KPK – Architekturfotografie vom Feinsten


Vor einiger Zeit entdeckte ich auf 500px einige Architekturfotos,die mich sehr faszinieren, weil für mich hier alles stimmt: Die Bildwinkel und Ausschnitte, die Wahl und Anordnung der Motive und die passende Bearbeitung der Bilder. Immer wieder saß ich vor dieses Fotos und hatte in Gedanken tausend Fragen an den Fotografen KPK. Und daraus wurde nun dieses spannende Interview, in dem KPK ein bisschen über sich und seine Arbeit erzählt:

Darf ich fragen, wie du zur Fotografie gekommen bist? Und wie sich der Schwerpunkt Architektur herauskristallisiert hat?
Ich fotografiere seit Anfang der 80er Jahre mit Spiegelreflexequipment, hatte in den Anfangsjahren meiner Fotopraxis in Berlin jedoch keinen ausgesprochen künstlerischen Anspruch an die Fotografie sondern habe eher zu Dokumentationszwecken fotografiert. So habe ich beispielsweise eine weit über 100 Fotografien umfassende Serie von bemalten Brandmauern (Hausfassaden) erstellt, von denen heute viele in der Realität (durch Übermalung, Baumaßnahmen, Abriss, etc.) nicht mehr existieren. Vielleicht wurde dort bereits der erste Grundstein für meine Vorliebe zur Architekturfotografie gelegt.

Welche Fähigkeiten sind Grundvoraussetzung, um gute Architekturfotos zu machen?
Ein Gespür für die ästhetische Wirkung des Zusammenspiels von Formen, Flächen und Linien ist sicher sehr hilfreich, oder mit anderen Worten, eine gewisse Fähigkeit zu abstrahieren, einzelne grafische Elemente und deren optisch-ästhetisches Potential bereits beim Betrachten des Motivs zu erkennen, um dann einen entsprechenden Bildausschnitt, Blickwinkel etc. zu wählen.


Du bist offensichtlich immer an den richtigen Plätzen, um die tollsten Motive ablichten zu können. Wie kommst du an die Adressen?
LOL, die Locations selbst sind selbstverständlich wichtig. Viele Motive wirken schon für sich allein, da muss der Fotograf nicht mehr viel tun. Herausfordernder sind jedoch die nicht auf den allerersten Blick als fotografierwürdig erscheinenden Objekte, sondern die Locations, die erst durch die Wahl des Ausschnitts, des Blickwinkels und manchmal auch nur bei bestimmten Licht die richtige Wirkung entfalten.
Oft sehe ich Fotos interessanter Locations und frage mich dann, ob es wohl möglich ist, hiervon Fotos mit einer anderen Wirkung zu erzielen. Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie viele unterschiedliche Herangehensweisen an ein und dasselbe Motiv möglich sind und zu welch unterschiedlichen Ergebnissen man kommen kann.
Ich frage daher gelegentlich direkt bei anderen Fotografen an, wo sich bestimmte Locations befinden, informiere mich bei Architektur-Websites über neue Projekte / Bauwerke, oft erkunde ich jedoch selbst bei Städtereisen auch unbekanntes Terrain.

Mit welchem Equipment bist du unterwegs?
Seit einigen Jahren bin ich mit Olympus-Kameras und entsprechenden Olympus-Objektiven unterwegs. Ein stabiles Stativ gehört natürlich auch zur Ausrüstung, ebenso wie Funkfernbedienung, Graufilter u.a.m.

