Tschüss 2013!

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Nach ein paar Tagen Winterstille schreibe ich heute den letzten Post in diesem Jahr. Es ist die Zeit der Jahresrückblicke und auf vielen Blogs gibt es dieser Tage nachdenkliche Bestandsaufnahmen zu lesen. So auch hier.

Für 2013 hatte ich mir jede Menge vorgenommen, aber abgesehen davon, dass ich es versäumt habe, mir konkrete Ziele und Zeiträume zu stecken, in denen ich sie erreicht haben wollte, passierte einfach das Leben und machte mir einen dicken Strich durch die Rechnung. Und so sehe ich dem neuen Jahr anders entgegen. Nichts ist selbstverständlich und du weißt nie, was morgen passiert. Ich springe jetzt nicht auf dem Tisch und rufe “Carpe diem”, vielmehr ist es die Erkenntnis, dass die Zukunft stets von einem Nebelschleier umhüllt wird und das, was sich dahinter verbirgt komplett unberechenbar ist. Man geht vorwärts, Schritt für Schritt, und der Weg schiebt sich einem unter die Füße und das Spannende ist, ob es gelingt, ihn anzunehmen und voller Neugier zu betrachten und die Schätze findet, die immer am Wegesrand verborgen sind. Ich bin gespannt, wohin mich das nächste Jahr führen wird. Die Schätze diesen Jahres habe ich im Gepäck. Und einige wenige, aber wichtige Pläne i. S. Fotografie habe ich auch gemacht:

  • Ab morgen werde ich für mich das Projekt 52/7 starten. Eigentlich ist es ein 365-Tage-Projekt, da ich aber dem Stress des täglichen Hochladens entgehen will, poste ich einmal die Woche 7 Bilder. Ich habe darüber lange nachgedacht, denn es ist eine absolute Herausforderung, aber ich denke, genau die brauche ich jetzt. Und ich bin gespannt, welche Erkenntnisse ich aus dem Projekt ziehe. Inspiriert hat mich Jörg Rüger´s 365-Tage Projekt, das ich schon länger auf Facebook verfolge.
  • Ich möchte an einem  themen-orientiertem  Projekt arbeiten. Allerdings nicht allein, sondern mit einem befreundeten Fotografen. Es gilt noch einiges zu besprechen, aber am Ende steht möglicherweise die Veröffentlichung als E-Book. Das Thema steht, mal schauen, ob wir das so realisieren können.
  • Ebenfalls ab morgen werde ich mit einer jungfräulichen Bibliothek in Lightroom starten. Ich hatte über die Gründe hier schon geschrieben und ich ziehe das durch. Es ist ja nicht so, dass ich an die “alten” Bilder nicht mehr herankomme, aber ich will mich gezielt auf etwas Neues einlassen.

Was für Pläne und Vorsätze habt ihr in fotografischer Hinsicht? Vielleicht habt ihr Lust, darüber in einem Kommentar etwas zu schreiben? Falls ihr auf eurem Blog schon etwas darüber geschrieben habt, könntet ihr auch einfach den Link dahin im Kommentar posten. Ich bin neugierig! :-)

Zum Abschluss möchte ich euch allen danken, für eure Besuche, Kommentare und E-Mails – für euer Interesse! Kommt gut und gesund ins neue Jahr! 

 

 

 

 

 

 

Kreuzberg Süd-Ost fragt und ich antworte

Stöckchen

Kreuzberg Süd-Ost hat mir ein sogenanntes #Stöckchen zugeworfen und habe es gefangen und beantworte gern die Fragen, da ich denke, es erzählt euch ein bisschen was von mir. So let´s go:

10 Fragen:

1. Warum bloggst du? Könntest du deine Zeit nicht sinnvoller nutzen? Nein, ich könnte die Zeit, die ich ins Bloggen investiere, nicht sinnvoller nutzen, da ich mich in den Blogposts mit fotografischen Themen oder meinen Bildern intensiv auseinandersetze. Ich muss selektieren, genau überlegen, welches Bild ich warum posten möchte und das führt zu einer kritischeren Betrachtung. Gleiches gilt für die Theorie, sei es die Fotografie, Bildbearbeitung oder Ausstellungsberichte. Ich würde ohne den Blog sicher nicht so intensiv über Themen recherchieren.

