft habe ich vernommen: Geh mutig deinen Weg und lasse dich nicht davon abbringen!

Ich bin fasziniert von dieser fröhlichen Frau, die so konsequent und mutig macht, was sie machen möchte. Auch wenn der Weg dahin nicht einfach war. Auf ihre Biografie und frühere Projekte will ich hier nicht weiter eingehen. Der interessierte Leser möge das z. B. hier nachlesen. Mich hat die Geschichte zu ihrem aktuellen Projekt, welches mittlerweile als Buch veröffentlicht wurde, besonders beeindruckt. Nach der Trennung von ihrem Mann, kehrt sie New York nach 15 Jahren den Rücken und geht zurück nach Deutschland. Noch bevor sie wirklich hier ankommt, reist sie nach Venedig, um sich zu sortieren.

In dieser Woche entstehen die ersten Aufnahmen zu ihrer aktuellen Arbeit “I wanted to see the World”, während sie an einem Ufer sitzt und die Faszination der Spiegelungen der bunten Häuser von Burano im Wasser entdeckt. Die Fotografien zeigen teils sehr abstrakte Bilder dieser Wasser-Reflektionen. Bilder, die zu fliessen scheinen, die in Bewegung sind, wie das Leben selbst. Die Fotografin schildert, wie man ihr davon abrät, diese Serie zu publizieren, weil diese Art der Fotokunst zu “dekorativ” sei, vom Anspruch nicht an ihre vorigen Werke anknüpfen und sich schlecht verkaufen würde. Man prognostiziert ihr sogar das künstlerische Ende, da sie von nun an nur noch darauf reduziert werden würde. Es hagelt Kritik von allen Seiten, aber Jessica Backhaus bleibt dabei und veröffentlicht diese Arbeit und der Erfolg gibt ihr Recht: Auch wenn die Stimmen der Kritiker laut sind, ist es, kommerziell gesehen, ihr bisher erfolgreichstes Werk und mit einem Augenzwinkern bemerkt sie, dass sie mit dem Geld nun ihre nächsten Ideen verwirklichen kann.

In der Galerie Morat werden erstmals auch Fotografien aus ihrem neuen Projekt “Once, still and forever”,  ausgestellt, die bisher noch nicht publiziert wurden.

Die Webseite der Künstlerin erreicht man hier: Jessica Backhaus.

Hier ist ein sehr interessantes Interview mit Jessica Backhaus zu lesen: PROFIFOTO 06/2010.

Blowballs

Eigentlich bin ich kein Fan von Blumen-Makros, aber durch die Pusteblumen-Bilder auf Janas Blog bekam ich vor einigen Tag Lust, selbst solche Bilder zu machen. Leider war weit und breit keine einzige Pusteblume noch in dem Zustand, wie man sich das für ein Makro so vorstellt. Heute hatte ich Glück und fand eine Kleine in meinem Garten und bin nach dem Makro-Shooting um einige Erfahrungen mit meinem bisher kaum genutzten 105er Nikkor reicher. Ich habe übrigens nicht im Garten fotografiert, weil es recht windig war, sondern die Blume vor einem dunklen Hintergrund aufgebaut,  beleuchtet und teilweise mit einem Aufheller gearbeitet. Außerdem habe ich ein Stativ benutzt, weil es trotz VR extrem schwierig ist, die Kamera so ruhig in der Hand zu halten, dass das, was scharf werden soll, nicht verwackelt. Ooc…..

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Selbst gebastelt: Fotofilm über Hongkongs Märkte

Puh! Fertig. Die Idee dazu hatte ich schon lange, heute habe ich es gewagt und habe meinen ersten Fotofilm erstellt. Mit Lightroom 3 war das eigentlich nicht schwer. Zum Inhalt:

Knapp zwei Jahre habe ich in Hongkong gelebt. An den Anblick, wie gerade die „Ware Tier“ hier auf den Märkten präsentiert wird, habe ich mich nie gewöhnt. Fast noch weniger an die Gerüche, die man leider (oder zum Glück) nicht über einen Fotofilm transportieren kann.

