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Gesehen? Michael Dylka: 100 Bilder 100 Menschen

© Michael Dylka

© Michael Dylka

 

Zufällig sah ich auf FotoTV.de einen Film, in dem der Kölner Fotograf Michael Dylka praktische Tipps für natürliche Portraits gibt und sein Projekt “100 Bilder 100 Menschen” vorstellt, welches mir bisher nicht bekannt war und euch vielleicht auch nicht. Ich finde dieses Projekt spannend und den Michael Dylka total sympathisch. Im Video kommt er mit einer Kamera, einem Objektiv und sich selbst zum Shooting. Kein Assistent, keine Blitzanlage, dafür viel Gefühl für die Portrait-Fotografie, wobei er sich in diesem Projekt komplett auf den Menschen vor der Kamera einlässt und nichts vorgibt, weder Styling, noch Location oder Pose. Er lässt sich ein auf das, was die Menschen ihm (vor) geben. Im Gegensatz zu manch anderen Projekten dieser Art, ließ der Fotograf die Menschen auf sich zu kommen. Über seine Facebook- und die Webseite verbreitete er seine Idee und ermunterte Menschen, die Lust hatten sich von ihm portraitieren zu lassen, sich bei ihm zu melden. Location und Zeitpunkt durften frei gewählt werden. Michael Dylka gab ihnen eine Geschichte oder Musik, in die sie sich hinein fühlen können und beobachtet, welche Gefühle sich in den Gesichtern spiegelten. Ein Ansatz, der mir sehr gefällt und die Ergebnisse sprechen für sich.  Im Video erzählt er von seinem Projekt, von der Idee bis hin zum fertigen (nicht-kommerziellen) Buch.

Website “100 Bilder 100 Menschen”

Facebook-Seite

FotoTV: 100 Bilder 100 Menschen (leider nur für Abonnenten)

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Künstlergespräch Joakim Eskildsen

Deichtorhallen II

Am letzten Freitag war ich in den Deichtorhallen zu einem Künstlergespräch. Regelmäßig lädt der Freundeskreis des Hauses der Photographie Fotografen ein, die ihre Bilder und Projekte vorstellen, einen Einblick in Arbeitsweisen und ihre Biografie geben. Stets sehr interessant, weil ich Bilder und Serien manchmal besser verstehe, wenn ich die Hintergründe dazu kenne.

Diesmal war Joakim Eskildsen eingeladen, dessen Ausstellung zu seinem Projekt und Buch “Die Romareisen” ich vor längerem bestaunt hatte und dadurch besonders neugierig auf den Künstler war. Vorab: Der Abend war einer der unterhaltsamsten, die ich im HdPH je erlebt habe. Joakim Eskildsen hat Witz und Charme und erzählt auf amüsante Weise von seinem Weg in die Fotografie. Besonders beeindruckt hat mich, dass er tatsächlich nie etwas anderes gemacht hat. Ich will hier nicht seine Biographie skizzieren, vielleicht nur ein paar interessante Aspekte und Aussagen vorstellen.

Eine gewisse Besessenheit von der Fotografie lässt sich früh erkennen: Mit 14 begann er zu fotografieren und setzte schnell Prioritäten. Er liebte schon immer besonders nebelige Tage und an solchen entschied er für sich, dass es besser ist, mit der Kamera Kühe im Nebel zu fotografieren als in die Schule zu gehen. Durch einen Zufall bekam er einen Praktikumsplatz bei der dänischen Hoffotografin Rigmor Mydtskov, die ihn dann auch ausbildete. Nach der Ausbildung wollte er aber nicht dort bleiben und fotografierte wieder die Kühe im Nebel in seinem Heimatdorf, wie er erzählt ;-). Er wollte unbedingt Bücher mit seinen Bildern gestalten und da er nicht wusste, wie das ging, studierte er in Helsinki die Kunst, Bildbände herzustellen. Noch heute sagt er, das dass für ihn die perfekte Art ist, seine Bilder zu präsentieren. Bildbände sind  das Ziel seiner Arbeit mit der Kamera. Was ich sehr gut nachvollziehen kann, denn ein Buch bietet nicht nur die Möglichkeit, Texte und Bilder zu transportieren, es schließt auch ein Projekt ab. Es ist fertig, daran ist nichts mehr zu rütteln.  Es ist ein Werk in sich und wird genauso weitergegeben und betrachtet. Vielleicht vergleichbar mit Pink Floyds “The Wall”, ein Werk, das man nur im Ganzen verstehen kann.

