SPIRAL

SPIRAL

Mitunter werde ich in Leser-Mails gebeten, meine Bildbearbeitung zu erläutern und der Bitte will ich in Zukunft öfter nachkommen. Meine Wege sind selten kompliziert und die meisten Fotos entwickle ich einfach in Lightroom. Photoshop nutze ich meist, wenn ein Bild umfassender retuschiert oder geschärft werden muss.

In der City Nord entdeckte ich obiges Objekt mit dem schönen Schattenwurf, den die schräg stehende Frühjahrssonne möglich machte. Mich sprachen die Kontraste an diesem Motiv an: Zum einen der Farbliche zwischen dem Himmel und den Wänden und zum anderen der zwischen den Formen:  Gerade, geometrische Formen und Linien stehen im Gegensatz zu den runden Formen der Wendeltreppen, der Rohre und des Daches.

In Farbe passt es aber nicht gut in eine entstehende Serie über die City Nord, für die ich mich auf Schwarzweiß festgelegt habe. Obwohl ich generell lieber “farblos”  arbeite, fand ich zunächst, dass diesem Bild der starke farbliche Kontrast besser steht, als eine simple s/w-Umwandlung.

SPIRAL-simple s:w

Allerdings kann man den Kontrast des Himmels zu den Wänden auch damit erreichen, dass man den Himmel deutlich abdunkelt. Ich habe für diesen Effekt in Lightroom das Blau in der Schwarzweiß-Mischung deutlich reduziert und die Anteile an Orange und Gelb erhöht, damit die hellen Partien, insbesondere die Rohre,  noch knackiger werden.

Bildschirmfoto 2013-04-16 um 15.41.01

SPIRAL-final

Ein kleiner Eingriff mit starker Wirkung. Das Ergebnis gefällt mir nun sogar besser als das Farbbild und passt perfekt zur Serie.

Der Weg zum Bild…

Endergebnis… ist immer individuell. Als ich mit der Fotografie begann, war ich beeinflusst von der Meinung der Fotografen, für die ein Bild bzw. ein Foto nur dann eines ist, wenn es so wie es ist, aus der Kamera gekommen ist. Ein bearbeitetes Foto, womöglich ein durch Bildbearbeitung regelrecht manipuliertes Bild ist kein gutes Foto, wenn es denn überhaupt noch so genannt werden kann. Das hat sich im Laufe der Jahre geändert, heute zählt für mich nur das Endergebnis, der Weg dahin kann unterschiedlich sein. Außer in der Reportagefotografie, die einen dokumentarischen Anspruch hat, ist die Bildgestaltung, auch die nachträgliche, meine künstlerische Freiheit. Das Bild, das dadurch entsteht, kann durchaus dem entsprechen, welches ich gesehen habe, denn mein Auge oder besser gesagt mein Gehirn kann Bildelemente wahrnehmen und andere ausblenden, die mich stören. Um das zu verdeutlichen, habe ich dieses Beispielbild ausgesucht.

An diesem Motiv interessierten mich die Bergzüge im Hintergrund, das kleine Tal, das meinen Blick anzieht, der See, die Weite und natürlich das Fischerboot. Die Segler und die Häuser am Berg empfand ich zwar als störend und vor allem völlig überflüssig, aber so sah es da nun mal aus. Kürzlich fiel mir dieses Foto wieder ein und ich machte mich daran, aus ihm endlich das zu machen, was ich damals schon gesehen habe. Dementsprechend habe ich die Bearbeitung vorgenommen. Ich gebe zu, beim Wegstempeln der Hochhäuser habe ich kurz gezögert, denn das stellt eine Verfremdung der Realität dar, wohingegen die Situation, dass nur ein Fischerboot auf dem See zu sehen ist, durchaus der Wirklichkeit entsprechen könnte. Ich habe die Häuser dennoch aus dem Foto retuschiert, denn mein Ziel war nicht zu zeigen, wie es an diesem See aussieht, sondern meine Interpretation dieser Szene. Nach der Konvertierung in s/w war es dann fertig, reduziert auf das, was das Bild für mich ausmacht. Und hätte ich darüber nicht geschrieben, würde es kein Mensch sehen ;-).

Das Ausgangsbild wurde übrigens 2007 aufgenommen. Wo, ist nach diesem Text nebensächlich :-)

Ausgangsbild

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