Magst du erzählen, wie ein Shooting abläuft? Planst du vor oder geschieht das eher spontan?
Das ist unterschiedlich, eine gewisse Vorab-Planung ist aber schon die Regel. Wenn ich beispielsweise vorhabe, ein bestimmtes Gebäude zu fotografieren, schaue ich mir oftmals per Google-Maps die Lage an, um abzuschätzen, zu welcher Tageszeit (vormittags oder nachmittags) die günstigeren Lichtverhältnisse vorliegen und ob es von öffentlichem Grund aus fotografierbar ist. Bei Innenaufnahmen ist i.d.R. eine vorherige Anfrage beim Architekt / Eigentümer / Nutzer / Verwalter notwendig, um eine entsprechende Erlaubnis zu erhalten, dies muss somit rechtzeitig erledigt werden und bedeutet häufig einen großen zeitlichen Vorlauf. Auch sind nicht alle Gebäude an allen Wochentagen zugänglich, so etwas muss auch eingeplant werden. Habe ich vor, an oder in Gebäuden zu fotografieren, wo viel Publikumsverkehr (Museen etc.) herrscht, ist oft der Samstag zur frühestmöglichen Öffnungszeit ein Zeitpunkt, an dem die wenigsten Menschen das Fotografieren stören.
Selbstverständlich ergeben sich auch spontane Shootings, wenn ich rein zufällig eine interessante Location entdecke. Dann laufe ich um das Gebäude herum und versuche aus vielen verschieden Blickwinkeln und mit unterschiedlichen Objektiven eine möglichst große Anzahl an unterschiedlichen Fotos zu machen, die ich dann später am Computer auswerte und ggf. bearbeite.

Eines meiner Lieblingsbilder aus der Sektion “Architecture Photo Art” ist “SilverVision”. Wie ist dieses Bild entstanden?
Das Bild ist in Paris entstanden und wurde mit einer Brennweite von 400 mm (KB-äquivalent) vom Triumphbogen aus aufgenommen. Es zeigt eine Komposition bestehend aus der Skyline des La Défense-Bezirks und eines weiteren Hochhauses, welches ich aus Gründen der Bildgestaltung zusätzlich in das Foto integriert habe. Der verwischte Effekt ist am Computer durch die Anwendung eines Bewegungsunschärfefilters erzeugt worden. Nachträglich wurden einzelne Gebäudedetails wieder per Ebenenarbeit hervorgehoben.
 

Wie sieht dein Workflow aus?
Eine häufig gestellte Frage auf die es immer wieder keine eindeutige Antwort gibt bzw. geben kann. Zu Beginn steht die RAW-Konvertierung, bei der ich hauptsächlich Belichtung und wenn nötig Weissabgleich korrigiere. Das weitere Vorgehen hängt jedoch ganz individuell von jedem einzelnen Foto ab und was ich damit machen möchte. Das beginnt bei Naturaufnahmen, die möglichst unverfälscht, klar und realistisch wirken sollen über Architekturaufnahmen, denen durch Kontrast- und Strukturhervorhebung bestimmte Spannungselemente hinzugefügt werden sollen bis hin zu Fotos, die ich auch gerne einmal hinsichtlich einer besonderen Farbgestaltung und Detailverfremdung weit in den nicht-realistischen, abstrakten Bereich hin bearbeite, um bestimmte Wirkungen auf den Betrachter zu erzielen.

Wie wichtig sind für dich Plattformen im Internet, z. B. die Fotocommunity oder 500px? Welche ist die Wichtigste für dich?
Zu Beginn meiner Foto-Aktivitäten im Internet waren Fotocommunities von besonderer Bedeutung, weil dort viel Hilfestellung für Problemlösungen sowie viel Lernmaterial verfügbar ist. Diese Plattformen sind auch wichtig, um den eigenen Bekanntheitsgrad zu steigern und um überhaupt erst einmal andere Menschen auf die eigenen Arbeiten aufmerksam zu machen. Ich habe dort direkte Kontakte zu anderen Fotografen geknüpft, die für meine fotografische Weiterentwicklung sehr bedeutend waren. Mittlerweile habe ich mich aus den meisten Communities zurückgezogen, überwiegend aus zeitlichen Gründen. Sehr am Herzen liegt mir aber meine Mitarbeit bei Onexposure (http://1x.com), weil dies m.E. eine recht außergewöhnliche Foto-Website mit einem besonderen Anspruch darstellt. Auch die Community dort ist von einer vorbildlichen Art und Weise des Umgangs untereinander gekennzeichnet. Aus meiner Sicht ein Projekt, das es wert ist, unterstützt zu werden. 
 