2. Welcher Artikel aus anderen Blogs ist dir spontan im Kopf geblieben? (nicht zu lange nachdenken) Da ist ein Blogpost von Werner Pechmann: “Diesmal Venedig”. Ich denke tatsächlich oft an seine Geschichte, lies sie, sie ist einfach wunderschön geschrieben. Dann “Der Regen”, eine längere Geschichte, die es auf foodandwineporn.de zu lesen gab. Interessanterweise mag ich in letzter Zeit zunehmend die Verbindung von Bildern und Geschichten. Und ohne Geschichten aktuell das 365 Tage Projekt von sichtbarkeiten.de. Faszinierend! Und Jörn Daberkows Projekt “Hamburg auf dem iPad”. Jörn hat just ein E-Book fertiggestellt und hat in einem Projekt-Tagebuch seine Erfahrungen festgehalten.

3. Dein absoluter Lieblings-Artikel in deinem Blog? (bitte mit Linkangabe) Da muss ich nicht lange nachdenken – TOO SCARED TO CLOSE MY EYES, der sehr persönlich ist, auch wenn eigentlich gar kein Text dabei ist, und Jessica Backhaus im Artist Talk, der meine Begeisterung für diese Künstlerin widerspiegelt und für mich selbst eine schöne Erinnerung ist, denn sie hat mich mit ihrer Begeisterung förmlich angesteckt.

4. Welchem Blog wird aus deiner Sicht zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt? werpec-bildgeschichten, bereits weiter oben erwähnter Blogger, der die Fotografie und das Schreiben liebt und in dieser Kombination ganz wunderbare Posts verfasst. Und neu entdeckt habe ich schiesswohl-blog.com, dessen Auseinandersetzung mit der Fotografie mich anspricht.

5. Stelle dir vor, du müsstest über ein tiefgründiges Thema schreiben. Worüber schreibst du? Es wäre vermutlich ein sehr persönliches oder ein soziales Thema. Ich komme aus dem sozialen Bereich und meine soziale Ader lässt mich nie los und mein Fundus an Themen wäre reich, leider. Aber dafür würde ich vermutlich eine andere Plattform wählen als diese.

6. Freundschaft. Hast du mehr Freunde im Internet oder in deinem Zimmer neben dir? Deutlich (!) mehr in meinem direktem Umfeld, wobei ich vereinzelt auch schon wirklich wertvolle Freunde durch die Bloggerei kennengelernt habe.  Internet-Bekanntschaften sind meist oberflächlicher Natur und stark von aktuellen Interessen abhängig und können von heute auf morgen ohne Abschied verschwinden. Da liest du dann “deleted” und das war´s. Echte Freundschaften wachsen über Jahre und im direkten Kontakt, nicht über likes und Kommentare. Trotzdem mag ich viele Internet-Kontakte sehr und sie sind mir über einen gewissen Zeitraum irgendwie ans Herz gewachsen. Vielleicht mag ich auch deswegen die Foto-Blogs, die mitunter auch viel schreiben und nicht nur Bilder posten, denn nur über Fotos kann ich keine “Beziehung” zu dem Menschen aufbauen, den ich dahinter vermute, dazu brauche ich auch ein wenig Geschreibsel und sei es über den Austausch in den Kommentaren.

7. Ganz ehrlich und unter uns: wie oft checkst du die Statistik deines Blogs?  Guter Punkt. Ich bin da sehr schlusig. Manchmal, wenn ein Balken in der Grafik heraussticht, schau ich schon mal, aber eigentlich interessiert mich das nicht so sehr.  Als ich den Blog ins Leben rief, tat ich das in erster Linie für mich selbst. Ich brauchte einen Ort, an dem ich meine Gedanken, Bilder und Erfahrungen zentrieren konnte. Natürlich habe ich gehofft, dass auch ein paar Leser vorbeischauen, aber ich hätte nie damit gerechnet, dass meine Beiträge von so vielen Menschen gelesen werden, das war mir anfangs richtig unheimlich. Ich freue mich über interessierte Besucher und finde es besonders schön, wenn ich Leserpost bekomme und interessante Kommentare. Aber das hat so gar nichts mit der Statistik zu tun. Allerdings kann ich gut verstehen, wenn die Zahlen für andere Blogs wichtig sind, die die Werbe-Einnahmen nutzen, um die Kosten des Blogs aufzufangen.

8. Was hast du für deinen Blog für Wünsche oder Pläne? Ich möchte wieder mehr über Ausstellungen und Künstler schreiben. Das vergangene Jahr verlief privat sehr turbulent, so dass ich nicht die Ruhe für Ausstellungsbesuche fand. Außerdem möchte ich gern intensiver an Themen arbeiten, die von Interesse für meine Leser und mich selbst sind. Ich habe einige Ideen im Kopf, aber sie müssen noch ein wenig reifen. Ach, und langfristig möchte ich von wordpress.com weg. Zwar ist diese Plattform bequem, aber schränkt mich auch sehr ein und ist teuer geworden, so man nicht gewillt ist, Werbung auf seinem Blog hinzunehmen, auf die man überhaupt keinen Einfluss hat.