Es ist laut auf den Märkten. Kleine, meist ältere Frauen  passieren die Stände mit einem Bündel Plastiktüten in den Händen, aus denen die verschiedenen Gemüsesorten ragen. An den Fleischständen wird jedes Stück in die Hand genommen und die Qualität geprüft. Auch im Sommer, bei 32°C im Schatten, findet man dort keine wirkliche Kühlung. Das Fleisch hängt an riesigen Fleischerhaken von der Decke der Stände. Fische werden kurz vor dem Verkauf  aus dem Wasser geholt. Man macht sich nicht die Mühe, sie zu töten. Sie schnappen nach Luft und sterben schließlich. Als Frischesiegel wird die prall gefüllte Schwimmblase neben der Ware drapiert. Hühner und anderes Geflügel werden (für das westliche Touristenauge) fast schon skurril präsentiert. Die Käufer haben aber auch die Wahl, ein lebendiges Huhn auszusuchen, welches dann vor Ort getötet wird. Getrocknete Spezialitäten, von denen wir kaum erkennen, um was es sich handelt, verströmen einfach widerliche Gerüche, einzig die Gemüsestände sind eine Wohltat für´s Auge.

Vermutlich fänden die chinesischen Marktkunden unsere Märkte ebenso merkwürdig und unsere (teils denaturierten) Waren eklig…..

Tabubrüche, Glamour und Dreck – Marilyn Minter

Es ist die erste Einzelausstellung der Werke der Amerikanerin Marilyn Minter in Deutschland und sie findet in Hamburg statt. Die Phönix-Hallen in Harburg sind der ideale Ort für diese Bilder, die teilweise weit über zwei Meter hoch sind, weil Besucher hier den Platz finden, sie aus einer angemessenen Entfernung zu betrachten. Marilyn Minter ist Malerin, Foto- und Videokünstlerin. Die Ausstellung zeigt Arbeiten aus zwei Schaffensperioden: Zum einen die jüngeren Werke, etwa ab 1990, eine Mischung aus Foto- und Malereiarbeiten,  und zum anderen die Foto-Serie “Coral Ridge Towers”, die Ende der 60er entstanden ist:

The Coral Towers - Marilyn Minter, 19691969 erstellt die damals 21jährige Minter im Rahmen ihres Studium ihre erste Fotoserie “Coral Ridge Towers”, die Bilder  ihrer suchtkranken und melancholischen Mutter zeigt. Ihre Mutter lebt abgeschottet von der Außenwelt ein Leben, welches sich fast ausschließlich im eigenen Bett abspielt, wo sie, in seidene Nachthemden gehüllt, den Tag damit verbringt, sich divenartig zu schminken, zu frisieren und sich die Nägel zu lackieren. Die Vorhänge sind stets zugezogen und Licht gibt es nur in Form von Kunstlicht. Minters Arbeit findet keine Anerkennung. Ihr wird Tabubruch vorgeworfen, die Serie als Gewaltakt, sogar als Muttermord bezeichnet. Einzig Diane Arbus  erkannte damals schon die Dramatik dieser Bilder und das Talent Minters. Die Schwarzweiß-Bilder sind von beeindruckender Offenheit, intensiv und verstörend. Hier scheint auch der Ansatz zur inhaltlichen Thematik ihrer Arbeiten zu sein.

