 + ctrl + ⏏

VOR GEBRAUCH SCHÜTTELN

 

Schütteln von rechts nach links und wieder zurück.
Erschüttern, Abschütteln, Durchrütteln, Durchmischen.
Erfahrungen, Pläne, Gedanken, Erinnerungen, Gefühle.
Wahrnehmen, ordnen, prüfen, bewerten, verzweifeln.
Bildschirmfoto 2015-01-15 um 18.05.10
Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser wird, wenn es anders wird, aber soviel kann ich sagen: Es muss anders werden, wenn es gut werden soll.
Georg Christoph Lichtenberg

Manchmal ist analog einfach sinnlicher ;-)

Analog

Es ist lange her, aber den Geruch werde ich nie vergessen. Den Geruch der königsblauen Tinte, die mir aus dem Schulheft in die Nase stieg und den ich liebte. Mein Vater saß bei mir und schaute mir ab und zu während Schularbeiten über die Schulter. Ich war stolz wie Bolle auf meinen Pelikan-Füller und die feucht-glänzende Tinte. Ich gab mir besonders viel Mühe und wollte die leeren Zeilen mit meiner schönsten Schrift füllen. Tintenkiller sollten erst in ein paar Jahren erfunden werden (und würden dann hässliche, gelbe Spuren auf dem Papier hinterlassen) und so stand jeder kleinste Wackler und natürlich erst Recht jedes falsch geschriebene Wort unwiderruflich in dem Heft. Schon damals hatte ich einen klitzekleinen Hang zum Perfektionismus ;-)  und hätte am liebsten bei jedem Fehler ein neues Heft angefangen, um endlich mal ein fehlerfreies zu haben. Das hat nie geklappt :-). Die ersten Seiten sahen toll aus und dann begann der Schlendrian, vielleicht kennt ihr das.

Geblieben ist meine Liebe zur Tinte, schönen Schreibgeräten und noch schöneren Heften. Ehrlich, ich kenne alle meine Stifte ganz genau und auch ihr Verhalten auf unterschiedlichen Papieren. Ich hüte sie wie meine Augäpfel und wenn ich tatsächlich mal einen verliere, bin ich untröstlich. Dabei schreibe ich nicht wirklich. Ich notiere, zitiere, fixiere, manchmal meine Gedanken, die anderer oder Lyrics, die mir etwas bedeuten. Aber das Tun mag ich. Es ist im Grunde eine kleine Kunst, die wir damals gelernt haben. Schönschrift, der ausgedehnte Schreibübungen vorausgingen. Man schrieb eine Seite nur mit dem  kleine “l” voll, die Hand musste locker kreisen und bald die komplizierten Schlingen des “Schreib-Gs”  sauber auf das Papier bringen ohne die Tinte zu verwischen. Eine schöne Fertigkeit, die Ruhe und Konzentration erfordert, Sorgfalt und Umsicht.

Heute schreibe ich selbstverständlich auch auf der Tastatur, die alles verzeiht, löscht und kopiert. Ob es schön aussieht oder nicht, entscheidet die Wahl der Schrift, nicht meine Sorgfalt. Alles geht schnell und effektiv. Das ist auch gut so, natürlich! Und die Vorstellung, die Möglichkeit nicht mehr zu haben, wäre gruselig.

Aber sinnlicher ist es analog. Deswegen habe ich meinen Füller, der keine Tinte mehr aufziehen wollte, nun für richtiges Geld reparieren lassen und freue mich (mal wieder) an einem neuen Buch, welches mit Worten gefüllt werden möchte. Übrigens ziert das Cover die Handschrift  von Antoine de Saint-Exupéry und es ist einfach schön. Die erste Seite liegt blank vor mir und einige Zeilen geht es gut, aber dann – verschrieben *grrrr*. Der Versuch, die Seite so herauszureißen, dass es nicht auffällt, scheitert. Das Buch ist verletzt. Dann heute beim “Fotoshooting”  für diesen Artikel: Absturz! Buchabsturz – die Länge des Objektivs unterschätzt und beim Runterfahren des Stativs damit auf´s Buch gehauen, welches am Rand des Küchentisches liegend natürlich vorn runter, hinten hoch klappte, den Füller ins Rollen brachte, den ich im letzten Moment vor dem Absturz retten konnte, die Finger verschmiert mit dokumentenechter schwarzer Tinte, das schöne Blatt auch. Aber ich habe ja das Löschblatt parat ;-). Ach, analog ist irgendwie cool. Wenn ich das Buch später mal in die Hand nehme, werde ich mich schmunzelnd an diesen Moment erinnern und das Geschreibsel ist so wirklich  einzigartig. Copy & Paste unmöglich.

