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“We Walk Alone” von Hannes Heikura

Bildschirmfoto 2014-09-08 um 9.57.51 PM

Vor einiger Zeit war ich mal wieder in meinem Lieblingsbuchladen am Haus der Photographie, strich über die Stapel der Bildbände, wie andere die Qualität eines Stoffes in der Mode-Abteilung eines Kaufhauses prüfen. Ich mag besondere Bücher, schön aufgemacht, in einem visuell und haptisch interessantem Einband. Manchmal ist aber auch der Titel und “We Walk Alone” berührte meine melancholische Ader. Also nahm ich das Buch mit auf die Couch im Laden und versank in den Bildern, in der Schwärze, dem punktuellem Licht, in dem man meist einzelne Menschen findet, Spiegelungen, Streiflichter oder Schatten von Figuren. Unglaublich, was für eine Atmosphäre der finnische Künstler in seinen Bildern schafft. Bilder, die mich hinschauen lassen, Bilder wie ein Gedicht,  das Szenen nur schemenhaft umreisst und der Phantasie Spielraum lässt.

HDR adé, Kontraste satt. Dramatik, Leidenschaft. Natürlich musste ich diese Bilder mit nach Hause nehmen.

 

All things strange are valuable. A strange picture contains endless interpretations. It is an enigma that will not leave you alone.

(Hannes Heikura in “We walk alone”)

 

So großartig ich die Bilder finde, so eingeschränkt kann ich dieses Buch nur empfehlen. Wenn man von den Bildern nicht so angesprochen ist wie ich, wird man sich ärgern, denn leider ist der Band von nicht wirklich guter Qualität. Manche Seiten haben Wellen und die Bindung ist so straff, dass man das Buch an manchen Stellen nicht richtig bzw. flächig aufklappen kann. Der Mitarbeiter des Buchshops wird dieses Buch aus den Gründen auch nicht mehr nachbestellen. Schade, dieser Künstler hätte mit diesen Bildern die beste Qualität verdient.

Dark Zone and We Walk Alone. It was a challenge to make you. I hope you will stand the test of time better than we people do.

(Hannes Heikura in “We walk alone”)

Aber die Bilder lege ich euch ans Fotografen-Herz: Leider ist es schwierig, sie euch zu zeigen. Einen etwas lieblosen Blick in den Buch kann man hier sehen. Und einige Bilder auf der Webseite von Hannes Heikura sehen. Die meisten Bilder spuckt aber tatsächlich die Google-Bildersuche aus. Dieses Video zeigt ein leider nicht-untertiteltes Interview mit dem Künstler und zeigt auch einige Bilder, aber vielleicht versteht ihr ja finnisch ;-), immerhin gewährt es einen Eindruck von Herrn Heikura.

Eine tolle Präsentation mit einer unglaublich dramatischen Musik (2046 – Shigeru Umebayashi – Main Theme)  habe ich auf vimeo gefunden, allerdings zu seinem Werk “Dark Zone”, am besten im Vollbildmodus ansehen! Bilder! Musik! Inspiration! 

 

 

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Workshop-Review “Available Light – Portraits” bei Markus Brügge

Ricarda 9

 

Gestern habe ich einen Workshop des Fotografen Markus Brügge besucht, der diese in Hamburg und Lüneburg anbietet. Auf seine Workshops wurde ich durch einen Artikel bei Stefan Groenveld aufmerksam. Das Thema hat mich sofort angesprochen: “Available Light – Portraits mit einfachen Mitteln”. Genau das Richtige, um den Umgang mit natürlichem Licht zu vertiefen. Böse Zungen behaupten ja, dass Available Light gern von Fotografen genutzt wird, die nicht blitzen können ;-). Blöd bloß, wenn der Blitz ausfällt und man auf dem Schlauch steht. Außerdem finde ich es sowieso sinnvoll mehr über das Licht zu lernen, welches wir immer vorfinden und nutzen können. Dieser Workshop kann also nur hilfreich sein, dachte ich mir.