Bis heute hat er nichts anderes gemacht und das sehr intensiv. Für seinen größten Erfolg, “Die Romareisen“, verbrachten seine Frau und er 6 Jahre mit den Roma und Sinti in verschiedenen europäischen Ländern. Das Werk hat zurecht den Fotobuchpreis in Gold erhalten. Wunderschöne, intensive Bilder. Seitdem fotografiert er hauptsächlich seine Kinder, so richtig mit Stativ und Mittelformatkamera und ich warte jetzt gespannt auf seinen nächsten Bildband “Homeworks“. Er hat uns viele der Bilder gezeigt, die darin zu sehen sein werden. Unglaublich gut! Dieser Fotograf hat einen sehr poetischen Blick und das Licht und die Farben in seinen Bildern sind wunderschön. Ich glaube in seinen Bildern spiegelt sich seine Sicht auf die Kinder wider. Wie begeistert er von ihnen erzählt, die er mit kleinen Astronauten vergleicht, die so vieles entdecken, dem Erwachsene keinen Blick schenken. Das macht er jetzt seit 8 Jahren und es sei so spannend, erzählt er. Zwischendurch war er zweimal für das Time Magazin auf Cuba und in den USA. So richtig wollte er erst nicht, hat dann aber ausgehandelt, das seine Auftraggeber bestimmen dürfen, wo er fotografiert, aber nicht was. Da wollte er sich nicht rein reden lassen.

Photoshop: Natürlich kam im Publikum die Frage auf, ob er die Lichtstimmung und die Farben manipuliert, gar Photoshop benutzen würde. Klar, sagt Eskildsen. Er liebe seinen Photoshop. Für ihn sei wichtig, dass alle Elemente auf dem Bild enthalten sind, aber der Kamerasensor kann nicht das Sehen eines Photographen interpretieren, es ist nur ein Stück Technik. Er (der Photograph) hat die Licht- und Farbstimmung gesehen und empfunden und PS sei nur ein Werkzeug, diese aus dem Bild herauszuholen. Genau, so sehe ich das mittlerweile auch. Es sind Visionen, die wir umsetzen, wobei ich mich jetzt nicht mit Herrn Eskildsen vergleichen möchte, nicht falsch verstehen ;-).

Er arbeitet grundsätzlich an einem Thema. Wenn er anfängt, Bäume zu fotografieren, dann fotografiert er eine Weile eben nur Bäume und dann kommt das nächste Thema. Vielleicht ist diese Auseinandersetzung grundsätzlich wichtig, das Erkennen, das Sich-Einlassen, das Abschließen? Darüber muss ich noch nachdenken oder es mal ausprobieren. Mach, was dich interessiert und das intensiv. So verstehe ich seinen Ansatz.

Schön auch sein Exkurs zum Thema Disziplin. Fotografen brauchen Disziplin. Ohne Disziplin würden viele Bilder nicht entstehen. Er zeigt ein Bild, das er von einem Berg aus aufgenommen hat. Im Tal liegt ein kleines Dorf über dem ein Sylvesterfeuerwerk explodiert. Er erzählt, dass er völlig kaputt von einem anstrengenden Tag mit ein paar Freunden auf dem Weg vom einen Ende des Dorfes zum anderen war, wo eine Feier stattfinden sollte. Er drehte sich um, sah den Berg und stellte sich vor, was für eine tolle Langzeitbelichtung er von dort oben aus von dem Feuerwerk machen konnte. Hin- und her gerissen zwischen beiden Optionen wog er ab. Den ganzen Weg zurück gehen, Stativ und Kamera einpacken, auf den Berg steigen, warten und fotografieren oder mit den Freunden feiern. Tja, sagt er, hätte er nicht die nötige Disziplin gehabt, wäre dieses Bild nie entstanden. Disziplin sei eine der wichtigsten Eigenschaften über die ein Fotograf verfügen sollte ;-). Ok, ob bei mir die Disziplin je den inneren Schweinehund überwindet und ich morgens um 5 Uhr in der Natur fotografiere, weil der Raureif im Licht des Sonnenaufgangs besonders schön aussieht? (Habe ich bisher nur auf den Fotos anderer Fotografen gesehen ;-) )