Ich verstehe euch, die ihr mit echtem Film und Chemie in der Nase in der Dunkelkammer steht, ehrlich :-). Und ich schiele immer öfter in entsprechende Kursangebote.

Harley-Tour USA und das Foto-Equipment

DSCF8564

 

Eine Motorrad-Tour ist genau das und keine Fotografen-Reise. Das war mir klar, aber das es dann doch noch ganz anders kam, als ich mir das vorgestellt hatte, hätte ich nicht vermutet. Ich kann gar nicht genau beschreiben, wie meine Vorstellung war. Grob gesagt, dachte ich, dass ich irgendwie mehr Zeit hätte, wirklich Bilder zu machen. Das ist nichts, mit dem ich jetzt hadere, im Vordergrund stand die Tour und ich habe ja trotzdem einige schöne Bilder mitgebracht.

Vor unserer Harley-Westküsten-Tour habe ich mit einigen Fotografen über das angedachte Equipment gesprochen und mir Rat geholt. Von “nimm alles mit, was du hast” bis hin zu “lass die Kamera zu Hause und genieße” war wohl alles dabei. Entschieden habe ich mich für folgende Auswahl:

  • Eine große Fototasche, eine kleine für Städtetouren
  • D700 und Fuji X100s (wegen der Filmfunktion)
  • diverse Speicherkarten und Akkus
  • Linsen: 50mm, 24-70mm, 14-24mm
  • diverse Filter
  • Reisestativ
  • Smart Phone

Knapp 90% der Bilder sind mit der Kombi  D700 + 24-70 entstanden. Das 50er schlummerte in der Tasche, das Superweitwinkel habe ich einmal benutzt. Das Stativ kam gar nicht zum Einsatz und ging zudem verloren :-(. Auch die Filter blieben in der Tasche und gefilmt habe ich mit der Fuji gar nicht. Fazit: Ich habe viel zu viel mitgeschleppt und hätte mir das ersparen können. Woran lag es?

Eine geführte Tour bedeutet in der Konsequenz, dass du dich einer Reisegruppe anschließt und hier ist es sicher fast egal, ob per Auto, Bus oder Motorrad. Ich habe viel vom Motorrad aus fotografiert, wobei keine fotografischen Glanzleistungen, sondern eher Schnappschüsse für die eigene Erinnerung entstanden. Morgens ging es zeitig los und abends hat man meist zusammen gegessen. Dazwischen wurde gefahren und während der Stops an den Aussichtspunkten war Zeit zu fotografieren, aber nicht, um die nähere Umgebung auf die beste Einstellung hin zu erforschen und aufwändige Aufnahmen zu machen. Außerdem wurde in den Pausen natürlich geklönt, gegessen, getrunken, sich noch mal eingecremt usw. Einmal, an einem See, habe ich schnell das Objektiv gewechselt, aber festgestellt, dass es in Stress ausartet, wenn die Gruppe sich schon für Weiterfahrt fertig macht und man selbst eigentlich noch ein Bild komponieren und anschließend auf die Allround-Linse zurück wechseln muss. Also habe ich es dann gelassen.

Ausreichend sichereren Stauraum bieten die Cases nicht nur für die Fotoausrüstung

Ausreichend sichereren Stauraum bieten die Cases nicht nur für die Fotoausrüstung

Das 24-70mm war meist ausreichend, manchmal hätte ich mir mehr Länge gewünscht. Der Autofokus ist schnell und auf dem Motorrad war das zwingend notwendig. Das andere Gedöhns hätte ich mir sparen können. Gefehlt hat mir ein Reinigungsmittel für den Body und die Kamera. Gerade in den heißen Regionen mussten wir uns oft mit Sonnenschutzmittel eincremen und hatten nicht die Möglichkeit, die Hände zu waschen. Man schwitzt, es ist staubig oder die Luft am Meer salzhaltig. Am Ende des Tages klebte die Kamera und die Linse bzw. in meinem Fall der Klarglasfilter war völlig verschmiert. Da half kein Microfasertuch :-( . Zum Glück konnte ich den Filter mit Shampoo unter heißem Wasser reinigen (nicht immer mit dem gewünschten Erfolg ;-) ), mit dem Objektiv wäre das schon schwieriger geworden. Aufgrund meiner Erfahrung sieht meine Empfehlung für eine solche Reise so aus:

  • Kamera
  • 1 gutes Zoom-Objektiv (Weitwinkel- bis Teilbereich) mit einem Klarglasfilter
  • Reinigungsutensilien- und Mittel für Filter und Body!!!
  • reichlich Speicherkarten, 1 Ersatzakku, Ladegerät
  • Smart-Phone, falls man mal ohne Tasche los möchte.

