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November-Blues

November-Blues




“Es gibt Tage, da hat man seinen inneren November.”

(Stromberg)




Mein Beitrag diese Woche zu Magic Monday.

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ME AND TWO AND 7 MILLIONS

TWO AND TWO AND MILLIONS

Metaperspektive

Es ist dunkel und ruhig hier oben. Fast nichts ist zu spüren von dieser lärmenden, pulsierenden Stadt. Ans Geländer gelehnt lässt sie ihren Blick schweifen, genießt ihn und den lauen Wind, der über ihre feuchte, vom Schweiß etwas klebrige Haut streift. Sie hatte den Nachmittag mit ihrer neu entdeckten Lieblingsbeschäftigung verbracht und viele Eindrücke fotografiert. Anstrengend war es, laut und heiß, aber die Bilder waren eine Verlockung, ein Ruf. Es ist immer noch heiß, denkt sie, zu heiß für mich. Sie sehnt sich nach Hause, nicht in die Wohnung, die sie nun mit ihrer Familie hier bewohnt, sondern nach Hause, nach Deutschland, wo sie jetzt am Abend die kühle Sommerluft in ihrem Garten genießen würde. Vielleicht wäre jemand zu Besuch, der von seinem Alltag erzählt. Vom Alltag zu Hause, der so weit weg war. Paul Young hatte Unrecht, als er sang “Wherever I lay my hat that’s my home”, denkt sie und summt leise die Melodie vor sich hin.  Der Griff um ihre Kamera wird fester, als könne sie die aufsteigenden Gefühle damit wegdrücken. Die Kamera klebt auch. Fast den ganzen Tag hatte sie sie in der Hand gehalten und ihr Handballen brennt von der ungewohnten Belastung. Sie genießt die Streifzüge durch diese fremde Welt, die sie als so widersprüchlich empfindet. Die Bilder waren auf einmal da und sie will sie festhalten, als würde es ihr helfen zu verstehen und hier anzukommen. Und jetzt gibt sie ihr Halt, wie merkwürdig das klingt. Du und ich, wir schaffen das, schien der Griff zu bedeuten. Ihre Gedanken sind in der Heimat. Heimat – ein komisches Wort, denkt sie, ein Wort, das erst hier eine Bedeutung bekam. Ein Wort, das Schmerz hervorruft. Ein Wort, angefüllt mit ihren Erinnerungen und Sehnsüchten. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, alles in einem Begriff, denn was Heimat ihr bedeutet, würde sich sicher nie ändern. Heim – at. Wie dieses Wort wohl entstanden ist?

Ein laut schnaufend vorbeirennender Jogger beendet ihre Grübelei. Jedes Mal erschrickt sie, wenn jemand hier vorbeikommt, in ihre Privatsphäre eindringt. Als würde dieser Platz ihr gehören. Nun, ein bisschen ist er es ja auch. Ihr Platz. Deshalb ist sie so gern allein hier. Im Beisein von Anderen wird er zu einem gewöhnlichen Ausflugsort.