Du hast schon einige Fotos in Printmedien veröffentlicht und Preise gewonnen. Hatte das Auswirkungen auf deine Karriere als Fotograf? Ich frage, weil ich vermute, dass es heute unglaublich schwierig ist, sich einen Namen zu machen, aus der Masse herauszustechen, selbst wenn man so gut ist wie du.
Die eigenen Fotos in Magazinen oder Büchern relativ regelmäßig wiederzufinden zeigt mir, dass sich meine intensive Beschäftigung mit dem Fotografie-Hobby und der große zeitliche Aufwand lohnt. Zum wiederholten Male zeigt sich, dass Erfolg i.d.R. nur durch intensives, konstantes Bemühen zu erreichen ist. Letztendlich freue ich mich einfach darüber, dass meine Bilder gut ankommen und anderen beim Betrachten Freude machen. Dass das Ego durch die kleinen Erfolge, die ich bislang erzielt habe auch ein wenig gestreichelt wird, will ich nicht in Abrede stellen :-) Ich glaube, eine “Karriere” als Fotograf habe ich aber trotzdem noch nicht gemacht und das strebe ich auch nicht an. Auswirkungen hat meine Präsenz in Printmedien oder bei Fotowettbewerben nicht direkt auf das, was ich fotografisch mache. Da folge ich meinen eigenen Zielen, nämlich mich weiterzuentwickeln und mit meinen Fotos Freude beim Betrachter zu erzielen. 

Welche Fotografen findest du erwähnenswert?
Das ist für mich ehrlich gesagt, die schwierigste Frage dieses Interviews. Erwähnen möchte ich hier aber doch Candida Höfer aus der Gruppe der “Becher-Schüler“. Sie pflegt einen fotografischen Stil, der sich häufig auf die grafische Wirkung der abgelichteten Motive konzentriert, was mir natürlich sehr zusagt.

Ich sehe, dass du auf 1x.com bzw. whitewall.com auch Prints verkaufst. Kaufst du manchmal Prints anderer Fotografen?
Das habe ich schon getan, kommt aber eher selten vor. Hauptsächlich liegt das jedoch daran, dass der Platz an den heimischem Wänden begrenzt ist :-)

Was wünscht du dir für dich als Fotograf für die nächsten 5 Jahre?
Die Möglichkeit, meine fotografischen, wie auch bildbearbeitungstechnischen Fähigkeiten weiterzuentwickeln. 

KPK, ich bedanke mich für das ausführliche und interessante Interview, aus dem meine Leser und ich sicher etwas mitnehmen und freue mich schon auf deine nächsten Werke!
 
 
            

Deutsche Fotoblogs – Eine Liste von Blogtimes

Hallöle an euch! Der Urlaub ist vorbei und endlich tut sich hier wieder was!

Vor kurzem begab sich  Ronny von Blogtimes.de auf die Suche nach deutschen Fotoblogs und nun ist die Liste derjenigen Blogs, die seinem Aufruf gefolgt sind, fertig und steht hier zu lesen. Beim ersten Überfliegen der Liste, die über 80 Blogs enthält, stellte ich fest, dass es noch viele neue Blogs zu entdecken gibt und ich in den kommenden Tagen viel zu lesen habe :-) Sicher ist das auch für euch interessant.

Liste deutschsprachiger Fotoblogs auf Blogtimes.de

Iain McKell: The New Gypsies

Iain McKell: The New Gypsies

Auf meinem gestrigen Streifzug durch die Regale einer Buchhandlung fiel mir das Buch “The New Gypsies” auf. Der Londoner Musik- und Modefotograf Iain McKell hat die modernen Nomaden Englands portraitiert. Die Fotos scheinen Bilder aus einer anderen Zeit zu zeigen. Aufgenommen wurden sie in den letzten zehn Jahren. “Hier trifft das 18. Jahrhundert das 21. Jahrhundert. Ihre Art zu Leben, zeigt einen Ausweg für einen Planeten voller Probleme.” (McKell)