Es war ein interessanter und inspirierender Abend und hat mir auf charmante Weise viele Denkanstöße gegeben und die Bilder wirken nach.

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Jade Beall – A Beautiful Body Projekt

We have the ability to choose to feel worthy, to believe we are beautiful and to act as women who wish to share beauty and joy in this world as an inter-connected community of people seeking a beautiful and peaceful life. (Jade Beall)

Es ist an der Zeit, Schönheit  neu zu definieren, sagt die amerikanische Fotografin Jade Beall und hat wunderbare Bilder von Schwangeren und Müttern fotografiert. Ein über Kickstarter finanziertes Projekt, welches nicht nur für amerikanische Frauen wichtig ist. Jade Beall zeigt die Frauen mit den kleinen und großen Spuren, die eine Schwangerschaft unweigerlich auf dem Körper hinterlässt, nichts ist retuschiert. Und die Frauen auf ihren Bildern strahlen und sind schön. Auf ihrer Webseite erzählt sie von den Geschichten der Frauen, von dem Hadern mit dem eigenen Körper. Das war sicher auch in der vergangenen Jahrzehnten ein Thema der Frauen, aber in Zeiten, in denen ihnen von Models und Schauspielerinnen suggeriert wird, dass Frau 3 Monate nach der Geburt aussehen kann, als hätte sie nie ein Kind geboren, finde ich so ein Projekt einfach wundervoll. Es wäre doch schön, wenn es Jade Beall gelingt, etwas in den Köpfen der Frauen (und Männer!) zurecht zu rücken, nämlich, dass sie stolz und schön sind, auch und gerade mit den Zeichnungen und Formen, an denen man ablesen kann, dass ein Kind in ihnen gewachsen ist. Ich freue mich schon sehr auf “Mothers Vol. 1″!

Zur Webeite des Projektes

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Wonder – Jessica Backhaus

Über die Fotografin Jessica Backhaus habe ich im letzten Jahr anlässlich einer Ausstellung in Hamburg berichtet. Zu lesen ist der Artikel hier. Nun hat foam Amsterdam einen kleinen und sehr feinen Dokumentarfilm über die Künstlerin gedreht, in dem sie einen Einblick in ihre Arbeitsweise und ihre Art zu sehen gibt. Schaut ihn euch an, ich finde ihn sehr gelungen.

Zum Film “Wonder – Jessica Backhaus” 

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Dirk Reinartz – totenstill

Heute ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Am 27. Januar 1945 wurde Auschwitz befreit, 67  Jahre ist das jetzt her. 40 Jahre ist her, dass meine Großtante mir das Tagebuch der Anne Frank schenkte. 34 Jahre ist her, dass ich ein ganzes Schuljahr lang lernte, welch furchtbare Geschichte die Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1945 schrieben.  Mich hat das für mein Leben geprägt und so bewegt mich die Geschichte der Massenvernichtungslager und deren Opfer noch heute.