Nach der netten Begrüßung in den Seminarräumen in Hamburg gab es erstmal ein kleines Frühstück in lockerer Atmosphäre. Eine gute Idee, denn meist kennt man sich untereinander nicht und kann sich erstmal beschnuppern. Nach einer kurzen Präsentation einiger Bildbeispiele wurde indoor mit Fensterlicht und weißen Aufhellern gearbeitet, auch solchen, die jeder leicht und kostengünstig selber bauen kann. Markus gab uns Tipps, half je nach Kenntnisstand der Teilnehmer mit den Kamera-Einstellungen und stand jedem  mit Rat und Tat zur Seite. Obwohl ich schon mit Fensterlicht gearbeitet habe, habe ich wertvolle Tipps und Ideen mitnehmen können. Gerade auch was den Umgang mit dem Menschen vor der Kamera und seine Körperhaltung angeht, aber auch zur Bildgestaltung, Weißabgleich und vieles mehr.

Danach folgte ein kleiner Ausflug in die RAW-Entwicklung mit Lightroom und Markus zeigte uns anhand einiger Beispiele sein Vorgehen in der Bildbearbeitung.

Martin at workAnschließend ging es nach draussen, wo wir unter verschiedenen Bedingungen das Licht analysierten, Vorgehensweisen und Bild-Ideen erarbeiteten und jeder mit Model Ricarda seine Fotos machen konnte. Auch hier kam jeweils nur ein Reflektor zum Einsatz. Leider hatten wir optimales Portrait-Wetter, spricht einen bedeckten Himmel, der wie eine große Softbox wirkt. Ich hätte nicht nur wegen der Temperaturen gern ab und zu knallende Sonne gehabt, damit wir auch den Umgang damit hätten lernen können, aber das Wunsch-Wetter kann man leider nicht buchen ;-).

Der Workshop fand in netter Atmosphäre statt und Markus Brügge führte aufmerksam und fachlich versiert durch diesen Tag. Das Konzept ist praxis-orientiert, was ich sehr gut finde, denn dabei lernt man am meisten. Auch der unterschiedliche Kenntnisstand der Teilnehmer war überhaupt kein Problem, so dass ich diesen Workshop auch denjenigen empfehlen kann, die noch nicht so lange fotografieren. Wer sich diesbezüglich unsicher ist, kann Markus anschreiben. Ich werde auf jeden Fall noch einen Workshop bei ihm buchen: “Portraits bei Nacht & Dämmerung”. Da freue ich mich jetzt schon drauf :-).

Workshop-Fotos sind ja immer Fotos von Übungen, die unter relativ unruhigen Bedingungen stattfinden, aber mir gefallen einige der Bilder ausgesprochen gut, was nicht zuletzt an dem Model Ricarda Geist liegt, die nicht nur wunderhübsch, professionell und geduldig ist, sondern auch super-sympathisch. Danke, Ricarda, dass ich die Bilder hier zeigen darf. Entstanden sind die Fotos übrigens mit der D700 und dem 85er 1.4. Entwickelt in Lightroom und s/w in Silver Efex Pro 2. Auf das große Bild bin ein bisschen stolz. :-)

 

 

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PABUCA – Traffic

TRAFFIC

TRAFFIC II

TRAFFIC LIGHTS IN A BLIND

Traffic in Hamburg. Hier gibt es bis auf die gute alte Straßenbahn jedes Verkehrsmittel, sogar Fahrradrikschas. Traffic hoch über der Stadt, unter ihr, drumherum und in ihr. Traffic ist allgegenwärtig wo viele Menschen unterwegs sind. Eigentlich hatte ich für die Umsetzung dieses Themas, den Hauptbahnhof im Kopf, der nach meinem Empfinden am besten den Puls der Stadt spürbar macht, da ich aber gerade im Januar diese Serie des Bahnhofs veröffentlicht habe, entschied ich mich für eine andere Umsetzung, wobei das erste Bild eine Verbindung zu ihr herstellt, da es mit der App “Slow Shutter” in der Nähe des Bahnhofs entstanden ist. Der “Rahmen” entstand durch einen vorbeifahrenden Bus und zeigt den Durchblick durch ihn. Das Zweite abendlichen Traffic auf der Willy-Brandt-Straße und im dritten Bild habe ich die Traffic Lights in einer zerknickten Jalousie eingefangen ;-).

Mein Betrag zum Projekt Pabuca – Traffic.