That´s it.

Das war jetzt sicher nur interessant für fotografierende Menschen, die eine ähnliche Reise planen, aber da ich vorher nach genau solchen Informationen gesucht habe, war es mir ein Anliegen, diesen Post zu schreiben. Fotos werdet ihr auch noch sehen, versprochen :-) Wir sind schon auf dem Weg ins Death Valley:

 

Death Valley

Death Valley

 

 

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren:

Vegas – bunt, laut, skurril

Harley-Tour USA II: Warum eine geführte Tour und Death Valley

Harley-Tour USA III: Von Bishop über Mariposa nach San Francisco

Harley-Tour USa IV: San Francisco

Harley-Tour USA V: Highway No.1 – S. F. bis L. A.

Harley-Tour USA VI: L. A. bis Palm Springs

Harley-Tour USA VII: Palm Springs bis Kingman

Harley-Tour USA VIII: Kingman – Williams – Kayenta

Harley-Tour USA IX: Kayenta-Kanabl-Vegas und ein Filmchen

 

Vegas – bunt, laut, skurril

DSC_6394

 

Die ersten Tage vor der Motorrad-Tour verbrachten wir in Las Vegas. Eine laute und skurrile Stadt, in der nur das Geld zu zählen scheint. Es war richtig heiß und die Wege weit. Das “mal eben um die Ecke” bedeutet hier immer einen Fußmarsch von mindestens 20 Minuten. Mich hat Vegas überfordert. Allein die Atmosphäre in den überall präsenten Spielkasinos und die Größe der Hotels sind so eine Sache. Viele Verrückte sind in Vegas unterwegs, auffallen um jeden Preis scheint die Devise zu sein, auch, um damit kleines Geld zu verdienen.

Am Strip angekommen, liefen gerade die Wasserspiele am “Bellagio”, vor dem sich viele Menschen versammelt hatten, um dieses Schauspiel anzusehen. Ich konzentrierte mich auf ein älteres Paar, welches vor mir stand und war froh, einen Ankerpunkt für meine Augen zu haben.

An den beiden nächsten Tagen wurden die Hotels durchstreift. Bei der Hitze auch das Beste, was man tun kann. Die Hotels sind riesig und übertrumpfen sich gegenseitig mit Attraktionen. Am meisten hat mich das “Luxor” beeindruckt, in Form einer Pyramide gebaut und mit einer unglaublichen riesigen und hohen Lobby. Das New York erinnert  mit der davor platzierten Mini-Ausgabe der Brooklyn-Bridge tatsächlich an diese fantastische Stadt, aber insgesamt ist hier alles übertrieben, protzig und wirkt in der Wüste doch deplatziert. So auch die künstlichen Kanäle im “Venetian”, auf denen singende Gondoliere betuchte Touristen herumgondeln. Alles übrigens unter einem künstlichen Himmel, der mir vormittags das Gefühl gab, es sei schon früher Abend.

 

 

Besser gefiel mir das Hardrock-Café und das einzig interessante Kasino gibt es im Hardrock-Hotel zu sehen. Beide Locations stellen in Schaukästen Bühnen-Outfits, Gitarren, Autogramme, goldene Schallplatten und ähnliches Gedöns berühmter Rock-Größen aus und es gibt dort die leckersten Fritten der Welt :-). Musik, Essen, Ambiente = top!

 

 

Auch in der Fremont-Street, im alten Las Vegas, waren wir. Hier verkehren viele der Einheimischen, denn hier ist es nicht ganz so glamourös und teuer wie am Strip. Aber schräg, noch schräger als am Strip. Stündlich läuft eine Videoshow an der Decke, man begegnet den merkwürdigsten Gestalten und überall dröhnt Musik.

 

 

Das sind diesmal viele Bilder, aber Vegas wollte schnell abgearbeitet werden ;-).

Harley-Tour USA und das Foto-Equipment

Harley-Tour USA II: Warum eine geführte Tour und Death Valley

Harley-Tour USA III: Von Bishop über Mariposa nach San Francisco

Harley-Tour USa IV: San Francisco

Harley-Tour USA V: Highway No.1 – S. F. bis L. A.