Letzte Woche war ich in einer Ausstellung, die die Arbeit”St. Georg” von Dirk Reinartz ausstellt. Da mich die Bilder dieses Fotografen sehr ansprachen, habe ich zu seiner Person recherchiert und stieß auf seinen Bildband “totenstill“, zu dem Christian Graf von Krockow den Text verfasst hat. Dieser Bildband hat mich sehr beeindruckt, sowohl von den Bildern als auch vom Text her. (Einen Eindruck der Bilder kann man hier gewinnen) Im Vorwort zu totenstill schreibt Graf von Krockow:

“Was Gegenwart war, ist in die Geschichte gesunken; unsere Eindrücke stammen aus zweiter oder dritter Hand, aus Berichten der Augenzeugen oder aus Spielfilmen wie “Schindlers Liste”. Wahrscheinlich hängt es damit zusammen, daß inzwischen Gedenkstätten einer neuen Art erbaut werden, weitab von den Orten des Geschehens, sei es in Washington, D.C. oder in Frankfurt am Main. Natürlich gibt es die Plätze noch, an denen die Lager einst standen, Gedenkstätten jetzt durchweg auch sie, hergerichtet, um Ergriffenheit zu demonstrieren, Mahnreden zu halten oder Blumen, Kränze niederzulegen oder um der Neugier, einem Tourismus des Grauens zu Diensten zu sein, samt eifrig erklärenden Reiseführern und Andenkenverkauf, als handle es sich um Gemäuer des Mittelalters mit ihren Verliesen und Folterkammern. Was kann man da lernen? Sehr wenig, muß man vermuten. Geduld und Genauigkeit wären eigentlich gefordert, dazu ein Alleinsein mit sich und den eigenen Eindrücken, damit die Bilder zu wirken vermögen und die Stille zu sprechen beginnt. Doch die Besuchszeiten sind begrenzt: Nur noch schnell ein paar Fotos! Auf die Erklärer wartet ohnehin schon der Feierabend, wie auf die Besucher ihr nächstes Fahrtenziel. Nach Dachau die Gemütlichkeit in Münchner Biergärten, der bekömmliche Ausgleich: Das ist menschlich, und wer darf darum schelten? Geduld und Genauigkeit: Vielleicht kann ein Buch dazu helfen, eines wie dieses. Denn mit Geduld und Genauigkeit wurden seine Bilder gesammelt, über Jahre hinweg überall in Deutschland und Europa, wo es die Konzentrations- und Vernichtungslager gab.” (Reinartz/Graf von Krockow in totenstill; Verlag Steidl, 1995)

Die Bilderstrecken enstanden über einen Zeitraum von 8 Jahren, beginnen in Dachau und zeigen insgesamt Fotos aus 26 Konzentrationslagern. Auf den schwarzweißen Bildern sind niemals Menschen zu sehen, so entsteht eine Totenstille, die dem Betrachter Zeit und Raum gibt, die Aufnahmen auf sich wirken zu lassen. Aufnahmen der Gelände, der Anlagen, der Räume, der Krematorien, der Schlafräume, der Folterräume und der Gaskammern. In dem Text zum Buch setzt sich Graf von Krockow auch mit der Frage auseinander, wie sich Individuen und Gruppen  in einer Diktatur verhalten, ja im Grunde mit der Psychologie der Nazi-Diktatur selbst. Im Anhang gibt es zu jedem Konzentrationslager einen informativen Text.

©Dirk Reinartz

Solche Bücher sind keine leichte Kost und die enthaltenen Fotos mag man nicht mit Attributen auszeichnen. Einen solchen Bildband zu empfehlen ist schwierig. Ich finde aber, dass heute genau der richtige Tag dafür ist. Und somit lege ich euch dieses Werk – totenstill – ans Herz.

In Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.

 

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KPK – Architekturfotografie vom Feinsten


Vor einiger Zeit entdeckte ich auf 500px einige Architekturfotos,die mich sehr faszinieren, weil für mich hier alles stimmt: Die Bildwinkel und Ausschnitte, die Wahl und Anordnung der Motive und die passende Bearbeitung der Bilder. Immer wieder saß ich vor dieses Fotos und hatte in Gedanken tausend Fragen an den Fotografen KPK. Und daraus wurde nun dieses spannende Interview, in dem KPK ein bisschen über sich und seine Arbeit erzählt:

Darf ich fragen, wie du zur Fotografie gekommen bist? Und wie sich der Schwerpunkt Architektur herauskristallisiert hat?
Ich fotografiere seit Anfang der 80er Jahre mit Spiegelreflexequipment, hatte in den Anfangsjahren meiner Fotopraxis in Berlin jedoch keinen ausgesprochen künstlerischen Anspruch an die Fotografie sondern habe eher zu Dokumentationszwecken fotografiert. So habe ich beispielsweise eine weit über 100 Fotografien umfassende Serie von bemalten Brandmauern (Hausfassaden) erstellt, von denen heute viele in der Realität (durch Übermalung, Baumaßnahmen, Abriss, etc.) nicht mehr existieren. Vielleicht wurde dort bereits der erste Grundstein für meine Vorliebe zur Architekturfotografie gelegt.