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Gesehen? Michael Dylka: 100 Bilder 100 Menschen

© Michael Dylka

© Michael Dylka

 

Zufällig sah ich auf FotoTV.de einen Film, in dem der Kölner Fotograf Michael Dylka praktische Tipps für natürliche Portraits gibt und sein Projekt “100 Bilder 100 Menschen” vorstellt, welches mir bisher nicht bekannt war und euch vielleicht auch nicht. Ich finde dieses Projekt spannend und den Michael Dylka total sympathisch. Im Video kommt er mit einer Kamera, einem Objektiv und sich selbst zum Shooting. Kein Assistent, keine Blitzanlage, dafür viel Gefühl für die Portrait-Fotografie, wobei er sich in diesem Projekt komplett auf den Menschen vor der Kamera einlässt und nichts vorgibt, weder Styling, noch Location oder Pose. Er lässt sich ein auf das, was die Menschen ihm (vor) geben. Im Gegensatz zu manch anderen Projekten dieser Art, ließ der Fotograf die Menschen auf sich zu kommen. Über seine Facebook- und die Webseite verbreitete er seine Idee und ermunterte Menschen, die Lust hatten sich von ihm portraitieren zu lassen, sich bei ihm zu melden. Location und Zeitpunkt durften frei gewählt werden. Michael Dylka gab ihnen eine Geschichte oder Musik, in die sie sich hinein fühlen können und beobachtet, welche Gefühle sich in den Gesichtern spiegelten. Ein Ansatz, der mir sehr gefällt und die Ergebnisse sprechen für sich.  Im Video erzählt er von seinem Projekt, von der Idee bis hin zum fertigen (nicht-kommerziellen) Buch.

Website “100 Bilder 100 Menschen”

Facebook-Seite

FotoTV: 100 Bilder 100 Menschen (leider nur für Abonnenten)

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ME AND TWO AND 7 MILLIONS

TWO AND TWO AND MILLIONS

Metaperspektive

Es ist dunkel und ruhig hier oben. Fast nichts ist zu spüren von dieser lärmenden, pulsierenden Stadt. Ans Geländer gelehnt lässt sie ihren Blick schweifen, genießt ihn und den lauen Wind, der über ihre feuchte, vom Schweiß etwas klebrige Haut streift. Sie hatte den Nachmittag mit ihrer neu entdeckten Lieblingsbeschäftigung verbracht und viele Eindrücke fotografiert. Anstrengend war es, laut und heiß, aber die Bilder waren eine Verlockung, ein Ruf. Es ist immer noch heiß, denkt sie, zu heiß für mich. Sie sehnt sich nach Hause, nicht in die Wohnung, die sie nun mit ihrer Familie hier bewohnt, sondern nach Hause, nach Deutschland, wo sie jetzt am Abend die kühle Sommerluft in ihrem Garten genießen würde. Vielleicht wäre jemand zu Besuch, der von seinem Alltag erzählt. Vom Alltag zu Hause, der so weit weg war. Paul Young hatte Unrecht, als er sang “Wherever I lay my hat that’s my home”, denkt sie und summt leise die Melodie vor sich hin.  Der Griff um ihre Kamera wird fester, als könne sie die aufsteigenden Gefühle damit wegdrücken. Die Kamera klebt auch. Fast den ganzen Tag hatte sie sie in der Hand gehalten und ihr Handballen brennt von der ungewohnten Belastung. Sie genießt die Streifzüge durch diese fremde Welt, die sie als so widersprüchlich empfindet. Die Bilder waren auf einmal da und sie will sie festhalten, als würde es ihr helfen zu verstehen und hier anzukommen. Und jetzt gibt sie ihr Halt, wie merkwürdig das klingt. Du und ich, wir schaffen das, schien der Griff zu bedeuten. Ihre Gedanken sind in der Heimat. Heimat – ein komisches Wort, denkt sie, ein Wort, das erst hier eine Bedeutung bekam. Ein Wort, das Schmerz hervorruft. Ein Wort, angefüllt mit ihren Erinnerungen und Sehnsüchten. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, alles in einem Begriff, denn was Heimat ihr bedeutet, würde sich sicher nie ändern. Heim – at. Wie dieses Wort wohl entstanden ist?

Ein laut schnaufend vorbeirennender Jogger beendet ihre Grübelei. Jedes Mal erschrickt sie, wenn jemand hier vorbeikommt, in ihre Privatsphäre eindringt. Als würde dieser Platz ihr gehören. Nun, ein bisschen ist er es ja auch. Ihr Platz. Deshalb ist sie so gern allein hier. Im Beisein von Anderen wird er zu einem gewöhnlichen Ausflugsort.