Sie beginnt ihr Spiel zu spielen. Der Anfang ist schwierig, aber dann sucht sie sich eines der vielen Fenster aus und zoomt sich hinein. Stellt sich vor, dass dort gerade jemand stirbt, die Familie in großer Trauer ist. Es wird geweint und geschrien und die Verzweifelung über den Verlust ist groß. Ein anderes Fenster. Zoom. Wird hier vielleicht gerade ein Kind in den Schlaf gesungen? Oder raufen sich zwei Kinder um ein Stück Schokolade? Die Kinder gehen hier nicht früh ins Bett, das weiß sie. Hauswechsel – ein anderer Einblick. Zoom. Vielleicht leidet man hier unter großen finanziellen Sorgen oder eine Liebe geht in diesem Moment für immer verloren. Und daneben – zoom –  spielt ein Mensch mit dem Gedanken an eine Gesichts-Operation, weil man größere Chancen auf dem hart umkämpften Arbeitsmark hat, wenn man europäischer aussieht. Er steckt in einem Teufelskreis. Ohne Arbeit kein Geld für eine OP, ohne OP keine Arbeit, denn davon ist er fest überzeugt, weil es dieser Gedanke einfacher ist als der, nicht gut genug zu sein. Darunter – zoom –  verzweifelt ein Jugendlicher an dem Leistungsdruck seiner Eltern, die gerade lauthals um das Sorgerecht streiten. Er denkt, dass es an ihm liegt, dass sie sich nur wegen ihm und der schlechten Noten streiten und weiß nichts von der Liebschaft seiner Mutter. Hauswechsel. Zoom. Zwei blau schimmernde Penthouses. Ein reiches Ehepaar oder besser: Zwei reiche Singles bewohnen je eines und abends und morgens sehen sie sich durch die Fenster, aber im Fluss der Millionen Menschen sind sie sich noch nie begegnet. Zwei Königskinder.  Sie spielt mit ihrer Phantasie und spinnt sich etwas zurecht, womit sicher seit der Antike hunderte von Erzählungen, Liedern und Groschenromanen gefüllt wurden. Hauswechsel. Ein kleines Fenster. Zoom. Enge und Angst. Sie kann förmlich spüren, wie die Menschen in dieser Wohnung fast ersticken, weil für sie alle der Platz, ebenso wie das Geld, vorn und hinten nicht reicht, seit die pflegebedürftigen Eltern das einzige Schlafzimmer belegen.  In der kleinen Wohnung darunter – zoom – weint eine Frau um verpasste Chancen. Sie hätte es im Leben zu etwas bringen können und nun das. Das, ja was? Ihr fällt nichts ein zu der Frau. Also geht sie weiter in die Nebenwohnung  – zoom – Eine Oma telefoniert mit ihrem Enkel, der in Deutschland studiert. Das Handy hatte er ihr vor seiner Abreise geschenkt und ihr auf einem Zettel sorgfältig aufgeschrieben, welche Knöpfe sie drücken muss, wenn sie ein Gespräch annehmen will. Der Zettel hängt mit dicken Klebestreifen mitten an der Wand. Sie vermisst ihn schrecklich, aber mit der Sorglosigkeit junger Menschen wischt er ihre Sorge vom Tisch, dass sie seine Rückkehr möglicherweise nicht mehr erleben könnte.

Sie spürt, wie Tränen in ihre Augen steigen. Die Geschichte mit der Oma und dem Enkel ist zu dicht an ihrer eigenen. Schluss damit. Ihr Blick wird magisch von den Königskindern angezogen. Welches Schicksal sich wohl wirklich hinter den Wänden dieser teuren Penthouses verbirgt? Millionen von Menschen, über 7 Millionen Menschen leben hier. 7 Millionen Schicksale, leichte, schwere, harte und ungerechte. In diesem Moment ist sie eine von 7 Millionen und ihr Schicksal ist im Vergleich vermutlich ein leichtes, ein aufregendes, ein spannendes und oft sogar ein glückliches.

Der Griff um die Kamera lockert sich und wieder spürt sie die Klebrigkeit ihrer verschwitzen Hand. Es ist Zeit nach Hause zu fahren. Es ist ein Geschenk, das sie hier sein darf, denkt sie. Hier und hier oben.

© Conny Hilker 2013

Ein Beitrag für das Projekt Magic Monday zum Thema “Über den Dächern – oben”.

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Gegensätze

Schnee kann ich im Moment nicht mehr sehen und so habe ich die Stubenhocker-Zeit genutzt, um mal wieder auf der Festplatte zu kramen und eine kleine Serie aus Hongkong gefunden, die ich immer schon mal zeigen wollte. Entstanden sind die Bilder 2007/2008:

Central und Kowloon sind die Bezirke in Hongkong, die die größten Gegensätze in Sachen Hausfassaden zu bieten haben. Neben den mit trocknender Wäsche, Kabeln, Stangen und Blumentöpfen “verzierten” Fassaden der Wohnhäuser wirken die spiegelnden Skyscraper schon fast skurril oder umgekehrt ;-). Der ernsthafte Hintergrund ist die Sichtbarkeit von Armut und Reichtum. In Hongkong sind Wohnungen so teuer, dass die meisten Menschen auf kleinstem Raum zusammenleben. Demgegenüber stehen die auf Hochglanz polierten Bauten der Finanzwelt, die auch die viel fotografierte Skyline von Central prägen.

