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LEERE

Im Sommer habe ich für ein Projekt zum Thema “Leere” zwei Bilder erstellt. Das Projekt wurde leider eingestampft, weil sich niemand außer mir daran beteiligt hat. Schade, weil ich schon neugierig auf die Arbeiten der anderen war, die es also gar nicht gab ;-). Nun zeige ich meine zwei sehr unterschiedlichen Bilder hier.

 

 

 

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Postmortale Fotografie früher und heute

Die Süddeutsche Zeitung stellt in ihrer Reihe “Neue Fotografen” regelmäßig junge talentierte Fotografen vor. In dieser Reihe stieß ich auf die Bilder von Marin Ganz, die mich zu diesem Artikel inspierierten.

In meinem Leben bin ich dem Tod noch nicht oft begegnet und habe erst einmal eine Leiche gesehen. Ich war fünf Jahre alt und wurde in das Zimmer meiner Oma geschickt um sie zu wecken. Sie war über Nacht eingeschlafen, wie man so sagt. Seit dem habe ich nie wieder einen toten Körper gesehen. Der Tod findet nicht mehr im Privaten statt. Geliebte Menschen werden nur noch selten aufgebahrt, weil man vermutlich niemandem den Anblick zumuten mag. Seebestattungen, bei denen nur die engste Familie anwesend ist, erfreuen sich meiner Wahrnehmung nach, einer wachsenden Beliebtheit. Immer häufiger höre ich den Wunsch, anonym bestattet zu werden, damit man den Angehörigen nur ja nicht durch die Grabpflege zur Last fällt. Der tote Mensch war nur eine nebulöse Vorstellung in meinem Kopf. Bis ich vor längerer Zeit den Bildband von Walter Schels und Beate Lakotta mit dem interessanten Titel “Noch mal Leben vor dem Tod” entdeckte. Die Journalistin und der Fotograf begleiteten Schwerstkranke in ihren letzten Lebenswochen und portraitierten sie vor und nach ihrem Tod in Text und Bild. Das Buch und die Bilder haben mich sehr fasziniert. Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber ich sah auf den Bildern, dass das, was das Menschsein ausmacht, nach dem Tod gegangen ist. Im Gegensatz zu den Bildern vor dem Tod, auf denen man Gefühle, Blicke, Mimik sieht, ist auf den Bildern nach dem Tod nur noch eine Hülle zu sehen. Die Bilder aus dem Buch kann man sich hier auf youtube ansehen oder hier, wo auch die abgebildeten Personen vorgestellt werden.

In der heutigen Zeit, in der der Tod in Institutionen stattfindet und nicht mehr in unserer Mitte haben wir uns vom Tod und dessen Anblick entfremdet. Früher war das anders. Bis Ende des 19. Jahrhundert war es absolut normal im Kreis der Familie zu sterben und von den Toten ein Gemälde oder später eine Fotografie anfertigen zu lassen, was oft einen ganzen Wochenlohn kostete. Gerade von Kindern, deren Sterberate damals noch sehr hoch war, existierten oft keine anderen Bilder oder Gemälde. Für uns heute mag vor allem skurril anmuten, wie die Verstorbenen in Szene gesetzt wurden. Meist wurde das Bild so inszeniert, als würden sie noch leben. Sie wurden schön gekleidet, geschminkt und frisiert. Bis hierhin kommt uns das nicht befremdlich vor. Dann wurden aber z. B. das verstorbene neben das lebende Geschwisterkind auf´s Sofa gesetzt, der erwachsene Verstorbene an einem Gestell fixiert, so dass es aussah, als würde er von allein stehen. Man könnte es auch so interpretieren, dass der Tod auf den Bildern schlicht geleugnet wurde. Eine umfangreiche Bilderstrecke dazu kann man hier sehen.

Heute scheint das Thema Tod auch in der Fotografie noch ein Tabu zu sein. Aber es gibt Fotografen, die sich damit auseinandersetzen. Einige Beispiele:

Sally Mann fotografierte 2002 im Rahmen ihres Projekts “What remains” auf einer Body Farm ( Gelände der Gerichtsmedizin zu Forschungszwecken, auf denen der Verwesungsprozess menschlicher Körper erforscht wird). Bilder: Body Farm – Sally Mann.

Der Fotograf Martin Kreuels fotografiert heute im Auftrag der Hinterbliebenen die Toten. Auf kwerfeldein.de hat er darüber einen Artikel geschrieben und auf convelakultur gibt es ein interessantes Interview mit ihm zu lesen. Martin Kreuels arbeitet behutsam und im Sinne der Angehörigen und versucht “schöne” Bilder der Verstorbenen zu machen.

Ganz im Gegensatz dazu stehen die jeweiligen Arbeiten der Fotografen Patrick Budenz und Martin Genz. Beide haben gemein, dass sie der Frage nachgehen, was mit dem verstorbenen menschlichen Körper nach dessen Tod geschieht. Ihre Fotos überschreiten sicher für viele eine Grenze, sind direkt, informativ und konfrontativ. Ihre Arbeiten sind ohne Frage mutig, werden aber nicht jedem gefallen. Die Links zu diesen Bilderstrecken sollte nur anklicken, wer sich sicher ist, Bilder sehen zu können, die den Umgang mit Leichen in der Gerichtsmedizin und beim Bestattungsunternehmen sehen zu können. Ich finde die Projekte gerade in der heutigen Zeit interessant, weil sie mit einem Tabu brechen und informativ wertvoll (sicher nicht nur) für mich ganz persönlich sind.

post mortem – Patrick Budenz

Ein Sarg nur und ein Leichenkleid – Martin Genz (Deutscher Jugendfotopreis 2012)

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FEAR OF DEATH II

Vor einiger Zeit zeigte ich hier FEAR OF DEATH und heute geschah etwas merkwürdiges, was mich daran erinnerte, dass ich noch zeigen wollte, wie die furchteinflößende Statue von vorn aussieht.

Übrigens ist das Merkwürdige, dass ein Leser das gleiche Bild in seiner Galerie hat, farbiger und anders, aber mit einer sehr ähnlichen Perspektive.  Zwei Interpretationen – spannend. Das ist bei markanten Motiven vermutlich öfter so. Wie viele nahezu identische Bilder es wohl vom Eifelturm gibt? Nur steht diese Statue nicht am Hafen, sondern versteckt auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Ich habe sie nur zufällig entdeckt. Und dank Google weiß ich nun, dass nicht nur der Pixel Point und ich fasziniert von diesem Motiv waren, sondern auch viele viele andere auch – irgendwie desillusionierend ;-)

Mein Workshop hat begonnen und ich sitze an der Konzepterstellung für ein Projekt. Spannend was sich in mir entwickelt, verworfen, umgedacht, skizziert, geordnet, neu dazu gedacht und klarer und klarer wird. Aber verraten wird noch nichts ;-)

 

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