Welche Fähigkeiten sind Grundvoraussetzung, um gute Architekturfotos zu machen?
Ein Gespür für die ästhetische Wirkung des Zusammenspiels von Formen, Flächen und Linien ist sicher sehr hilfreich, oder mit anderen Worten, eine gewisse Fähigkeit zu abstrahieren, einzelne grafische Elemente und deren optisch-ästhetisches Potential bereits beim Betrachten des Motivs zu erkennen, um dann einen entsprechenden Bildausschnitt, Blickwinkel etc. zu wählen.


Du bist offensichtlich immer an den richtigen Plätzen, um die tollsten Motive ablichten zu können. Wie kommst du an die Adressen?
LOL, die Locations selbst sind selbstverständlich wichtig. Viele Motive wirken schon für sich allein, da muss der Fotograf nicht mehr viel tun. Herausfordernder sind jedoch die nicht auf den allerersten Blick als fotografierwürdig erscheinenden Objekte, sondern die Locations, die erst durch die Wahl des Ausschnitts, des Blickwinkels und manchmal auch nur bei bestimmten Licht die richtige Wirkung entfalten.
Oft sehe ich Fotos interessanter Locations und frage mich dann, ob es wohl möglich ist, hiervon Fotos mit einer anderen Wirkung zu erzielen. Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie viele unterschiedliche Herangehensweisen an ein und dasselbe Motiv möglich sind und zu welch unterschiedlichen Ergebnissen man kommen kann.
Ich frage daher gelegentlich direkt bei anderen Fotografen an, wo sich bestimmte Locations befinden, informiere mich bei Architektur-Websites über neue Projekte / Bauwerke, oft erkunde ich jedoch selbst bei Städtereisen auch unbekanntes Terrain.

Mit welchem Equipment bist du unterwegs?
Seit einigen Jahren bin ich mit Olympus-Kameras und entsprechenden Olympus-Objektiven unterwegs. Ein stabiles Stativ gehört natürlich auch zur Ausrüstung, ebenso wie Funkfernbedienung, Graufilter u.a.m.

Magst du erzählen, wie ein Shooting abläuft? Planst du vor oder geschieht das eher spontan?
Das ist unterschiedlich, eine gewisse Vorab-Planung ist aber schon die Regel. Wenn ich beispielsweise vorhabe, ein bestimmtes Gebäude zu fotografieren, schaue ich mir oftmals per Google-Maps die Lage an, um abzuschätzen, zu welcher Tageszeit (vormittags oder nachmittags) die günstigeren Lichtverhältnisse vorliegen und ob es von öffentlichem Grund aus fotografierbar ist. Bei Innenaufnahmen ist i.d.R. eine vorherige Anfrage beim Architekt / Eigentümer / Nutzer / Verwalter notwendig, um eine entsprechende Erlaubnis zu erhalten, dies muss somit rechtzeitig erledigt werden und bedeutet häufig einen großen zeitlichen Vorlauf. Auch sind nicht alle Gebäude an allen Wochentagen zugänglich, so etwas muss auch eingeplant werden. Habe ich vor, an oder in Gebäuden zu fotografieren, wo viel Publikumsverkehr (Museen etc.) herrscht, ist oft der Samstag zur frühestmöglichen Öffnungszeit ein Zeitpunkt, an dem die wenigsten Menschen das Fotografieren stören.
Selbstverständlich ergeben sich auch spontane Shootings, wenn ich rein zufällig eine interessante Location entdecke. Dann laufe ich um das Gebäude herum und versuche aus vielen verschieden Blickwinkeln und mit unterschiedlichen Objektiven eine möglichst große Anzahl an unterschiedlichen Fotos zu machen, die ich dann später am Computer auswerte und ggf. bearbeite.