Sie beginnt ihr Spiel zu spielen. Der Anfang ist schwierig, aber dann sucht sie sich eines der vielen Fenster aus und zoomt sich hinein. Stellt sich vor, dass dort gerade jemand stirbt, die Familie in großer Trauer ist. Es wird geweint und geschrien und die Verzweifelung über den Verlust ist groß. Ein anderes Fenster. Zoom. Wird hier vielleicht gerade ein Kind in den Schlaf gesungen? Oder raufen sich zwei Kinder um ein Stück Schokolade? Die Kinder gehen hier nicht früh ins Bett, das weiß sie. Hauswechsel – ein anderer Einblick. Zoom. Vielleicht leidet man hier unter großen finanziellen Sorgen oder eine Liebe geht in diesem Moment für immer verloren. Und daneben – zoom –  spielt ein Mensch mit dem Gedanken an eine Gesichts-Operation, weil man größere Chancen auf dem hart umkämpften Arbeitsmark hat, wenn man europäischer aussieht. Er steckt in einem Teufelskreis. Ohne Arbeit kein Geld für eine OP, ohne OP keine Arbeit, denn davon ist er fest überzeugt, weil es dieser Gedanke einfacher ist als der, nicht gut genug zu sein. Darunter – zoom –  verzweifelt ein Jugendlicher an dem Leistungsdruck seiner Eltern, die gerade lauthals um das Sorgerecht streiten. Er denkt, dass es an ihm liegt, dass sie sich nur wegen ihm und der schlechten Noten streiten und weiß nichts von der Liebschaft seiner Mutter. Hauswechsel. Zoom. Zwei blau schimmernde Penthouses. Ein reiches Ehepaar oder besser: Zwei reiche Singles bewohnen je eines und abends und morgens sehen sie sich durch die Fenster, aber im Fluss der Millionen Menschen sind sie sich noch nie begegnet. Zwei Königskinder.  Sie spielt mit ihrer Phantasie und spinnt sich etwas zurecht, womit sicher seit der Antike hunderte von Erzählungen, Liedern und Groschenromanen gefüllt wurden. Hauswechsel. Ein kleines Fenster. Zoom. Enge und Angst. Sie kann förmlich spüren, wie die Menschen in dieser Wohnung fast ersticken, weil für sie alle der Platz, ebenso wie das Geld, vorn und hinten nicht reicht, seit die pflegebedürftigen Eltern das einzige Schlafzimmer belegen.  In der kleinen Wohnung darunter – zoom – weint eine Frau um verpasste Chancen. Sie hätte es im Leben zu etwas bringen können und nun das. Das, ja was? Ihr fällt nichts ein zu der Frau. Also geht sie weiter in die Nebenwohnung  – zoom – Eine Oma telefoniert mit ihrem Enkel, der in Deutschland studiert. Das Handy hatte er ihr vor seiner Abreise geschenkt und ihr auf einem Zettel sorgfältig aufgeschrieben, welche Knöpfe sie drücken muss, wenn sie ein Gespräch annehmen will. Der Zettel hängt mit dicken Klebestreifen mitten an der Wand. Sie vermisst ihn schrecklich, aber mit der Sorglosigkeit junger Menschen wischt er ihre Sorge vom Tisch, dass sie seine Rückkehr möglicherweise nicht mehr erleben könnte.

Sie spürt, wie Tränen in ihre Augen steigen. Die Geschichte mit der Oma und dem Enkel ist zu dicht an ihrer eigenen. Schluss damit. Ihr Blick wird magisch von den Königskindern angezogen. Welches Schicksal sich wohl wirklich hinter den Wänden dieser teuren Penthouses verbirgt? Millionen von Menschen, über 7 Millionen Menschen leben hier. 7 Millionen Schicksale, leichte, schwere, harte und ungerechte. In diesem Moment ist sie eine von 7 Millionen und ihr Schicksal ist im Vergleich vermutlich ein leichtes, ein aufregendes, ein spannendes und oft sogar ein glückliches.

Der Griff um die Kamera lockert sich und wieder spürt sie die Klebrigkeit ihrer verschwitzen Hand. Es ist Zeit nach Hause zu fahren. Es ist ein Geschenk, das sie hier sein darf, denkt sie. Hier und hier oben.