9. Verhältst du dich manchmal noch wie ein Kind? Wenn ja, in welcher Situation? Ich kann manchmal über Kleinigkeiten staunen, mich empören über Ungerechtigkeiten und mich in in meinem Tun verlieren wie ein Kind und ich habe mir die Authentizität bewahrt. Nicht immer von Vorteil im Leben. ;-)

10. Was würdest du anders machen, wenn du mit den Erfahrungen von heute noch einmal neu im Alter von 14 Jahren beginnen dürftest? Hehe, mit dem Wissen und den Erfahrungen von heute wäre die Schule ein Spaziergang durch ein sonnenüberflutetes Feld gewesen ;-). Ach, da gibt es vieles und eigentlich ist es immer wieder ein Traum, die Erfahrungen von heute früher schon gehabt zu haben. Ich würde mir nicht reinreden lassen welchen Beruf ich ergreifen soll, würde meine künstlerische Ader als Basis für diesbezügliche Entscheidungen nehmen und vermutlich Fotografie und Kunst studieren. Von privaten Entscheidungen mal ganz abgesehen….. Eine Fülle an Verirrungen und Verwirrungen wären mir erspart geblieben, aber wäre ich dann heute die, die ich bin?

Ach und ich würde ganz sicher nie nie nie wieder mit dem Rauchen anfangen!

Vielen Dank für das Interesse, Tikerscherk. Ich gebe das #Stöckchen jetzt an Werpec-Bildgeschichten weiter und wünsche viel Spaß bei der Beantwortung. :-)

Verschlungene Kurven

SOUNDS LIKE A MELODY

 

Ungefähr wie auf diesem Bild geht es mir mit der Fotografie im Moment. Ich habe ein paar Linien im Blick, die nach vorn führen. Von der Seite kommen aber immer wieder verschlungene Pfade, die ich nur allzu gern verfolge und mich in ihnen verfange.

Die geraden Linien zeigen mir den Weg meinen Ideen nachzuspüren, ein paar angedachte neue Wege einzuschlagen. Die melodiösen, verlockenden Pfade sind mein reicher Vorrat an Bildern, in denen ich mich immer wieder verliere. Kennt ihr das? Statt so häufig wie möglich neue Fotos aufzunehmen, wird in der Bibliothek gekramt, sortiert, neu entwickelt. Klar, wenn ich durch meine LR-Bibliothek scrolle, breitet sich mein Leben vor mir aus. Das ist das eine. Das andere ist mein sich verändernder Blick auf Bilder. Ich entdecke das Potential von manchem Foto erst heute und manch andere, die ich vorher richtig toll fand, entpuppen sich als langweilig. Die Verlockung ist groß, die neu entdeckten Perlen noch einmal neu zu entwickeln, denn da hatte ich anfangs noch kein gutes Händchen für. Und so verfranse ich mich regelrecht in meinem Bilderpool. So kann es aber nicht weitergehen und daher muss sich etwas ändern.

Meine Hauptseite lichtbildwerkerin.de ist inhaltsmäßig überarbeitet, vielleicht habt ihr Lust und schaut mal vorbei und toll wäre ein feedback, positiv wie negativ. Ich habe im zweiten Schritt noch so an die 100 Bilder für eine eventuelle Veröffentlichung bereit gelegt und muss noch zwei Serien neu entwickeln und exportieren, dann werde ich einen neuen Katalog anlegen. Klar, der ist jederzeit aufrufbar, aber man arbeitet halt doch mit dem Aktuellen. Keine Ablenkung mehr.

Allerdings ist das schwer, ein Abschied. Gerade habe ich das Bild aus dem letzten Post auf 500px hochgeladen. Das Potential dieses Bildes hatte ich lange Zeit nicht gesehen, es ist schon 2007 entstanden, als ich gerade erst begann zu fotografieren. Nun, dieses Bild ist (zumindest kurzfristig) mein bisher erfolgreichstes auf 500px. Trotzdem, der Schnitt muss sein. Manchmal muss man sich befreien, damit Neues möglich sein kann.