Die New Gypsies haben sich aus den New Age Traveller entwickelt, einer Gruppe aus Hippies und New Age-Anhängern, die seit den 60er Jahren durch England zogen. Sie lebten in Wohnwagen oder umgebauten Bussen und zogen von Festival zu Festival, um Friedensbotschaften zu verkünden. In der 80ern schlossen sich viele Punks den Traveller an. Die New Gypsies, eine Minderheit der ca. 300.000 Traveller Englands, stiegen auf Pferd und Wagen um und leben jetzt teilweise schon 3. oder sogar 4. Generation als fahrendes Volk auf der Straße. Sie verzichten auf Konsum und weitgehend auf technische Errungenschaften wie Waschmaschinen und Fernseher. Sie leben nachhaltig, naturverbunden und unabhängig. Sie unterrichten die Kinder selbst und ziehen mit Planwagen und Pferd über die Dörfer, in denen sie ihre Dienste als Handwerker anbieten. Gemocht werden sie nicht, eher gehasst. Vielleicht, weil sie den Menschen einen Spiegel vorhalten, in dem sie sehen, dass ihre Art zu leben, nicht “gottgegeben” und die einzig richtige ist.

Entstanden ist ein wunderbares Buch mit feinen Portraits, die stilistisch auch für die Werbung großer Modefirmen taugen würden, aber doch den Anspruch der Dokumentation haben. Was mir (nicht nur ) für eine Dokumentation fehlt, sind Fotos der harten Zeiten, die so ein Leben ganz sicher mit sich bringt. McKell entwirft mit seiner Veröffentlichung das Bild eines romantisches Lebens jenseits gesellschaftlicher Konventionen.

Zur Bilderserie (50 Fotos) auf der Webseite des Künstlers

Im Mai sendete 3sat einen interessanten Beitrag über die Hintergründe zur Entstehung des Bildbandes (Dauer ca. 5 Min.):

 

Der Bildband “The New Gypsies” von Iain McKell und Val Williams ist im Prestel-Verlag erschienen.

Fotoprojekt “Panorama Streetline”

Erfurt Domplatz © Panorama Streetlline

Die Fotografen des Projektes  “PanoramaStreetline” haben eines gemeinsam: Ein großes Interesse daran, komplette Strassenzüge  fotografisch zu dokumentieren. Auf der Homepage des Projektes heisst es:

Wir zelebrieren die Einzigartigkeit von Strassenzügen, die man so noch nicht zuvor sehen konnte. Projekte wie Googles’ Street View oder Microsofts’ Street Side sowie weitere geplante zukünftige Projekte werden ein beeindruckendes virtuelles Bild unserer Welt, oder zumindest eines Teils von ihr, erzeugen. Auf Jahrzehnte hinaus erhält sich so ein detailliertes Bild unserer heutigen Welt. PanoramaStreetline trägt dazu bei indem es eine Sammlung ausgewählter Strassenansichten aus Städten und Dörfern überall auf der Welt aufbaut und dabei den Fokus auf die Einzigartigkeit und die Tradition von architektonischen Entwicklungen verschiedener Orte legt.

Die einzelnen Panoramen kann man auf der Webseite  bewundern. Zu ihren bisherigen Projekten zählen Straßenzüge in Deutschland, Malta, Polen, England und Mexiko. Besonders gut gefällt mir, dass es zu den meisten Panoramen auch ein wenig zur Geschichte der jeweiligen  Straße zu lesen gibt. Ein lineares Panorama herzustellen ist aufwändig, da es von verschiedenen Standpunkten aus aufgenommen wird. Bei einem normalen  Panorama werden die Einzelbilder von ein und demselben Punkt aus fotografiert und dann bequem mit einer Software zusammengefügt. Das ist hier oft nur mit Qualitätsverlusten möglich und so werden die einzelnen Aufnahmen  meist manuell entzerrt und zusammengefügt.

Das jüngste Projekt, an dem z. Zt. noch gearbeitet wird, ist das Bild eines Teils der PortobelloRoad in London, Notting Hill. In folgendem Clip kann man sehen, wie die einzelnen Aufnahmen zu dem Werk vor dem Stiching aussehen und sich gut vorstellen, wie genau gearbeitet werden muss, um daraus ein Panaorama zu basteln.

 

Wie bereits erwähnt, ist das Bild noch nicht ganz fertig, aber das bisherige Ergebnis ist jetzt schon sehenswert und eines meiner Favoriten, daher möchte ich es gern zeigen:

 

Fotografen, die sich auf die eine oder andere Art an diesem interessanten Projekt beteiligen wollen, sind willkommen und können sich hier über die Kontaktmöglichkeiten informieren.