© Conny Hilker 2013

Ein Beitrag für das Projekt Magic Monday zum Thema “Über den Dächern – oben”.

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Nachtfotografie

D300, Tokina 12-24mm, 8 Sek./ f 8, ISO 200, Spotmessung, manueller Modus

Aufnahmen bei Nacht haben ihren eigenen Zauber und mit ein bisschen Wissen darum, worauf man achten muss, gelingen sie wirklich jedem. Es gibt ein paar technische Voraussetzungen, ohne die Available-Light-Aufnahmen bei Nacht nur selten gelingen werden und eine Reihe an Zubehör, das zwar nicht zwingend notwendig, aber doch sehr hilfreich ist:

Voraussetzungen:

  • Du brauchst ein Stativ, denn die Belichtungszeiten sind so lang, dass dir keine scharfen Aufnahmen gelingen werden, wenn die Kamera keinen stabilen Untergrund hat, das schafft nachts auch kein Objektiv mit Bildstabilisator (VR/IS/OS). Eine Mauer o. ä. hilft, falls du kein Stativ dabei hast, allerdings ist man dann in der Bildgestaltung sehr eingeengt.
  • An deiner Kamera solltest du die Belichtungszeit manuell wählen können, ebenso den Iso-Wert und den Fokus, der Autofokus funktioniert ab einem gewissen Grad der Dunkelheit nämlich nicht mehr zuverlässig bis gar nicht.
  • Deine Kamera sollte in den Bulb-Modus versetzt werden können. Die meisten Kameras beherrschen eine Belichtungszeit von bis zu 30 Sekunden, das reicht aber manchmal nicht aus und dann braucht man den Bulb-Modus, der ermöglicht, dass man die Belichtungzeit manuell steuern und wesentlich länger als 30 Sek. belichten kann.
  • Ein Fernauslöser, denn er ist nicht nur bequemer zu bedienen, sondern verhindert auch, dass die Kamera durch Drücken des Auslösers in Schwingungen gerät. Einen kabelgebundenen Fernauslöser bekommt man schon für kleines Geld (ca. 10 €) und selbst die simpelste Version hat eine Einrast-Funktion, was sehr hilfreich ist, wenn du deutlich längere Belichtungszeiten wählst. Besonders fein sind Infrarot-Auslöser, die man bequem in der Tasche verschwinden lassen kann, die aber nicht an jeder Kamera funktionieren. Hat man aber gar keinen, kann man zur Not auch den Selbstauslöser der Kamera benutzen, wobei dabei das Risiko besteht, leicht verwackelte Aufnahmen zu bekommen.

Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, steht gelungenen Nachtaufnahmen nichts im Wege.

Hilfreich wäre außerdem:

  • Ein Smartphone mit Stopp-Uhr, um die Belichtungszeit zu erfassen, wirklich sehr hilfreich im Bulb-Modus!
  • Je nach Lichtsituation eine Okkular-Abdeckung, die den Sucher abdeckt, damit während der langen Belichtung kein Licht durch den Sucher eindringt. Er ist eigentlich im Lieferumfang der Spiegelreflexkameras enthalten und wird quasi über den Sucher geschoben. Bei manchen teureren Modellen braucht man nur einen Riegel am Sucher vorschieben.
  • Eine Taschenlampe, nicht nur um in der Dunkelheit Bedienungsknöpfe oder eventuell runtergefallene Sachen oder einfach den Weg zu finden ;-), sie kann auch beim Fokussieren helfen. Dazu später mehr.
  • Eine Streu- bzw. Gegenlichtblende hilft gegen unerwünschte Lichtreflexe
  • Ein Neutral-Dichte-Filter, kurz ND-Filter genannt, kann helfen, wenn man für bestimmte Effekte (z. B. seidige Wasseroberfläche) eine längere Belichtungszeit nutzen möchte, das Umgebungslicht aber zu hell dafür ist, wie es z. B. bei illuminierten Häuserfassaden der Fall sein kann. Wie man ihn einsetzt, ist hier gut beschrieben.
  • Ein Ersatz-Akku, denn falls es kalt ist, kann es dir passieren, dass der Akku leer ist, bevor du fertig bist (Ehrlich gesagt, ist mir das noch nie passiert, wenn der Akku vorher voll geladen war, aber das ist sicher auch vom Fabrikat abhängig)

Wenn die Fototasche gepackt und die Location erreicht ist, kann es los gehen:

Die beste Zeit für schöne Nachtaufnahme ist die blaue Stunde. Das ist die Zeit 1/2 Stunde vor und nach dem Sonnenuntergang. Das obere Foto ist zur blauen Stunde aufgenommen worden. die Zeit der blauen Stunde ändert sich täglich, aber es gibt zum Glück eine Tabelle dazu.