ME AND TWO AND 7 MILLIONS

TWO AND TWO AND MILLIONS

Metaperspektive

Es ist dunkel und ruhig hier oben. Fast nichts ist zu spüren von dieser lärmenden, pulsierenden Stadt. Ans Geländer gelehnt lässt sie ihren Blick schweifen, genießt ihn und den lauen Wind, der über ihre feuchte, vom Schweiß etwas klebrige Haut streift. Sie hatte den Nachmittag mit ihrer neu entdeckten Lieblingsbeschäftigung verbracht und viele Eindrücke fotografiert. Anstrengend war es, laut und heiß, aber die Bilder waren eine Verlockung, ein Ruf. Es ist immer noch heiß, denkt sie, zu heiß für mich. Sie sehnt sich nach Hause, nicht in die Wohnung, die sie nun mit ihrer Familie hier bewohnt, sondern nach Hause, nach Deutschland, wo sie jetzt am Abend die kühle Sommerluft in ihrem Garten genießen würde. Vielleicht wäre jemand zu Besuch, der von seinem Alltag erzählt. Vom Alltag zu Hause, der so weit weg war. Paul Young hatte Unrecht, als er sang “Wherever I lay my hat that’s my home”, denkt sie und summt leise die Melodie vor sich hin.  Der Griff um ihre Kamera wird fester, als könne sie die aufsteigenden Gefühle damit wegdrücken. Die Kamera klebt auch. Fast den ganzen Tag hatte sie sie in der Hand gehalten und ihr Handballen brennt von der ungewohnten Belastung. Sie genießt die Streifzüge durch diese fremde Welt, die sie als so widersprüchlich empfindet. Die Bilder waren auf einmal da und sie will sie festhalten, als würde es ihr helfen zu verstehen und hier anzukommen. Und jetzt gibt sie ihr Halt, wie merkwürdig das klingt. Du und ich, wir schaffen das, schien der Griff zu bedeuten. Ihre Gedanken sind in der Heimat. Heimat – ein komisches Wort, denkt sie, ein Wort, das erst hier eine Bedeutung bekam. Ein Wort, das Schmerz hervorruft. Ein Wort, angefüllt mit ihren Erinnerungen und Sehnsüchten. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, alles in einem Begriff, denn was Heimat ihr bedeutet, würde sich sicher nie ändern. Heim – at. Wie dieses Wort wohl entstanden ist?

Ein laut schnaufend vorbeirennender Jogger beendet ihre Grübelei. Jedes Mal erschrickt sie, wenn jemand hier vorbeikommt, in ihre Privatsphäre eindringt. Als würde dieser Platz ihr gehören. Nun, ein bisschen ist er es ja auch. Ihr Platz. Deshalb ist sie so gern allein hier. Im Beisein von Anderen wird er zu einem gewöhnlichen Ausflugsort.

Sie beginnt ihr Spiel zu spielen. Der Anfang ist schwierig, aber dann sucht sie sich eines der vielen Fenster aus und zoomt sich hinein. Stellt sich vor, dass dort gerade jemand stirbt, die Familie in großer Trauer ist. Es wird geweint und geschrien und die Verzweifelung über den Verlust ist groß. Ein anderes Fenster. Zoom. Wird hier vielleicht gerade ein Kind in den Schlaf gesungen? Oder raufen sich zwei Kinder um ein Stück Schokolade? Die Kinder gehen hier nicht früh ins Bett, das weiß sie. Hauswechsel – ein anderer Einblick. Zoom. Vielleicht leidet man hier unter großen finanziellen Sorgen oder eine Liebe geht in diesem Moment für immer verloren. Und daneben – zoom –  spielt ein Mensch mit dem Gedanken an eine Gesichts-Operation, weil man größere Chancen auf dem hart umkämpften Arbeitsmark hat, wenn man europäischer aussieht. Er steckt in einem Teufelskreis. Ohne Arbeit kein Geld für eine OP, ohne OP keine Arbeit, denn davon ist er fest überzeugt, weil es dieser Gedanke einfacher ist als der, nicht gut genug zu sein. Darunter – zoom –  verzweifelt ein Jugendlicher an dem Leistungsdruck seiner Eltern, die gerade lauthals um das Sorgerecht streiten. Er denkt, dass es an ihm liegt, dass sie sich nur wegen ihm und der schlechten Noten streiten und weiß nichts von der Liebschaft seiner Mutter. Hauswechsel. Zoom. Zwei blau schimmernde Penthouses. Ein reiches Ehepaar oder besser: Zwei reiche Singles bewohnen je eines und abends und morgens sehen sie sich durch die Fenster, aber im Fluss der Millionen Menschen sind sie sich noch nie begegnet. Zwei Königskinder.  Sie spielt mit ihrer Phantasie und spinnt sich etwas zurecht, womit sicher seit der Antike hunderte von Erzählungen, Liedern und Groschenromanen gefüllt wurden. Hauswechsel. Ein kleines Fenster. Zoom. Enge und Angst. Sie kann förmlich spüren, wie die Menschen in dieser Wohnung fast ersticken, weil für sie alle der Platz, ebenso wie das Geld, vorn und hinten nicht reicht, seit die pflegebedürftigen Eltern das einzige Schlafzimmer belegen.  In der kleinen Wohnung darunter – zoom – weint eine Frau um verpasste Chancen. Sie hätte es im Leben zu etwas bringen können und nun das. Das, ja was? Ihr fällt nichts ein zu der Frau. Also geht sie weiter in die Nebenwohnung  - zoom – Eine Oma telefoniert mit ihrem Enkel, der in Deutschland studiert. Das Handy hatte er ihr vor seiner Abreise geschenkt und ihr auf einem Zettel sorgfältig aufgeschrieben, welche Knöpfe sie drücken muss, wenn sie ein Gespräch annehmen will. Der Zettel hängt mit dicken Klebestreifen mitten an der Wand. Sie vermisst ihn schrecklich, aber mit der Sorglosigkeit junger Menschen wischt er ihre Sorge vom Tisch, dass sie seine Rückkehr möglicherweise nicht mehr erleben könnte.