Eines meiner Lieblingsbilder aus der Sektion “Architecture Photo Art” ist “SilverVision”. Wie ist dieses Bild entstanden?
Das Bild ist in Paris entstanden und wurde mit einer Brennweite von 400 mm (KB-äquivalent) vom Triumphbogen aus aufgenommen. Es zeigt eine Komposition bestehend aus der Skyline des La Défense-Bezirks und eines weiteren Hochhauses, welches ich aus Gründen der Bildgestaltung zusätzlich in das Foto integriert habe. Der verwischte Effekt ist am Computer durch die Anwendung eines Bewegungsunschärfefilters erzeugt worden. Nachträglich wurden einzelne Gebäudedetails wieder per Ebenenarbeit hervorgehoben.
 

Wie sieht dein Workflow aus?
Eine häufig gestellte Frage auf die es immer wieder keine eindeutige Antwort gibt bzw. geben kann. Zu Beginn steht die RAW-Konvertierung, bei der ich hauptsächlich Belichtung und wenn nötig Weissabgleich korrigiere. Das weitere Vorgehen hängt jedoch ganz individuell von jedem einzelnen Foto ab und was ich damit machen möchte. Das beginnt bei Naturaufnahmen, die möglichst unverfälscht, klar und realistisch wirken sollen über Architekturaufnahmen, denen durch Kontrast- und Strukturhervorhebung bestimmte Spannungselemente hinzugefügt werden sollen bis hin zu Fotos, die ich auch gerne einmal hinsichtlich einer besonderen Farbgestaltung und Detailverfremdung weit in den nicht-realistischen, abstrakten Bereich hin bearbeite, um bestimmte Wirkungen auf den Betrachter zu erzielen.

Wie wichtig sind für dich Plattformen im Internet, z. B. die Fotocommunity oder 500px? Welche ist die Wichtigste für dich?
Zu Beginn meiner Foto-Aktivitäten im Internet waren Fotocommunities von besonderer Bedeutung, weil dort viel Hilfestellung für Problemlösungen sowie viel Lernmaterial verfügbar ist. Diese Plattformen sind auch wichtig, um den eigenen Bekanntheitsgrad zu steigern und um überhaupt erst einmal andere Menschen auf die eigenen Arbeiten aufmerksam zu machen. Ich habe dort direkte Kontakte zu anderen Fotografen geknüpft, die für meine fotografische Weiterentwicklung sehr bedeutend waren. Mittlerweile habe ich mich aus den meisten Communities zurückgezogen, überwiegend aus zeitlichen Gründen. Sehr am Herzen liegt mir aber meine Mitarbeit bei Onexposure (http://1x.com), weil dies m.E. eine recht außergewöhnliche Foto-Website mit einem besonderen Anspruch darstellt. Auch die Community dort ist von einer vorbildlichen Art und Weise des Umgangs untereinander gekennzeichnet. Aus meiner Sicht ein Projekt, das es wert ist, unterstützt zu werden. 
 
Du hast schon einige Fotos in Printmedien veröffentlicht und Preise gewonnen. Hatte das Auswirkungen auf deine Karriere als Fotograf? Ich frage, weil ich vermute, dass es heute unglaublich schwierig ist, sich einen Namen zu machen, aus der Masse herauszustechen, selbst wenn man so gut ist wie du.
Die eigenen Fotos in Magazinen oder Büchern relativ regelmäßig wiederzufinden zeigt mir, dass sich meine intensive Beschäftigung mit dem Fotografie-Hobby und der große zeitliche Aufwand lohnt. Zum wiederholten Male zeigt sich, dass Erfolg i.d.R. nur durch intensives, konstantes Bemühen zu erreichen ist. Letztendlich freue ich mich einfach darüber, dass meine Bilder gut ankommen und anderen beim Betrachten Freude machen. Dass das Ego durch die kleinen Erfolge, die ich bislang erzielt habe auch ein wenig gestreichelt wird, will ich nicht in Abrede stellen :-) Ich glaube, eine “Karriere” als Fotograf habe ich aber trotzdem noch nicht gemacht und das strebe ich auch nicht an. Auswirkungen hat meine Präsenz in Printmedien oder bei Fotowettbewerben nicht direkt auf das, was ich fotografisch mache. Da folge ich meinen eigenen Zielen, nämlich mich weiterzuentwickeln und mit meinen Fotos Freude beim Betrachter zu erzielen. 