Harley-Tour USA VI: L. A. bis Palm Springs

Harley-Tour USA VII: Palm Springs bis Kingman

Harley-Tour USA VIII: Kingman – Williams – Kayenta

Harley-Tour USA IX: Kayenta-Kanabl-Vegas und ein Filmchen

Back from the USA

DSCF8624

Mal raus aus dem eingefahrenen Leben. Einfach in einem neuen Hier & Jetzt sein. In L.A. am Strand habe ich dieses Gefühl intensiv erlebt.

 

Hey folks, how are you doing? Da bin ich wieder. Knapp drei Wochen bin ich in eine andere Welt abgetaucht und habe das komplette Internet weitgehend hinter mir gelassen. Mein Mann und ich haben an einer geführten Harley-Tour teilgenommen, ich als Sozia, und sind knapp 4000km durch 4 Bundesstaaten geknattert: Nevada, Kalifornien, Arizona und Utah. Seit gestern sind wir wieder da und doch nicht so richtig. Es war ein visueller Overload und die Köpfe und Speicherkarten sind voller Bilder. Wir haben so viel gesehen und erlebt. Haben in der Wüste geschwitzt und in Utah gefroren, die Füße in den Pazifik gesteckt, sind in San Francisco Cable Car gefahren, haben auf der Route 66 gelegen, am Highway No 1 den Sonnenuntergang bestaunt, sind über den Grand Canyon geflogen, haben die bunte, künstliche Welt von Las Vegas erlebt und die Armut im Navajo-Reservoir. Eine Reise der Gegensätze. Kulinarisch, landschaftlich, menschlich und klimatisch.

Nun schlummern reichlich Bilder in Lightroom und bei jedem freue ich mich über den erlebten Moment. Am Anfang habe ich so ziemlich jeden Strauch fotografiert, so neu und aufregend waren die Eindrücke, gegen Ende gab sich das zum Glück etwas ;-) Sicher werde ich viele Bilder hier zeigen und euch von dieser Reise erzählen, nach und nach, denn es ist viel Material :-). Ich werde euch von der Landschaft erzählen, den Menschen, der Organisation der Reise, den Vor- und Nachteilen einer solchen Tour und natürlich dem Equipment. See you! :-)

 

Nach der Durchquerung der Mojave-Wüste durchgeschwitzt, aber glücklich!

Nach der Durchquerung der Mojave-Wüste durchgeschwitzt, aber glücklich!

 

IN THE AIR TONIGHT

IN THE AIR TONIGHT

 

Kürzlich besuchten mein Mann und ich gute Freunde in Hannover. Während wir am Maschsee stehen, erinnere ich mich an unseren Besuch vor 22 Jahren in dieser netten Stadt.

Es war 1992 und Genesis spielte im  Stadion am Maschsee. Es war ein heißer Sommertag und nachdem wir gefühlte Stunden im Stau gesteckt hatten, saßen wir doch noch früh genug auf dem Rasen im Innenraum, hatten einen guten Platz ergattert und schmorten in der Sonne. Das Konzert begann, die Sonne ging begleitet von vielen tollen Songs allmählich unter, der Wind frischte auf und kühlte die schweißverklebte Haut.  Und dann hörte ich die ersten Töne des Stückes, auf das ich den ganzen Abend gewartet hatte: In the air tonight. Ein Stück, dass schon seit Jahren einen festen Platz auf meinen Mixtapes hatte. Phil saß an der Bühne und sang und ich hatte eine Gänsehaut. Schritt für Schritt bewegte er sich ganz langsam hinter seine Drums. Als er zu trommeln begann, war ich emotional so berührt, dass ich dickes Pipi in den Augen hatte.

Als ich meinen Freunden davon erzähle, ist dieser Moment so präsent, dass ich mich weg drehe, denn die Emotionen sind wieder da, während ich von weitem nur das Dach des Stadions sehe und dieses Foto mache.

 

 

 

AFTER THE DARKNESS THERE WILL BE LIGHT

DSC_0836-Bearbeitet

 

Die Serie “AFTER THE DARKNESS THERE WILL BE LIGHT” entstand in einem undefiniertem Zeitraum in den letzten Jahren, während meiner vielen Spaziergänge über Friedhöfe, hauptsächlich dem Ohlsdorfer Friedhof. Ich wandelte auf den Spuren von Erinnerung und Trauer der anderen und so lautete auch der Arbeitstitel der Serie. Während der Arbeit an diesem Thema und dem Sichten des Materials veränderte sich mein Gefühl dazu. Es ging immer weniger um die Trauer der anderen und immer mehr um meine eigene.

