Portrait im Frühling

SPRING PORTAIT - Ein Frühlingsportrait

Der Frühling ist da (ab und zu zumindest ;-) ) und wir können endlich wieder draussen fotografieren ohne uns die Füße abzufrieren. Ich mag die leichten, zarten Farben, die noch nicht die Leuchtkraft des Sommers oder die Intensität des Herbstes haben und wollte sie gern in diesem Portrait von Julia betonen und dem Bild einen natürlich schönen, weichen Look verleihen. Dafür hätte eine entsprechende Entwicklung in Lightroom zwar schon gereicht, aber das Ausprobieren von  “Bokeh Textures and Actions Vol.2” stand an, welches ich als Goodie für einen anderen Kauf bekommen habe, sonst kostet es verschmerzbare $4. Das ist eine Photoshop-Aktion, der praktischerweise auch gleich ein paar Bokeh-Bilder beigepackt sind, man kann in dem entsprechenden Ordner, den PS während der Aktionsroutine automatisch ansteuert, aber auch seine eigenen Fotos platzieren, was ich auch tun werde). Dieses Foto passte besonders gut, weil es schon schöne Bokeh-Kreise im Hintergrund aufwies und da ich es dann eh gerade in Photoshop geladen hatte, kam noch kurz das Beauty Panel von Hollywood/Kaiser zum Einsatz, mit dem man wirklich ganz dezent und strukturerhaltend retuschieren kann und welches ich nicht mehr missen möchte. Hier ging es mir hauptsächlich um die leicht überbelichtete Stelle an der Stirn.

Ihr wisst, ich bette nicht klammheimlich Werbung ein, sondern empfehle nur, was mir selbst wirklich gut gefällt. Man spart sich bei Beidem die eigene Erstellung von Aktionen, was im Fall von “Bokeh Textures” noch relativ schnell selbst zu erledigen ist, beim Beauty Panel aber richtig viel Arbeit bedeuten würde, das entsprechende Know How i. S. Smart-Objects, Ebenen, Masken, Frequenztrennung und und und…..  mal vorausgesetzt. Außerdem ist es als “Panel” wirklich bequem zu bedienen. Ich denke, selbst wenn ihr in Photoshop nicht ganz so fit seid, könnt ihr dank des Anleitungs-Videos damit zurecht kommen und eure Ergebnisse in der Retusche deutlich verbessern, so ihr sie vorsichtig einsetzt. Ich weiß, manche mögen Retusche gar nicht, andere lassen retuschieren, aber für mich gehört sie zum Handwerkszeug, gerade in der People-Fotografie, und ich freue mich über jede Zeitersparnis und da sind die knapp €60 gut angelegt :-).

 

 

 

 

 

Muss “Street” authentisch sein?

Der Geiz Club neben McDonald´s auf dem Hamburger Kiez.