Welche Fotografen findest du erwähnenswert?
Das ist für mich ehrlich gesagt, die schwierigste Frage dieses Interviews. Erwähnen möchte ich hier aber doch Candida Höfer aus der Gruppe der “Becher-Schüler“. Sie pflegt einen fotografischen Stil, der sich häufig auf die grafische Wirkung der abgelichteten Motive konzentriert, was mir natürlich sehr zusagt.

Ich sehe, dass du auf 1x.com bzw. whitewall.com auch Prints verkaufst. Kaufst du manchmal Prints anderer Fotografen?
Das habe ich schon getan, kommt aber eher selten vor. Hauptsächlich liegt das jedoch daran, dass der Platz an den heimischem Wänden begrenzt ist :-)

Was wünscht du dir für dich als Fotograf für die nächsten 5 Jahre?
Die Möglichkeit, meine fotografischen, wie auch bildbearbeitungstechnischen Fähigkeiten weiterzuentwickeln. 

KPK, ich bedanke mich für das ausführliche und interessante Interview, aus dem meine Leser und ich sicher etwas mitnehmen und freue mich schon auf deine nächsten Werke!
 
 
            

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Fotoprojekt “Panorama Streetline”

Erfurt Domplatz © Panorama Streetlline

Die Fotografen des Projektes  “PanoramaStreetline” haben eines gemeinsam: Ein großes Interesse daran, komplette Strassenzüge  fotografisch zu dokumentieren. Auf der Homepage des Projektes heisst es:

Wir zelebrieren die Einzigartigkeit von Strassenzügen, die man so noch nicht zuvor sehen konnte. Projekte wie Googles’ Street View oder Microsofts’ Street Side sowie weitere geplante zukünftige Projekte werden ein beeindruckendes virtuelles Bild unserer Welt, oder zumindest eines Teils von ihr, erzeugen. Auf Jahrzehnte hinaus erhält sich so ein detailliertes Bild unserer heutigen Welt. PanoramaStreetline trägt dazu bei indem es eine Sammlung ausgewählter Strassenansichten aus Städten und Dörfern überall auf der Welt aufbaut und dabei den Fokus auf die Einzigartigkeit und die Tradition von architektonischen Entwicklungen verschiedener Orte legt.

Die einzelnen Panoramen kann man auf der Webseite  bewundern. Zu ihren bisherigen Projekten zählen Straßenzüge in Deutschland, Malta, Polen, England und Mexiko. Besonders gut gefällt mir, dass es zu den meisten Panoramen auch ein wenig zur Geschichte der jeweiligen  Straße zu lesen gibt. Ein lineares Panorama herzustellen ist aufwändig, da es von verschiedenen Standpunkten aus aufgenommen wird. Bei einem normalen  Panorama werden die Einzelbilder von ein und demselben Punkt aus fotografiert und dann bequem mit einer Software zusammengefügt. Das ist hier oft nur mit Qualitätsverlusten möglich und so werden die einzelnen Aufnahmen  meist manuell entzerrt und zusammengefügt.

Das jüngste Projekt, an dem z. Zt. noch gearbeitet wird, ist das Bild eines Teils der PortobelloRoad in London, Notting Hill. In folgendem Clip kann man sehen, wie die einzelnen Aufnahmen zu dem Werk vor dem Stiching aussehen und sich gut vorstellen, wie genau gearbeitet werden muss, um daraus ein Panaorama zu basteln.