Ich fotografiere grundsätzlich RAWs und keine JPGs, da ich damit alle Entwicklungsmöglichkeiten behalte und mich auch nicht um den Weißabgleich kümmern muss.

Nun könnte man denken, es ist dunkel, also stelle ich Lichtempfindlichkeit (Iso) des Sensors höher ein. Das wäre ein fataler Fehler, denn bei Dunkelheit gilt: Je höher die Iso, je höher das Rauschen. Richtig ist, den Iso-Wert auf den niedrigsten einzustellen, der für der für die jeweilige Kamera optimal ist. Bei der D300/D700 ist das z. B. 200, andere Kameras geben 100 oder sogar nur 50 Iso an.

Da wir mit einem Stativ arbeiten, müssen wir den Bildstabilisator (VR/IS/OS) ausschalten, denn er würde hier zu unerwünschten Verwacklungen führen. Auf Nummer sicher geht man, wenn man die Spiegelvorauslösung nutzt, denn selbst das Hochklappen des Spiegels kann zu kleinen Erschütterungen führen.

Für die Messung der Kamera sollte man die Matrix- bzw. Mehrfeldmessung einstellen, weil sie ausgeglichenere Ergebnisse liefert als die Spotmessung.

Das Fokussieren im Dunkeln stellt oft ein echtes Problem dar. Der Autofokus spielt verrückt und im Sucher sieht man nicht so recht etwas. Für die Bildgestaltung hilft hier, kurz die Iso zu erhöhen, die Blende aufzureißen und dann das Bild komponieren und den Schuss am Monitor kontrollieren. Steht die Komposition, stellen wir Iso und Blende wieder zurück. Für´s Fokussieren kommt nun die (einigermaßen leistungsstarke) Taschenlampe ins Spiel. Damit kann man das Objekt anleuchten, fokussieren und dann auf manuellen Fokus gehen, damit er sich nicht wieder verstellt. Man kann sicher auch einen Blitz dafür nutzen. Ist das Objekt, z. B. eine Skyline,  weiter weg, stellt man am Objektiv am besten “unendlich” ( ∞ ) ein.

D80, Nikkor 18-200mm, 1,6 Sek./ f 4, ISO 100, Mehrfeldmessung, manueller Modus

 

Wie schon erwähnt, sollte man keine Belichtungsautomatiken nutzen, da diese  mit dieser Lichtsituation meist überfordert sind und nur erstrebt wären, das Bild gleichmäßig hell zu kriegen, was ja gar nicht erwünscht ist und eine schöne Lichtstimmung kaputt machen kann. Also nutzen wir den manuellen Modus. Zwar sollte man immer versuchen, das Bild korrekt zu belichten, aber bei Nacht liegt die Schwierigkeit oft darin, die Lichter korrekt zu belichten. Hier kann man in dem Fall also lieber einen Tick unterbelichten, was hinterher mit Bildbearbeitung eher wieder ausgeglichen werden kann. In überbelichtete Lichter bekommt man schwerer Zeichnung zurück, als man dunklere Stellen aufhellen kann. Auf Nummer sicher geht man, wenn man eine Belichtungsreihe erstellt, so hat man eine Auswahl und/oder  kann daraus später ggfls. ein HDR machen, so man mag.

Zwischendurch das Bild am Monitor zu überprüfen macht natürlich Sinn, allerdings sollte man dann auch ins Bild zoomen, denn auf dem kleinen Monitor der Kamera sieht ein nicht ganz scharfes und nicht richtig gut belichtetes Bild vielleicht noch knackig aus, auf dem Computer-Monitor stellt sich dann die Enttäuschung ein. Ob viele Lichter ausgefressen sind, zeigt uns das Histogramm.