Sie spürt, wie Tränen in ihre Augen steigen. Die Geschichte mit der Oma und dem Enkel ist zu dicht an ihrer eigenen. Schluss damit. Ihr Blick wird magisch von den Königskindern angezogen. Welches Schicksal sich wohl wirklich hinter den Wänden dieser teuren Penthouses verbirgt? Millionen von Menschen, über 7 Millionen Menschen leben hier. 7 Millionen Schicksale, leichte, schwere, harte und ungerechte. In diesem Moment ist sie eine von 7 Millionen und ihr Schicksal ist im Vergleich vermutlich ein leichtes, ein aufregendes, ein spannendes und oft sogar ein glückliches.

Der Griff um die Kamera lockert sich und wieder spürt sie die Klebrigkeit ihrer verschwitzen Hand. Es ist Zeit nach Hause zu fahren. Es ist ein Geschenk, das sie hier sein darf, denkt sie. Hier und hier oben.

© Conny Hilker 2013

Ein Beitrag für das Projekt Magic Monday zum Thema “Über den Dächern – oben”.

HOMELESS?

HOMELESS

 

An einem warmen Tag in Palma. Die Touristen erkunden die Stadt, suchen ein schattiges Plätzchen in einem Café und entspannen. Er sucht auch ein schattiges Plätzchen um zu entspannen, findet eine freie Bank, öffnet seine Kühlbox und setzt sich mit dem Schälchen Salat. Beobachtet dabei vielleicht das Treiben der Passanten, ist vielleicht in einem Tagtraum gefangen oder blickt einfach ins Leere. Die Menschen um ihn herum nehmen von ihm keine Notiz.

Ich bin zunächst fasziniert von der Ordnung, die in seinem praktisch organisiertem “Transportwagen” herrscht (Einkaufswagen passt hier irgendwie nicht). Kühlbox, Koffer, Fächer. Er muss nicht lange suchen, sondern kramt zielsicher in seinem Hab und Gut. Das Gefühl, welches ich hier in Hamburg oft habe, wenn ich Obdachlose sehe, will sich nicht so recht einstellen. Liegt es daran, dass er dort lebt, wo ich das absolute Urlaubsfeeling habe? Daran, dass er sich so selbstbewusst und stolz bewegt? Meinem Bild von einem Obdachlosen entspricht er irgendwie nicht, aber über all das denke ich erst im Nachhinein nach, während ich überlegte, ob ich dieses Bild veröffentlichen werde.

Überschreite ich eine Grenze? Ich habe Hemmungen, überprüfe meine pros und cons. Lege das Bild zur Seite, aber der Mann und das Bild wollen  mir einfach nicht aus dem Kopf. Ich recherchiere über Obdachlose in Palma, erfahre, dass dort ca. 1000 Obdachlose leben und die Tendenz steigend ist.

Dann frage ich mich, ob dieser Mensch überhaupt obdachlos ist? Es wäre auch denkbar, dass er für einige Monate ein “freies” Leben auf der Sonneninsel genießt und praktisch, wie er offensichtlich veranlagt ist, einen Einkaufswagen nutzt, um seine Koffer und ein wenig mehr, bequem durch die Straßen zu schieben. Wer bin ich, dass ich über einige wenige Merkmale darüber urteilen kann? Gefragt habe ich ihn nicht.