Eine kleine Auswahl zeige ich unten. Die ganze Serie ist hier zu sehen: AFTER THE DARKNESS THERE WILL BE LIGHT

 

 

Memento 

Vor meinem eigenen Tod
ist mir nicht bang,
nur vor dem Tode derer,
die mir nah sind.
Wie soll ich leben,
wenn sie nicht mehr da sind?
Allein im Nebel tast ich todentlang
und laß mich willig
in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht
halb so wie das Bleiben.
Der weiß es wohl,
dem gleiches widerfuhr,
und die es trugen,
mögen mir vergeben.
Bedenkt, den eigenen Tod
den stirbt man nur,
doch mit dem Tod des anderen
muß man leben.

(Mascha Kaléko)

Ein Blog Award

 

Bildschirmfoto 2014-04-02 um 00.00.44

forgottenforawhile hat mich schon vor einer Weile als einen ihrer liebsten Blogs nominiert – vielen Dank dafür – und mich gebeten, einige Fragen zu beantworten, was ich gern tue, auch weil ich die Fragen mag, für die sie sich entschieden hat.

1) Warum hast du dich für das Medium entschieden, mit dem du künstlerisch tätig bist?

Das Medium hat, glaube ich, mich gesucht. Ich lebte zu der Zeit weit weg in Hongkong und es entstand der unbändige Wunsch meine Eindrücke festhalten zu können. Und dann gab es diesen kleinen Fotoladen, in dem eine Nikon D80 stand und mir zurief: “Ich bin die, die du brauchst.” ;-) Na ja, ein bisschen war das wohl so, aber es gibt auch einen Hintergrund, der mir erst später klar wurde: Ich war und bin ein Mensch mit ausgeprägten Sinnen für Musik, Gerüche, feinste Stimmungen und Bilder, vor allem für Bilder. Ich habe früher viel gemalt und gezeichnet, aber ich war viel zu ungeduldig. Die Fotografie gaukelte mir vor, schnell zu sein. Ich konnte endlich ohne großen Zeitaufwand Bilder machen. Heute weiß ich, das ein gutes Bild Zeit braucht, manchmal auch viele Wiederholungen bis es gelingt, aber es gibt auch die schnellen und trotzdem guten Bilder. Aber die gibt es nur, weil ich viel Zeit und Neugierde investiert habe, achtsamer sehen zu lernen. Mal ganz abgesehen davon, brauchte es auch viel Zeit, die Technik zu beherrschen.

2) Woher nimmst du deine Inspiration?

Manchmal inspirieren mich die Arbeiten anderer Fotografen, aber oft sind es ganz klitzekleine Alltagsmomente, ein Licht, ein Schatten, eine Farbe…. Musik, Filme und vor allem Gefühle und Gedanken. Aktuell finde ich z. B. Steve McCurry inspirierend, von ihm kann man u. a. viel über Komposition lernen und ich bin ein großer Fan der Fotos von Jessica Backhaus. Ich mag Künstler, die sich nicht auf technische perfekte Bilder beschränken (ausser in der Architektur-Fotografie), sondern versuchen Gefühle zu transportieren, etwas ausdrücken.  Ein Portfolio, das mir z. B. sehr gefällt ist das von Zewar Fadhil. Ausserdem verändert sich das immer mal wieder. Früher mochte ich die “großen” Bilder, perfekt und “postertauglich”, heute mag ich oft die “leisen” Bilder, die einen nicht immer auf Anhieb umhauen.

3) Gibt es Menschen, die dich unterstützen?

Ja, da ist vor allem mein Mann, der meine Arbeit wertschätzt und mich nicht nur mental, sondern manchmal auch praktisch unterstützt  und ein sehr enger, auch fotografierender Freund.

4) Was kostet dich deine “Kunst” (also die Medien dafür) im Schnitt monatlich?

Puh, manchmal zuviel und manchmal relativ wenig. Kommt drauf an, was gerade ansteht. Gutes Equipment ist teuer, aber oft eine Anschaffung für´s Leben. Hoffe ich zumindest, bin ja nicht mehr Zwanzig ;-). Dann sind da die laufenden Kosten für die Creative Cloud, den Blog, die Internetpräsenzen, in Summe eigentlich zuviel, aber mir ist es das wert.