Dazu stehen ihre Arbeiten ab 1990 optisch in krassem Gegensatz. Sie sind groß, bunt und sinnlich. Es glitzert, glamourt, perlt, tropft und saugt in allen Farben. Perlen quellen aus tiefrot geschminktenMarilyn Minter - Chewing Pink, 2009 Mündern.
Insignien der Weiblichkeit in der Nahaufnahme. Schönheit….. Doch die hat Brüche. Die sexy Highheels treten in eine Schmutzpfütze, über den perfekt geschminkten Augenlidern blüht ein Pickel, hier sind die Wimpern verklebt, da finden sich Lippenstiftspuren auf den Zähnen oder abgeblätterter Nagellack. “Ich denke, dass es in meiner gesamten Arbeit darum geht, das Saubere, Flache und Trockene loszuwerden und mit dem Schwitzigen, Derangierten, Schlampigen zu arbeiten.” (In: Twenty Questions, New York 2010) Damit hat Marilyn Minter in den 80ern begonnen und sich dadurch erst mal ins künstlerische Aus katapultiert. Ihre porn pictures, gemalt auf der Grundlage von realen Hardcore-Porno-Fotos aus einschlägigen Heften, stießen auf breite Ablehnung. 15 Jahre wurde sie ignoriert. In einem Interview nennt sie noch einen anderen Grund: Sie möchte das Normale zeigen, was sonst nicht gezeigt wird. Wovon wir alle wissen, was aber bisher niemand aufgenommen hat, weil es nicht perfekt ist.

Ihren Durchbruch hatte sie 2005 mit ihrer Retrospektive, die im Museum of Modern Art in San Francisco gezeigt wurde. 2008 nutzte Madonna Minters Video “Green Pink Caviar” für ihre Bühnenshow:

In folgendem Video erzählt die Künstlerin in den Räumen der Ausstellung etwas über sich und ihre Arbeitsweise:

Über Marilyn Minter gibt es viel Lesestoff im Internet:

Meine Empfehlung: art.net, Welt am Sonntag, Brigitte.de, Hamburg Abendblatt.de.

Lasst euch diese Ausstellung nicht entgehen, sie ist ein optisches Vergnügen! Leider kann man sie nur im Rahmen von Führungen sehen, zu denen man sich anmelden muss und mit 15€ Eintritt ist sie auch nicht gerade günstig und Harburg nicht zentral…. Dafür bekommt man eine individualisierte Führung, in der viel Raum für persönliche Gespräche und Fragen bleibt und zudem das ganze Haus zugänglich ist, welches die Sammlung Falckenberg beheimatet. Für weitere 15€ kann man den Katalog zur Ausstellung kaufen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum  12. Juni 2011. Anmelden kann man sich über die Homepage: Sammlung Falckenberg

Faster than the World – Timelapse Video

Ich mag Timelapse Videos. Wenn Hamburg darin eine Rolle spielt, mag ich sie umso mehr. Und dieses von Benni Meier, einem Absolventen der Hamburger Technischen Kunstschule, mag ich ganz besonders, weil es Musik und Bilder brilliant vereint. Ganz toll sind die Aufnahmen vom Hamburger Dom und dem Highflyer an den Hamburger Deichtorhallen gegen Ende. So, in der Geschwindigkeit,  sieht man, welcher Dynamik man sich da aussetzen würde….. Enjoy!

Paul Schneggenburger: Der Liebenden Schlaf

Photonews 5/11, S. 14-15In der aktuellen Photonews bin ich auf ein interessantes Projekt gestoßen: Stellt euch vor, ihr liegt mit eurem Liebsten bzw. eurer Liebsten in einem großen schwarzbezogenem Bett. Der Raum wird sanft durch Kerzenlicht erleuchtet und vor euch liegt eine ganze Nacht. Allerdings ist das Bett in dem ihr liegt, nicht das eure und am Ende des Bettes steht eine Kamera, die die ganze Nacht auf euch gerichtet ist. Merkwürdige Vorstellung oder? Genau auf die Weise entstehen die interessanten und schon fast mystisch-schönen Bilder des Fotografen Paul Schneggenburger.  Er fotografiert Liebende, während sie in diesem Raum, in diesem Bett, in seinem Wohnatelier schlafen. Er selbst ist nicht dabei, die Schlafenden liefern sich also “nur” der Kamera aus. Eine einzige Aufnahme entsteht pro Nacht, 6 Stunden belichtet. Die Motivation für dieses Projekt, mit dem der Wiener Künstler im vergangenen Jahr sein Studium abschloss, lieferte die Frage, wie sich zwei Liebende im Schlaf zueinander verhalten. Eine Antwort darauf kann man in den Bildern finden.