Das Bild beschäftigt mich immer noch ….

Experiment Reisetagebuch

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Wie ihr ja vielleicht schon mitbekommen habt, waren wir jüngst auf “Malle” – Mallorca. Wir haben in den 2 Wochen 1500 km auf dem Tacho gehabt und ebenso viele Bilder habe ich mitgebracht (alle mit der Fuji x100s, aber einige wenige auch mit dem iPhone4S aufgeommen). Ja, da kommt die Frage auf, was macht man mit den Bildern nun eigentlich? Entstanden sind reine Urlaubsbilder, aber auch viele andere. Mir kam die Idee eines Reisetagebuches, welches jeden Tag skizziert und in dem ich die Urlaubsbilder zeigen kann, denn ich will hier nicht wochenlang Aus- und Ansichten von Malle zeigen.

Entstanden ist eine – wie ich finde – schöne Übersicht über diesen wirklich wunderschönen Urlaub und vorerst ist sie (ziemlich einsam) oben in der Menüleiste in der neuen Rubrik “Reisetagebücher” zu finden. Wenn ich das auf Dauer gut finde, werde ich die Rubrik stehen lassen und sie nach und nach füllen, da bin ich mir aber noch sicher, denn es steckt viel Arbeit dahinter und andere Formen der Präsentation (Galerie, private Galerie, Fotobuch) warten auch noch auf sich.

Wer mag, Lust und Interesse hat, darf sich also gern durch unsere Urlaubs-Impressionen klicken. Direkt geht es hier zu Mallorca September 2013. Über Feedback würde ich ich sehr freuen.

STILL AT WORK – Plädoyer für die Disziplin

STILL AT WORK

 

I´m still at work. Arbeite an einer Aufgabe, die sich aus meiner Disziplinlosigkeit in Sachen Ordnung im Bildverwaltungsprogramm Lightroom ergeben hat. Bei herrlichstem Sommerwetter sitze ich am Computer, habe eine Art “Maus-Hand-Syndrom” entwickelt und friste mein Dasein in Einsamkeit. Oooch. Nein, im Ernst: Strafe muss sein.

Jahrelang habe ich mich der Disziplinlosigkeit hingegeben. Habe tausende von Fotos gemacht, brav in Lightroom importiert und fleissig einige auserwählte entwickelt und bearbeitet, die wenigsten aber gut und sinnvoll verschlagwortet oder markiert. Manchmal RAWs, manchmal JPGs, manchmal auch beide Versionen eines Bildes. Sprich: Über die Zeit haben sich 40.000 Fotos angesammelt. Und alle vorherigen Aufräum-Versuche sind an meinem Widerwillen gescheitert und stattdessen kamen neue Fotos hinzu. Egal. Egal? Nein, das ist ganz und gar nicht egal. Das merkt man spätestens dann, wenn die Suche nach einem bestimmten Foto Stunden dauert oder ganz scheitert, obwohl man sicher weiß, das ein solches Bild existiert. Ein Urlaubsfoto lässt sich anhand des Jahres und der ungefähren Reisezeit finden, aber das Bild von dem abgebrochenen Flaschenhals im Gras? Und da ich manchmal gefragt werde, was ich für sinnvoll halte, stelle ich euch meine Organisation hier in groben Zügen vor, wie sie sich für mich als sinnvoll erwiesen hat.

1. Die Ordnerstruktur auf der Festplatte

Ich lege mir eine Ordnerstruktur nach Aufnahmedatum direkt auf der Festplatte an. Das sieht so aus: Bilder -> Jahre -> Monate. Man kann das auch aus Lightroom heraus machen, aber so habe ich noch mehr Kontrolle ;-)

2. Der Import in Lightroom

Die Bilder einer Session importiere ich meist zeitnah. Hier verwende ich, so möglich, schon die ersten Stichworte und navigiere zu dem von mir angelegten Monatsordner. LR richtet dann die Tagesordner selbstständig ein. In der LR-Bibliotheksansicht benenne ich die Tagesordner zusätzlich zum Datum nach ihrem Inhalt, das macht es für mich übersichtlicher. Beispiel: 20130831_Hafen.

Durch eine von mir bestimmte Vorgabe schreibt LR während des Imports mich als Urheber und meine Kontaktdaten in die Meta-Daten. Darum brauche ich mich nicht kümmern.