5) Welches Medium würdest du gern ausprobieren, traust dich aber nicht und warum?

Die analoge Fotografie. Mir ist das zu aufwändig und ich scheue die vielen Fehlversuche, die es sicher nach sich ziehen würde. Dabei mag ich sie sehr, ich finde, dass analoge Bilder oft wesentlich mehr Charme haben, als digitale Bilder. Aber über die Jahre habe ich mich an so manches getraut und suche in der Fotografie neue Herausforderungen, daher würde ich nicht ausschließen, dass ich eines Tages doch plötzlich einen Film entwickle ;-) Und ich merke, dass ich Herzchen in den Augen habe, wenn ich alte Kameras sehe, so würde ich wahnsinnig gern mal  eine Rolleiflex ausprobieren, wenigstens mal durchgucken :-).

6) Was würdest du tun, wenn du plötzlich deine Kunst nicht mehr umsetzen könntest, weil du körperlich dazu nicht mehr in der Lage wärest (Lähmung, Erblindung….)? 

Also, wenn ich als Fotografin die Kamera nicht mehr halten könnte, wäre das schon auch dramatisch. Aber tatsächlich denke ich manchmal darüber nach, was geschehen würde, wenn ich erblinden würde. Eine der größten Katastrophen, die ich mir vorstellen kann. Furchtbar, grausam. Dann musst du das Leben neu lernen und die Fotografie wäre nur eine Sorge von vielen. Vielleicht würde ich versuchen, meine inneren Bilder über Texte zu transportieren. Das müsste ich lernen, denn so gut bin ich nicht im Schreiben. Aber es wäre mir ein Bedürfnis. Daran mag ich aber eigentlich nicht denken, nächste Frage.

7) Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?

Im Moment schön aufgeräumt, was ich mag. Aber es sammelt sich immer wieder viel Zeugs auf meinem Schreibtisch an, vor allem aufgeschlagene Bildbände und Fotomagazine. Da steht ein Mac, ein Grafiktablett, ein Foto von meiner Tochter, Festplatten und eine transparente Schreibtischunterlage, unter der Shortcuts für PS, LR und Apple liegen, die ich trotzdem nur selten nutze ;-). Jede Menge Memos, also kleine Erinnerungszettel “Morgen Müll rausbringen” :-D. Manchmal ein paar weiße Blumen, die ich sehr mag.

ShakeItPhoto Photo

8) Warum bloggst du?

Vermutlich um einen Spiegel zu haben. Mich mitzuteilen. Eine Zeitlang  dachte ich (und das war auch meine Motivation am Anfang), das tue ich hauptsächlich für mich, um mich zu strukturieren, zu sammeln, mich intensiv auseinanderzusetzen, aber bloggen ohne Resonanz wäre auch doof. Ich freue mich über die Auseinandersetzung mit meinen Lesern und würde mir diesbezüglich manchmal mehr wünschen, auch konstruktiv-kritisch, aber in der schnelllebigen Internet-Welt gehört der schnelle Klick auf das “gefällt mir” halt dazu. Als Blogger liest du auch in vielen anderen Blogs und da bleibt oft einfach keine Zeit für einen ausführlichen Kommentar, das kenne ich von mir selbst.

9) Welches Zitat oder Motto beschreibt dein Leben derzeit am treffendsten?

Puh, das ist schwierig. Wo andere “yeah – das mach ich”  schreien, gehe ich erstmal einen Schritt zurück und beobachte. Ein Zitat von Kafka begleitet mich schon lange mahnend: “Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.”

10) Zu welchen Themen würdest du gerne mehr Blogs sehen und welche Themen hast du schon völlig über?

Völlig über sind mir zahlreiche Blogs, aber die muss ich ja nicht lesen ;-). Wünschen würde ich mir mehr Blogs, die sich mit Bildern auseinandersetzen, einen Text dazu schreiben, für Kritik offen sind und insofern meine Auseinandersetzung mit der Fotografie bereichern. Ich mag es auch sehr, wenn Blogger sich mit der Kunstszene rund um die darstellende Kunst beschäftigen. Ein Blog, der das zumindest auf dem Sektor der Fotografie immer wieder gut umsetzt, ist kwerfeldein.de, wobei ich es nicht schaffe, das alles zu lesen, leider.