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NATURE IN BETWEEN

NATURE IN BETWEEN

Eine leichte Ironie bezüglich des Titels darf mir unterstellt werden ;-)

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Merry X-mas

Merry X-mas

Merry X-mas!

Ich wünsche euch allen ein fröhliches, überraschendes und entspanntes Weihnachtsfest! Mögen Pannen, schlechte Stimmung, muffelige Launen und Krankheiten einen großen Bogen um euch machen! :-)

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Fasten your seatbelts, please!

Zur Zeit ist ganz viel Chaos um mich herum. Im Haus wird renoviert bzw. saniert, nichts steht mehr an seinem Platz und überall ist Dreck und Lärm. Fliehen kann man nicht, da die Handwerker einen Ansprechpartner (auch Kaffeetante genannt ;-) ) brauchen. Die Zeit wollte ich also für den Blogumzug nutzen, den ich mittlerweile wieder rückgängig gemacht habe, weil das noch mehr Chaos gab. Wer dem Blog auf Facebook folgt, hat davon ja einiges mitbekommen, die anderen haben gemerkt, dass hier zeitweise gar nichts mehr ging. Ich bin kuriert, einen weiteren Versuch wird es so schnell nicht geben. Was von den Änderungen bleibt, ist die Umbenennung des Blogs, Titel und Url sind nun gleich und das ist viel einprägsamer und einfacher.

Nun, wenn man nicht zum Fotografieren kommt, hat man Zeit in alten Bildern zu stöbern. Heute war ich in Hongkong, genauer gesagt, flog ich mit einem Hubschrauber über Hongkong. Bis dieser Flug 2007 stattfand, haben wir den Termin x-mal verschoben, denn man wünscht sich klare Sicht und das ist in Hongkong eine Rarität ;-). Im September war es dann so weit und ich hatte mächtig Angst – oh oh. So viel Angst, dass der Pilot darauf bestand, dass ich neben ihm sitze, damit er mich beruhigen kann. Beim Start bin ich fast gestorben, aber 2 Minuten später konnte ich gar nicht anders, als das genießen, was sich meinem Auge bot. Hongkong ist von oben einfach wunderschön und faszinierend. Wir flogen auch zu der Bucht, wo wir wohnten (Bild 20) und im letzen Drittel über die Hochhausschluchten, was mich besonders beeindruckt hat. Dieser Rundflug gehört ganz sicher zu den schönsten Momenten meines Lebens und ich lade euch ein zu diesem Flug. Fasten your seatbelts, please!

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Parks gone wrong

Verbotsschilder sind hier in Deutschland auch nicht selten, aber nirgendwo war ich  von mehr Verbotsschildern umgeben, als in Hongkong. Vor einigen Jahren habe ich dort gelebt und auf meinen täglichen Streifzügen mit meiner ersten Kamera (D80) habe die Schilder oft fotografiert, weil ich fand, dass man das unbedingt mal zu Hause zeigen muss. Übrigens hält man sich in Hongkong i. d. R. an Verbote, nicht zuletzt, weil die Strafen drastisch sind. 150€ sind fällig, wenn man irgendwo hin spuckt, seinen Kaugummi auf den Boden schmeißt, den Hundhaufen nicht aufgesammelt oder man sonstigen Abfall einfach fallen lässt. Verstößt man gegen das Rauchverbot wird es richtig teuer: 500€ und da gibt es kein Debattieren, denn ein Übersehen der Verbotsschilder im XXL-Format oder der Plakate ist schlicht unmöglich. Viele Verbote sind  sinnvoll und eine Folge ist, dass Hongkong vielerorts sehr viel sauberer ist, als so mancher Stadtteil hier in Hamburg. Als Nichtraucher wird man nirgends von Rauch belästigt, denn das Rauchen ist praktischerweise gleich an ganzen Straßenzügen verboten, wenn dort eine Schule oder ein Kindergarten ist, an Bus- und Bahnhaltestellen, in Restaurants,  z. T. sogar vor Gebäuden und in öffentlichen Gebäuden ausnahmslos sowieso :-) und sogar an den Stränden und in allen Parkanlagen und seien sie noch so groß. Ein Traum für jeden Gesundheitsminister ;-) Andererseits titelte das Honkong-Magazin 2007: “Parks G😄ne Wr😄ng”, denn Spass haben ist in Parks und am Strand zwar noch nicht verboten, aber vieles, wobei man Spass haben könnte. Aber schaut selbst:

 

 

 

 

 

 

 

 

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Wünsche & Träume

In Hongkong ist es zur Weihnachtszeit üblich, dass den Wünschen der Großen und der Kleinen Raum auf öffentlichen Plätzen gegeben wird. Es werden z. B. Wunschbäume aufgestellt, an denen dann zu Weihnachten Tausende von Zetteln hängen, auf denen große und kleine Menschen ihre Wünsche notiert haben. Sie hoffen, dass Santa Claus vorbei kommt und die Wünsche erfüllt.

Ein kleines Mädchen wünschte sich vor 4 Jahren, eine echte Prinzessin zu sein. Ich habe diesen Wunsch als kleines Mädchen auch gehegt. Mittlerweile bin ich froh, dass er sich nie erfüllte, denn das letzte, was ich heute sein möchte, wäre eine Prinzessin!  Das kleine Mädchen wünscht sich mittlerweile sicher auch eher einen Computer ;-)

Heute wünsche ich mir, dass es mit der Welt wieder aufwärts geht und wir alle wieder etwas sorgloser in die Zukunft blicken können. Ich wünsche mir, dass meine Lieben gesund und munter bleiben. Ich natürlich auch ;-). So ändern sich Wünsche, bleiben aber Wünsche, die sich erfüllen oder eben nicht und die immer auch bedeuten, dass Menschen noch (von etwas) träumen.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein traumhaftes und wunschreiches Weihnachtsfest für euch und eure Familien!

Weihnachtliche Grüße an euch alle!

Conny

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Hongkong und Himalaya

Transience ist neugierig und möchte mehr Bilder des Fluges von Hongkong über das Himalaya-Gebirge sehen, über den ich gestern geschrieben habe. Den Wunsch erfülle ich nur zu gern, denn ich mag diese Bilder, die ich durch die dicken Bullaugen des Flugzeuges gemacht habe. Fasten seat belts, please :-)

 

 

 

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Selbst gebastelt: Fotofilm über Hongkongs Märkte

Puh! Fertig. Die Idee dazu hatte ich schon lange, heute habe ich es gewagt und habe meinen ersten Fotofilm erstellt. Mit Lightroom 3 war das eigentlich nicht schwer. Zum Inhalt:

Knapp zwei Jahre habe ich in Hongkong gelebt. An den Anblick, wie gerade die „Ware Tier“ hier auf den Märkten präsentiert wird, habe ich mich nie gewöhnt. Fast noch weniger an die Gerüche, die man leider (oder zum Glück) nicht über einen Fotofilm transportieren kann.

Es ist laut auf den Märkten. Kleine, meist ältere Frauen  passieren die Stände mit einem Bündel Plastiktüten in den Händen, aus denen die verschiedenen Gemüsesorten ragen. An den Fleischständen wird jedes Stück in die Hand genommen und die Qualität geprüft. Auch im Sommer, bei 32°C im Schatten, findet man dort keine wirkliche Kühlung. Das Fleisch hängt an riesigen Fleischerhaken von der Decke der Stände. Fische werden kurz vor dem Verkauf  aus dem Wasser geholt. Man macht sich nicht die Mühe, sie zu töten. Sie schnappen nach Luft und sterben schließlich. Als Frischesiegel wird die prall gefüllte Schwimmblase neben der Ware drapiert. Hühner und anderes Geflügel werden (für das westliche Touristenauge) fast schon skurril präsentiert. Die Käufer haben aber auch die Wahl, ein lebendiges Huhn auszusuchen, welches dann vor Ort getötet wird. Getrocknete Spezialitäten, von denen wir kaum erkennen, um was es sich handelt, verströmen einfach widerliche Gerüche, einzig die Gemüsestände sind eine Wohltat für´s Auge.

Vermutlich fänden die chinesischen Marktkunden unsere Märkte ebenso merkwürdig und unsere (teils denaturierten) Waren eklig…..

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