3. Sichtung und Aussortieren

Als nächstes klicke ich mich durch die Bilder und markiere alle, die ich nicht haben will, als abgelehnt, um sie dann mit einem Klick von der Festplatte zu verbannen. Das mache ich manchmal in mehreren Durchläufen, bis alles auf diejenigen reduziert ist, die ich wirklich gut finde oder aus anderen Gründen behalten möchte. Die RAWs werden nun gleich entwickelt und überflüssige Varianten gelöscht. (Hätte ich das doch auch in der Vergangenheit so gemacht!!!)

4. Verschlagwortung

Nun werden die Bilder verschlagwortet und zwar ausführlich. Ort, Anlass, Personen, Objekte, Details, Emotionen, Jahreszeit, Besonderheiten, Available Light, s/w…… Was auch immer mir zu dem Bild einfällt, kann zu einem Stichwort werden.

Es ist auch möglich mit Stichwortsätzen zu arbeiten (z. B. Europa-Deutschland-Hamburg-Blankenese), was aber für mich persönlich nicht praktikabel und wünschenswert ist.

5. Markierung

Ich kann in LR verschiedene Farben zum Markieren nutzen. Hier nutze ich eigentlich nur drei: Rot für Kundenaufträge, Lila für alle Bilder, die ich öffentlich zeigen könnte und Blau für Fremdfotos. Blau ist ganz wichtig, denn manchmal tummeln sich in meiner Bibliothek auch Bilder von Foto-Freunden, mit denen ich gemeinsam los gezogen bin und damit mir immer ins Auge springt, dass ein Foto nicht von mir ist ;-) , bekommt es einen auffälligen blauen Rand.

Ich könnte jetzt auch noch eine Wertung vergeben, aber das nutze ich tatsächlich nur, wenn ich mich zwischen den Bildern einer Serie entscheiden muss. Ich nutze die Wertungsvergabe sonst kaum, wozu sollte sie mir nutzen? Fähnchen nutze ich auch nur temporär zur Auswahl und nie dauerhaft.

So und damit ist das Wichtigste erledigt und ich werde auch in 10 Jahren noch durch den Dschungel meiner Bild-Dateien finden. (Amen.)

Warum ich keine Themen-Ordner als Ablage nutze

Immer wieder höre ich, dass gerade Anfänger ihre Bilder lieber in Themen-Ordner packen möchten, weil sie jedes Kind, jeden Urlaub, Bäume, Blumen (…) an einem Ort haben möchten, aber ich vermute, dass man sich damit recht schnell verzettelt. Und wohin mit dem Bild, wenn darauf das Kind und eine Blume zu sehen ist? Doppelte Abspeicherung = doppelter Speicherplatz!

In Lightroom gibt es dafür die unglaublich praktische Möglichkeit der Sammlungen. Hier kann man nach Herzenslust sammeln und ordnen, ein Bild kann in 20 Sammlungen auftauchen und existiert doch nur einmal auf der Festplatte. LR legt quasi nur einen Querverweis zum Bild an. Ich kann sogar Smart-Sammlungen erstellen, die nach von mir definierten Vorgaben selbstständig alle passenden Bilder zusammenfasst. Z. B. habe ich Smart-Sammlungen von Orten, Motiven, Personen, Fotobüchern, Nachtaufnahmen…. Auch hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Bekommt ein Bild das Stichwort “s/w” landet es automatisch in der entsprechenden Sammlung. Hat es zusätzlich das Schlagwort “Hongkong” erscheint es selbstverständlich auch in der Hongkong-Sammlung und so weiter. Superpraktisch!

Ja, und hätte ich das von Anfang an diszipliniert gemacht, hätte ich jetzt nicht so viel Arbeit und wäre nicht “still at work”. Ich wurschtle mich durch und habe nebenbei schon an die 7.000 Bilder gelöscht :-D

Ich hoffe, ihr wart disziplinierter als ich? ;-) Falls ihr noch einen guten Tipp habt, immer her damit :-)

 

 

 