11) Könntest du dir eine Welt ohne Internet vorstellen und würdest du in einer solchen leben wollen

Ich bin ohne Computer aufgewachsen, ohne Internet, ohne Handy. Und ich erinnere mich gut an diese Zeit. Zeit…… ich hatte viel Zeit für viele Dinge, für die ich heute durch das Internet keine Zeit mehr habe. Ich hatte immer ein Buch dabei und habe gelesen, sobald sich die Möglichkeit dazu bot. Heute lese ich kaum mehr, sondern höre Hörbücher, weil ich die hören kann, während ich andere Dinge tue. Ich habe mehrere Abende an einem Bild gezeichnet, jeden Morgen eine Zeitung gelesen oder mich auch einfach mal gelangweilt, was wirklich zu einem kreativem Schub führen kann :-). Ehrlich: Internet, Computer und Handys kosten Zeit, viel Zeit. Das finde ich manchmal ganz schön bitter. Andererseits eröffnet es mir Welten, von denen ich vorher nur geträumt habe. Und ich weiß gar nicht, wie es mit der Fotografie so wäre, wenn es das Internet nicht gäbe. Würde man sich dann in Fotogruppen treffen, um seine Bilder zu besprechen? Würde man nur für sich allein Fotos machen? Spannende Frage. Aber es ist keine Antwort auf deine Frage und ich kann dir leider keine geben, außer vielleicht der, dass ich weiß, dass man ohne Internet leben kann :-).

 

Ich gebe diesen Award mit diesen Fragen, die angepasst werden dürfen, weiter an folgende Blogs, die ich persönlich sehr mag und die sich bitte nicht verpflichtet fühlen, ihn anzunehmen, denn ich weiß, manche haben da gar keine Lust zu oder es passt gerade oder sowieso nicht in den Blog (kein Stress! :-) :

 

Jörg Kruth malt, zeichnet und fotografiert und diese Kombination finde ich erfrischend und inspirierend

Baphomet´s Throne rue23 fotografiert und musiziert

aebby LOG fotografiert, denkt, schreibt – interessante Mischung

kiekste hier Patrick fotografiert hauptsächlich, ich mag die Fotos

alleaugenblicke.de Werner fotografiert und schreibt und hat eine besondere Sicht auf die Welt

moodway Jörn fotografiert, “äppelt” und musiziert

kreuzberg süd-ost Tikerscherk schreibt und das richtig gut

Frau Doktor, Tom & Jamie Marion bloggt sehr persönlich und fotografiert hauptsächlich Blumen und bearbeitet die Bilder aufwändig

Das Pixel Café Cologne Luiza und Thorsten fotografieren hauptsächlich Menschen und amerikanische Autos und sind cool drauf

Pabuca Christian und Markus, die mit Pabuca ein wirklich tolles Projekt ins Leben gerufen haben

Jarg´s Blog, schreibt unglaublich gute Film- und Buchrezensionen

Spiegelbremse, Hansekiki fotografiert und ich bin wegen ihrer Bilder aus Asien bei ihr gelandet und hängengeblieben :-)

 

 

 

 

Im Wald

Im Wald (5 von 5)

 

“Mein Freund der Baum ist tot, er fiel im frühen Morgenrot.” Dieser Text bzw. dieses Lied hat mich als Kind tief beeindruckt. Es gab eine Erwachsene, die so viel für einen Baum empfunden hat, dass sie dieses melodramatische Lied sang und mir aus der Seele sprach. Und wie sie sang! Ich lauschte andächtig und manchmal weinte ich ein bisschen. Nach dem Umzug in eine andere Wohnung wuchs vor meinem Zimmerfenster eine zierliche, kleine Birke. Mein Baum. Wie oft habe ich auf der Fensterbank gesessen und ihr von meinem Sorgen und Nöten berichtet. Sie war eine geduldige Zuhörerin. Mit 12 Jahren sollte ich aus dem Alter des magischen  Denkens eigentlich heraus gewesen sein, aber ich war fest überzeugt, dass sie nur deswegen nicht antwortete, weil es in der Welt der Bäume so langsam zuging, dass wir weder sehen können, wie sie zustimmend nicken, noch ihre Sprache verstehen, von Ents wusste ich damals zum Glück noch nichts, sonst hätte ich das Bäumchen sicher nicht mehr aus dem Auge gelassen ;-).  Natürlich liebte ich den Wald, und Ausflüge dorthin, um Pilze zu sammeln, Heidelbeeren zu pflücken oder einfach im Herbst mit den Füßen durch das raschelnde Laub zu laufen, waren das Größte für mich.

Heute wohne ich in den Hamburger Walddörfern, irgendwie klar oder? ;-) Es sind nur ein paar Minuten in den Wald und ich bin oft und gern dort. Die Gedanken, die ich als Kind hatte, haben mich nie ganz verlassen und die Zuneigung zu Bäumen auch nicht.