Das hier ist das Histogramm zu dem Bild der Raffinerie darunter:

D700, Nikkor 12-24mm, 1/4 Sek./ f 8, ISO 400, Spotmessung, manueller Modus

Man kann hier am Histogramm ablesen, dass das Bild weder  “abgesoffene Tiefen” noch “ausgefressene Lichter” hat. Wichtig ist, dass der rechte Rand (Spitze der Lichter) nicht überläuft. Sucht euch doch ein Bild von der Festplatte und hebt die Belichtung per Regler an und beobachtet dabei das Histogramm, dann wird sehr schnell klar, was das Histogramm zeigt.

Immer wieder wird in Foren die Frage gestellt, wie man den Sternchen-Effekt erreicht. Das ist ganz einfach, man muss die Blende weiter schließen. Je nach Objektiv und Lamellenzahl ab einem Blendenwert von 8, ganz sicher mit 16 hat man die schönsten Sternchen im Bild:

D300, Tokina 12-24mm, 15 Sek./ f 20, ISO 200, Mehrfeldmessung, manueller Modus

Lichtschlangen brauchen gar keine so lange Belichtungszeit, das folgende Bild wurde 1,6 Sekunden lang belichtet:

D80, Nikkor 18-200mm, 1,6 Sek./ f 4, ISO 100, Mehrfeldmessung, manueller Modus

Auch um nette Bokehs zu fotografieren, eignen sich die Lichter in der Nacht sehr gut:

D700, Nikkor 70-200mm, 1/25 Sek./ f 3,5, ISO 400, Spotmessung, manueller Modus

So schwer ist das also gar nicht und die Fotografie bei Nacht lädt zum Experimentieren ein. Spielt doch einfach mit Blende und Belichtungszeit und schaut, was dabei rauskommt. Ich hoffe, mit diesem Artikel habe ich euch die Basics vermitteln können und euch Lust gemacht, abends die Fototasche zu schnappen und auf Fototour zu gehen. Die Stimmung nachts ist schön und nachfolgende Termine hat man auch nur selten, so dass viel Zeit und Ruhe da ist ;-).

Wer mehr dazu lesen möchte und dem dieser Artikel nicht weit genug geht, dem empfehle ich neben Tante Google, auf das Buch von Ronny (blogtimes.de) zu warten. Ronny ist ein Spezi auf diesem Gebiet und der Langzeitbelichtungen und schreibt gerade an einem Buch, auf das ich schon sehr gespannt bin.

Nachtrag:

Michael hat eine App empfohlen, die die Planung einer Nachtaufnahme entscheidend erleichtern könnte:

The Photographer´s Ephemeris – TPE. Die App ist als Desktopversion kostenlos (gut, um sich überhaupt erstmal ein Bild von den Funktionen zu machen) , die App gibt es für Android, iOS – auch für´s iPad und kostest 9€. Robert Blasius hat sich die Mühe gemacht, die App auf deutsch zu erklären und hat 4 Tutorials dazu veröffentlicht, die kostenlos über seine Webseite herunter geladen werden können.

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(kein Titel)

Das Wochenende war schön und schön lang. Wir waren für drei Tage in Lüneburg und haben so richtig ausgespannt. Ich mag dieses alte Städtchen mit seinen alten Gassen, Häusern und Laternen. Der historische Altstadtkern ist eine Kur für die Großstadt-geplagte Seele. Wenn man durch die alten Gassen geht, kommen ganz automatisch die Bilder einer vergangenen Zeit, in der Pferdegetrappel statt Autolärm zu hören war. Das Auto braucht man hier als Besucher nicht, da man eigentlich alles zu Fuß erreichen kann. Das entschleunigt. Abends kann man sich kaum entscheiden, wo man essen gehen möchte, denn Lüneburg hat wohl proportional mehr Restaurants als so manche Metropole und das will etwas heißen. Subjektiv würde ich sagen, Lüneburg besteht aus Restaurants und Buchhandlungen. Eine durch und durch sympathische Stadt. Und abends ist sie wunderschön beleuchtet. Leider hatte ich mein Stativ nicht mit, was man für solche Aufnahmen natürlich dringend gebraucht hätte. Die Ausbeute an Abend-Aufnahmen ist also gering.

Mehr meiner Impressionen dieser wunderschönen Stadt könnt ich ihr hier in meiner Galerie sehen.

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