Nach dem Urlaub und ein bisschen Abstand

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Der Urlaub ist vorbei. Wie (fast) immer war er sehr schön, wartete aber mit einer neuen Erfahrung auf. Wir waren in SPO (St. Peter-Ording) und dort wird es von Jahr zu Jahr schlechter mit dem Empfang. Internet, Facebook und WhatsApp, was mich sonst ständig begleitet, war fast nur im Feriendomizil möglich.  Damit hatten wir nach diesem Artikel von Jörn zwar gerechnet, aber damit konfrontiert zu sein, ist noch mal eine andere Sache. Schnell machten sich Entzugserscheinungen breit, aber auch die Erkenntnis, dass der ständige Ärger, das sich-Aufregen den Urlaub vermiest. So flogen Handy und iPad (meist ;-) ) in eine imaginäre Ecke und wurden von Tag zu Tag unwichtiger. Und die Erkenntnis, wie gut dies tut, umso größer. Nach einigen Tagen hatte ich das Gefühl, dass die Online-Welt immer weiter weg ist, das Leben im hier und jetzt entspannender und wichtiger. Ich hatte viel Zeit. Zeit nachzudenken und den Gedanken nachzuspüren. Zeit, einfach mal in den Himmel zu gucken, im Sand zu sitzen, Leute zu beobachten, Wind, Sonne und Freiheit zu fühlen.

Die große Ausrüstung blieb diesmal zu Hause und so fühlte ich mich auch in dieser Hinsicht frei, denn die kleine Fuji passt immer irgendwie, ohne dass man sie groß merkt.

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Wir hatten dann noch zu Hause eine Woche Urlaub, aber die Lust, sich wieder in die Online-Welt zu stürzen, blieb aus. Einfach schön, sich mal nicht darum zu kümmern, was auf anderen Blogs los ist, welche tollen Artikel man vielleicht verpasst, welche neuen Erkenntnisse. Und sich umgekehrt auch nicht darum zu scheren, was man selbst posten möchte. Leben ohne Internet. Eine Auszeit – wertvoll, wichtig und inspirierend.

Urlaub wie er sein sollte, finde ich :-)

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ENEMY SOX – Auszeit vom Alltag

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Der Raum im Bunker riecht muffig und einladend geht anders. Schon das Gebäude zu betreten kostet Überwindung. die Treppen eng und die Decken tief. Ein Gemisch aus scheppernden Drums, abgestandenem Bier, Graffiti, quietschenden E-Gitarren, Geschrei und Gesang füllt die Gänge. Dicke Schlösser sichern die Türen und dahinter verbergen sich kleine, individuelle Welten.

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Eine kleine Welt gehört ENEMY SOX. Sie treffen sich seit vielen Jahren hier. Wie lange, dass weiß keiner mehr so genau, eine gefühlte Ewigkeit ist es sicher schon.  Sie übten und probten, komponierten und verwarfen die Idee eigener Kompositioinen, träumten den Traum von CDs, Erfolg und kleinen größeren Bühnen.

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Im Laufe der Zeit kamen und gingen andere Musiker, aber die drei blieben. Das Leben änderte die Prioritäten. Beruf und Familie – die Träume wurde kleiner. Das Üben kam zu kurz, andere Dinge standen an. Die wöchentlichen Treffen fanden nicht mehr ganz so regelmäßig statt, waren aber immer eine Insel im Leben der drei, die unterschiedlicher nicht sein könnten und im Leben abseits des Übungsraum nichts miteinander zu tun haben. Gemeinsamkeit und Vertrautheit, die auf ein Treffen pro Woche reduziert ist und ihnen so viel bedeutet. Sie kennen sich gut, die Macken und die Geschichten des Anderen. Vielleicht sind sie sich vertrauter, als ihnen bewusst ist.

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Die Wände, der ganze Raum, erzählt von ihrer Geschichte, auch von dem Ritual, neue Schokoladensorten zu probieren, nicht nur neue Songs. Mittlerweile wurde die alte Kaffee- gegen eine Pad-Maschine ausgetauscht, so viel Fortschritt muss sein, ist aber auch genug.

Nach einem Plausch, einem Kaffee und dem Austausch über den Alltag nehmen sie ihre Positionen an den Instrumenten ein. Der Moment ist gekommen, es wird gerockt und der Alltag fällt ab, wird bedeutungslos. Zwei Stunden, in denen es nur sie gibt, den Rock, Musik – laut und geil. Die Finger manchmal eingerostet finden die Seiten, manchmal auch nicht, aber egal, das Leben macht Spaß! Und das Programm für den nächsten Auftritt auch……

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Und dann spielen sie einen meiner Lieblingtitel und schenken mir Erinnerungen an eine geile Zeit, lange her. Eine Zeit, als noch mehr Leichtigkeit in meinem Leben war, ich noch jung, Bands und Songs wichtiger als Verantwortung waren und Sorgen nur ein flüchtiger Nebel. Es war ´ne geile Zeit, danke Jungs, für das Gefühl!

Nils am Schlagzeug, der große Uwe an der Gitarre, der kleine Uwe am Bass – Enjoy! (Die Qualität des Tons ist im Übungsraum natürlich so eine Sache….)


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