 FAST & CHEAP

Das Eis für Street-Fotografen ist dünn, zumindest in Deutschland, wo das Recht am Bild bei den abgebildeten Menschen liegt. Wir Fotografen wissen, was das bedeutet. Jeder muss selbst entscheiden, wie er damit umgeht und welches Risiko er eingeht, wenn er ungefragt Bilder von Menschen aufnimmt und gar veröffentlicht. Ich bin kein passionierter Street-Fotograf, aber ab und an mache ich auch solche Aufnahmen und habe keine Lust, den Leuten hinterherzulaufen, sie um schriftliche Erlaubnis zu bitten, das Bild dann womöglich doch löschen zu müssen usw. Das wäre mir zu stressig und würde meine Stimmung als Beobachter stören. Also bleiben viele Aufnahmen im Privaten. Es kursieren zwar die abenteuerlichsten Theorien, so soll z. B. das Lächeln in die Kamera als Einwilligung gelten, was aber bei näherer Betrachtung juristisch nicht haltbar ist, denn ein Lächeln kann zwar heißen: Mach ein nettes Bild von mir, aber noch lange nicht, dass derjenige es auch veröffentlicht sehen will. Wer weiß, ob er später nicht behaupten wird, quasi geistig abwesend vor sich hin gelächelt zu haben. Deswegen suche ich immer wieder nach Möglichkeiten, Menschen so in das Bild zu integrieren, dass man sie nicht erkennen kann, weil sie z. B. zu weit weg sind, im Gegenlicht zur Silhouette werden oder ähnliches. Außerdem entscheide ich auch danach, wie “nett” und unverfänglich ein Bild ist. Ich meine, da nehme ich mein Feingefühl als Messlatte und klar, wenn ich ein Bild von mir im Internet sehen würde, auf dem ich auf “nette Weise” eine Streetszene belebe ;-), würde ich mir das Foto vermutlich herunterladen und mich freuen. Nicht aber, wenn ich mich irgendwie bloßgestellt fände oder durch die aggressive Vorgehensweise des Fotografen auf´s Bild gedrängt. Man selbst hat doch ein gutes Gefühl dafür, was ok ist und was gar nicht geht. Aber wie gesagt, das muss jeder Fotograf für sich entscheiden und ich will das an dieser Stelle auch gar nicht in die Tiefe gehend diskutieren.

Ein anderer Aspekt aber, über den ich mir bisher noch nie Gedanken gemacht habe, kam mir bei obigem Bild in den Sinn. Dieser Mann hat meinen stillen Wunsch erhört und ist mir freundlicherweise mit passender Blickrichtung in mein bis dahin recht lebloses Bild gelaufen (Ok, er hätte ein wenig mehr Abstand zu mir halten können, damit der Anschnitt seiner Person überzeugender ausgefallen wäre. Ich selbst scheute die Lebensgefahr, die jeder Schritt weiter zurück Richtung Reeperbahn mit sich gebracht hätte ;-) ).  Das Foto ist zwar relativ unverfänglich, aber die Umgebung könnte eine sein, in der jemand vielleicht nicht abgelichtet werden möchte, also ist mir hier besonders wichtig, dass man ihn nicht identifizieren kann. Nun, ich denke, er hat sein Gesicht so weit abgewandt, dass man ihn nicht erkennen kann. Oder? Was man beim normalen Betrachten nicht sieht: Ich habe mit Photoshop seinen Kopf dezent verändert (Frisur, Haarfarbe, Profil) und ein auffälliges Emblem von seiner Jacke entfernt. Im Vergleich zum Original ist er nun ein anderer Mensch, aber das Original kenne nur ich.

Meiner Meinung nach ist das völlig in Ordnung, denn ich habe seine Blickrichtung nicht verändert und auch sonst keine Bildelemente. Aber wie würden das wohl andere beurteilen, wenn sie es wüssten? Ist es legitim, Photoshop in diesem Genre einzusetzen? Wo sind da die Grenzen und wer zieht sie? Bei meiner kurzen Recherche musste ich feststellen, dass es dazu nur wenig im Netz zu lesen gibt. Ist das Thema so abwegig? Im Grunde endete ich im Studium der unterschiedlichsten Definitionen von Street-Fotografie, deren kleinster gemeinsamer Nenner das Fehlen jeglicher Inszenierung zu sein scheint. Von Photoshop ist nie die Rede, dafür sehen manche schon im Begradigen des Bildes eine unzulässige Manipulation.

Und da sitze ich vor meinem Bild und denke, dass es einfach komplett egal ist, weil der Betrachter das Original nicht kennt. Oder?