 

Wie bereits erwähnt, ist das Bild noch nicht ganz fertig, aber das bisherige Ergebnis ist jetzt schon sehenswert und eines meiner Favoriten, daher möchte ich es gern zeigen:

 

Fotografen, die sich auf die eine oder andere Art an diesem interessanten Projekt beteiligen wollen, sind willkommen und können sich hier über die Kontaktmöglichkeiten informieren.

 

 

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Frank Zauritz fotografierte Kiss in Tulsa

Die Band “Kiss” kennt wohl jeder. Den Fotografen Frank Zauritz vielleicht nicht, der sich von einem kleinen Lottogewinn mit 18 seine erste Kamera kaufte und damit den Grundstein für seine Karriere legte. Der Autodidakt begann mit Sportfotografie, wechselte später zur Werbefotografie und nahm Aufträge für Reportagen aus Kriesengebieten an, die ihn u. a. nach Afghanistan führten. Heute bezeichnet er sich selbst als “Menschenfotograf”. Er portraitierte zahlreiche Prominente aus der Politik und der Glamourwelt der Stars. Die überaus einfühlsam komponierten Bilder zeigen meist eine bisher nicht gesehene Facette der Menschen. Ich mag besonders das Foto von Udo Jürgens, der nur mit einem weißen T-Shirt bekleidet, auf der Kante eines Hotelbettes sitzt. Da sitzt nicht die Figur Udo Jürgens, da sitzt der Mensch.

Parallel arbeitet Zauritz aber weiterhin als Reportagefotograf und als solcher ist er in die USA geflogen und hat die Rockgruppe Kiss fotografiert. Eigentlich war nur geplant, dass er in die Staaten fliegt und Fotos von Gene Simmons schießt. Der Kiss-Gründer fand es aber unmöglich, dass man über Kiss schreiben will, wenn man nicht eines ihrer Konzerte gesehen hat. Und so ergab sich der Traum eines jeden Reportage-Fotografen und er durfte die Band fotografisch vor und während des Konzerts in Tulsa begleiten. Entstanden ist eine eindrucksvolle Reportage über diese Veteranen des Rocks. Kein bisschen respektlos, kein bisschen entwürdigend. Großartige Bilder, die die Ausstrahlung des “Kiss-Stylings” einfangen, die zeigen, dass Kiss heute noch funktioniert. Die Bilderstrecke “Kiss in Tulsa” kann man auf der Webseite des Fotografen sehen, wo sich ein Blick in die weiteren Alben lohnt.

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Interview mit Steve McCurry auf FotoTV

Steve McCurry: Sharbat Gula, Afghan Girl, Pakistan, 1984

“Zurückblickend auf die letzten 20 oder 30 Jahre, kann ich mir nichts besseres vorstellen, meine Zeit damit zu verbringen, zu reisen, und diesen Planeten zu erkunden. Er ist so vielfältig und so reich.” (Steve McCurry im Interview auf FotoTV)

Steve McCurry´s Foto des afghanischen Mädchens mit den wunderschönen grünen Augen ist wohl jedem bekannt. Steve McCurry ist ein amerikanischer Fotojournalist und Magnum-Fotograf. FotoTV zeigt ein knapp 20-minütiges Interview mit dem Fotografen, in dem er über den Beginn seiner Karriere berichtet, über seine Interessen und Projekte. Er erzählt die Geschichte des berühmten Fotos “Afghanisches Mädchen” und von der erneuten Begegnung mit ihr 18 Jahre später. Er nimmt sein letztes Buch “The Imperial Way” und zeigt Bilder daraus und erzählt auch dazu die Geschichten, was ich besonders spannend finde, denn manchmal sieht man Bilder anders, wenn man die Geschichte dazu vom Fotografen selbst hört.

Ich sehe gerade, dass man auf FotoTV angemeldet sein muss, wenn man das Video sehen möchte, was aber kostenlos ist und den Zugang zu einem kleinen Teil des Angebotes dort ermöglicht. Unangemeldet kann man leider nur eine Vorschau sehen.

Link zum Video

Webseite von Steve McCurry

Steve McCurry bei Magnum Photos

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