Übrigens läuft das Projekt weiter und der Fotograf lädt Verliebte ein, in seinem großen schwarzem Bett zu übernachten. Wäre das etwas für dich?

Zur Website des Künstlers: www.schneggenburger.at

Aktuell in der Gruppenausstellung “Gefrorene Zeit” in der Fotogalerie Wien zu sehen, aber Achtung, nur noch bis zum 7. Mai 2011!

“Unscharf” in der Hamburger Kunsthalle

©Bill Jacobsen. Interim Portrait #373

Heute war ich in der Ausstellung “Unscharf” nach Gerhard Richter in der Hamburger Kunsthalle, die ich euch nur empfehlen kann! Thematisiert wird die Wirkung von Unschärfe in fotografischen Arbeiten.  Es geht um Wahrnehmung und die Infragestellung von Wirklichkeit und Abbildung. Die Bilder irritieren und fordern uns zur Auseinandersetzung mit ihnen auf. “Sie (die Unschärfe – Anmerk. d. Verf.) schafft einen unterdeterminierten Raum, aus dem der fragende und suchende Blick des Betrachters einen Aktionsraum macht , der es dem Bild ermöglicht, aktiv zu werden und im Austausch mit dem Betrachter eine Welt entstehen zu lassen, die auf der Bildoberfläche nicht abgebildet ist. Unschärfe ist erfinderisch, und durch die Beteiligung der Einbildungskraft des Betrachters führt sie zu kleinen Geburten. Der umgekehrte Effekt, das Versinken in den Nebel des Vergessens, ist in der neuen Unschärfe selten.” (Bernd Hüppauf; 2011; in: Eine neue Unschärfe im Katalog zur Ausstellung) Diese Ausstellung ist anspruchsvoll und regt zur Reflektion des eigenen Verhältnisses zu Abbildung und Wahrnehmung an.

Zu sehen sind 125 Gemälde, Fotoarbeiten und Installationen. Z. B. die zarten Portraits von Bill Jacobsen, die Spiegel-Installationen der Künstlerin Johanna Smiatek: Tritt ein Besucher vor den Spiegel, beginnt dieser zu vibrieren und man sieht sein Spiegelbild “ wie eine Götterspeise auf Beinen”.  Beeindruckt war ich von den wunderschönen Werken  des Künstlers David Armstrong, die großformatig zu sehen sind (ca. 100 x 77 cm). Es ist übrigens ein riesiger Unterschied,  die Bilder in einem Buch oder gut gehängt und im Großformat an einer weißen Wand zu sehen!

Neben einigen Werken von Gerhard Richter, der seit 50 Jahren mit Unschärfe arbeitet, werden Arbeiten von Pablo Alonso, David Armstrong, Anna und Bernhard Blume, Michael Engler, Wolfgang Ellenrieder, Isca Greenfield-Sanders, Maxine Henryson, Nicole Hollmann, Bill Jacobson, Adam Jankowski, Tamara K.E., Wolfgang Kessler, Karin Kneffel, Peter Loewy, Marc Lüders, Ralf Peters, Qiu Shihua, Ugo Rondinone, Johanna Smiatek, Thomas Steffl, Ernst Volland, Franziskus Wendels, Michael Wesely und Paul Winstanley gezeigt.

Eine Bilderstrecke von 32 Bildern kann man in der ntv-Mediathek sehen: Link

Einen sehr ausführlichen Bericht zu den einzelnen Aspekten der Ausstellung gibt es auf now2c.com: Link.

Empfehlenswert ist auch der Katalog zur Ausstellung, der Publikationen zum Thema Unschärfe von Hubertus Gaßner, Eckhart Hoffmann, Bernd Hüppauf, Sabine Schnakenberg und Marc Wellmann  enthält.

Die Ausstellung ist noch bis zum 22. Mai 2011 zu sehen. Nähere Informationen zu den Öffnungszeiten sind auf der Homepage der Kunsthalle Hamburg zu finden.

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