NUMB – a Self

NUMB II

Oft schießen einem Ideen in den Kopf und kein Mensch ist greifbar, mit dem man sie umsetzen könnte. So ist dieses Bild entstanden. Ich brauchte “Rohmaterial” um mich durch ein Video-Tutorial i. S. professionelle Portrait-Retusche in Photoshop zu kämpfen und hatte die Idee zu diesem Bild. Tricky ist natürlich immer die Sache mit dem Fokus, wenn man sich selbst fotografiert. Da ich hier die Schärfe auf den Augen haben wollte, habe ich eine Leiter aufgestellt und  auf das Ende der oberen Stufe fokussiert, DSC_9511was in etwas dem Punkt entsprechen müsste, wo meine Augen sein würden. Auto-Fokus abgestellt und die Blitzanlage angeschlossen. So sollte es passen. Da ich dann mit dem Selbstauslöser arbeiten musste, begann ein fröhliches Hin- und Herlaufen zwischen der Kamera und dem Aufnahmepunkt. Gar nicht so einfach, ein entspanntes Gesicht dabei zu behalten, vor allem wenn das Piepen des Selbstauslöser ankündigt, dass es gleich kräftig blitzen wird :-). Auf dem ursprünglichen Bild, welches ihr hier sehen könnt, ahnt man die Verkrampfung (mein Mund ist normalerweise nicht schief ;-) ).

Dank Photoshop und dem Tutorial sieht man davon im Endergebnis nichts mehr und ich bin zufrieden mit dieser ersten Arbeit. Es war eine Premiere in der Aufnahmetechnik, denn Selbstportraits habe ich bisher noch nie mit der Blitzanlage gemacht, aber auch vom Workflow her in Photoshop, denn der hatte es in sich. Da ich aber aktuell mit Kundenwünschen i. S. Retusche befasst bin, habe ich viel Sinnvolles gelernt.

Abschließend habe ich den Effekt noch etwas überreizt, aber mir gefällt die obige Version besser. Und euch?

NUMB III

LICHT #4 – mit Making-of

“INTO THE LIGHT”

Das Bild entstand vor kurzem während meines Urlaubes in der Türkei. Das Projekt “Licht” im Hinterkopf betrachtete ich das Licht am Ende des Tunnels und fand, dass das ein lohnendes Motiv insofern ist, als ich mit Lightroom und Photoshop mehr aus dem Bild herausholen kann, als man es auf den ersten Blick sieht. Ich beschreibe euch hier den Weg vom RAW zum fertigen Bild, das out of cam so aussah:

In Lightroom habe ich die Belichtung etwas angehoben, ebenso die Schwarzbeschneidung und vor allem den Kontrast erhöht. Da der Papierkorb meine Vorstellung von dem Bild eh nur störte, habe ich ohne auf ihn Rücksicht zu nehmen, dann noch mit dem Korrekturpinsel/Belichtung die hintere Wand aufgehellt. Das sah dann so aus:

Nun kam Photoshop an die Reihe. Ich arbeite mit CS5 und somit habe ich den Papierkorb und den Mini-Müll vorne rechts einfach mit einem Auswahlwerkzeug eingekringelt und mit sensitivem Füllen eleminiert. Ansonsten hätte ich wohl etwas länger stempeln müssen ;-). Dann habe ich die Ebene dupliziert und den Filter Weichzeichner/Radialer Weichzeichner im Modus “strahlenförmig” mit dem Wert 31 angewandt. Den Weg über die Ebene habe ich gewählt, weil ich dann die Stärke des Effekts über die Deckkraft steuern kann, die ich hier auf 70% setzte. So kam das Bild aus Photoshop zurück:

Nun habe ich auf das Lightroom-Preset “Kreativ (SW) Sepiaton” gesetzt. Im Grunde werden hier Aufhelllicht, Schwarzbeschneidung, Helligkeit und Kontrast erhöht, außerdem wird an der Schwarzweißmischung gedreht. Das gefiel mir schon ganz gut, weil die schmuddeligen Wände so schön herauskamen:

Aber irgendwie gefiel mir das noch nicht 100%ig. Zu viel Braun im Bild, also habe ich es noch etwas entsättigt. Dann noch schnell in Photoshop über Bild/Arbeitsfläche einen schwarzen Rahmen erstellt und voilá, das Bild ist so, wie ich es mir vorgestellt habe:

Ich hoffe, euch hat das kleine Making-of gefallen und freue mich über Kommentare!