Und so bin ich neulich, früh am morgen, mal wieder im Wald gewesen. Es war nebelig und kühl. Ich ließ mich treiben und stapfte abseits des Weges in ihn hinein und ließ mich ganz auf die Stimmung ein. Vielleicht haben die Bäume versucht mir etwas zu erzählen und ich war immer noch zu laut? ;-)

Wenn ihr Lust & Zeit habt, werft gerne einen Blick in die Galerie mit 22 Bildern.

 

Im Wald (4 von 5)

 

Im Wald (2 von 5)

 

Im Wald (3 von 5)

 

Im Wald (1 von 5)

 

Der Wald ist ein besonderes Wesen,
von unbeschränkter Güte und Zuneigung,
das keine Forderungen stellt
und großzügig die Erzeugnisse
seines Lebenswerks weitergibt;
allen Geschöpfen bietet er Schutz
und spendet Schatten selbst dem Holzfäller,
der ihn zerstört. 

Siddhartha Gautama / Buddha (ca. 420 – 368  v. Chr.)

Tschüss 2013!

DSCF5457

 

Nach ein paar Tagen Winterstille schreibe ich heute den letzten Post in diesem Jahr. Es ist die Zeit der Jahresrückblicke und auf vielen Blogs gibt es dieser Tage nachdenkliche Bestandsaufnahmen zu lesen. So auch hier.

Für 2013 hatte ich mir jede Menge vorgenommen, aber abgesehen davon, dass ich es versäumt habe, mir konkrete Ziele und Zeiträume zu stecken, in denen ich sie erreicht haben wollte, passierte einfach das Leben und machte mir einen dicken Strich durch die Rechnung. Und so sehe ich dem neuen Jahr anders entgegen. Nichts ist selbstverständlich und du weißt nie, was morgen passiert. Ich springe jetzt nicht auf dem Tisch und rufe “Carpe diem”, vielmehr ist es die Erkenntnis, dass die Zukunft stets von einem Nebelschleier umhüllt wird und das, was sich dahinter verbirgt komplett unberechenbar ist. Man geht vorwärts, Schritt für Schritt, und der Weg schiebt sich einem unter die Füße und das Spannende ist, ob es gelingt, ihn anzunehmen und voller Neugier zu betrachten und die Schätze findet, die immer am Wegesrand verborgen sind. Ich bin gespannt, wohin mich das nächste Jahr führen wird. Die Schätze diesen Jahres habe ich im Gepäck. Und einige wenige, aber wichtige Pläne i. S. Fotografie habe ich auch gemacht:

  • Ab morgen werde ich für mich das Projekt 52/7 starten. Eigentlich ist es ein 365-Tage-Projekt, da ich aber dem Stress des täglichen Hochladens entgehen will, poste ich einmal die Woche 7 Bilder. Ich habe darüber lange nachgedacht, denn es ist eine absolute Herausforderung, aber ich denke, genau die brauche ich jetzt. Und ich bin gespannt, welche Erkenntnisse ich aus dem Projekt ziehe. Inspiriert hat mich Jörg Rüger´s 365-Tage Projekt, das ich schon länger auf Facebook verfolge.
  • Ich möchte an einem  themen-orientiertem  Projekt arbeiten. Allerdings nicht allein, sondern mit einem befreundeten Fotografen. Es gilt noch einiges zu besprechen, aber am Ende steht möglicherweise die Veröffentlichung als E-Book. Das Thema steht, mal schauen, ob wir das so realisieren können.
  • Ebenfalls ab morgen werde ich mit einer jungfräulichen Bibliothek in Lightroom starten. Ich hatte über die Gründe hier schon geschrieben und ich ziehe das durch. Es ist ja nicht so, dass ich an die “alten” Bilder nicht mehr herankomme, aber ich will mich gezielt auf etwas Neues einlassen.

Was für Pläne und Vorsätze habt ihr in fotografischer Hinsicht? Vielleicht habt ihr Lust, darüber in einem Kommentar etwas zu schreiben? Falls ihr auf eurem Blog schon etwas darüber geschrieben habt, könntet ihr auch einfach den Link dahin im Kommentar posten. Ich bin neugierig! :-)

Zum Abschluss möchte ich euch allen danken, für eure Besuche, Kommentare und E-Mails – für euer Interesse! Kommt gut und gesund ins neue Jahr!