
Aufnahmen bei Nacht haben ihren eigenen Zauber und mit ein bisschen Wissen darum, worauf man achten muss, gelingen sie wirklich jedem. Es gibt ein paar technische Voraussetzungen, ohne die Available-Light-Aufnahmen bei Nacht nur selten gelingen werden und eine Reihe an Zubehör, das zwar nicht zwingend notwendig, aber doch sehr hilfreich ist:
Voraussetzungen:
- Du brauchst ein Stativ, denn die Belichtungszeiten sind so lang, dass dir keine scharfen Aufnahmen gelingen werden, wenn die Kamera keinen stabilen Untergrund hat, das schafft nachts auch kein Objektiv mit Bildstabilisator (VR/IS/OS). Eine Mauer o. ä. hilft, falls du kein Stativ dabei hast, allerdings ist man dann in der Bildgestaltung sehr eingeengt.
- An deiner Kamera solltest du die Belichtungszeit manuell wählen können, ebenso den Iso-Wert und den Fokus, der Autofokus funktioniert ab einem gewissen Grad der Dunkelheit nämlich nicht mehr zuverlässig bis gar nicht.
- Deine Kamera sollte in den Bulb-Modus versetzt werden können. Die meisten Kameras beherrschen eine Belichtungszeit von bis zu 30 Sekunden, das reicht aber manchmal nicht aus und dann braucht man den Bulb-Modus, der ermöglicht, dass man die Belichtungzeit manuell steuern und wesentlich länger als 30 Sek. belichten kann.
- Ein Fernauslöser, denn er ist nicht nur bequemer zu bedienen, sondern verhindert auch, dass die Kamera durch Drücken des Auslösers in Schwingungen gerät. Einen kabelgebundenen Fernauslöser bekommt man schon für kleines Geld (ca. 10 €) und selbst die simpelste Version hat eine Einrast-Funktion, was sehr hilfreich ist, wenn du deutlich längere Belichtungszeiten wählst. Besonders fein sind Infrarot-Auslöser, die man bequem in der Tasche verschwinden lassen kann, die aber nicht an jeder Kamera funktionieren. Hat man aber gar keinen, kann man zur Not auch den Selbstauslöser der Kamera benutzen, wobei dabei das Risiko besteht, leicht verwackelte Aufnahmen zu bekommen.
Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, steht gelungenen Nachtaufnahmen nichts im Wege.
Hilfreich wäre außerdem:
- Ein Smartphone mit Stopp-Uhr, um die Belichtungszeit zu erfassen, wirklich sehr hilfreich im Bulb-Modus!
- Je nach Lichtsituation eine Okkular-Abdeckung, die den Sucher abdeckt, damit während der langen Belichtung kein Licht durch den Sucher eindringt. Er ist eigentlich im Lieferumfang der Spiegelreflexkameras enthalten und wird quasi über den Sucher geschoben. Bei manchen teureren Modellen braucht man nur einen Riegel am Sucher vorschieben.
- Eine Taschenlampe, nicht nur um in der Dunkelheit Bedienungsknöpfe oder eventuell runtergefallene Sachen oder einfach den Weg zu finden ;-), sie kann auch beim Fokussieren helfen. Dazu später mehr.
- Eine Streu- bzw. Gegenlichtblende hilft gegen unerwünschte Lichtreflexe
- Ein Neutral-Dichte-Filter, kurz ND-Filter genannt, kann helfen, wenn man für bestimmte Effekte (z. B. seidige Wasseroberfläche) eine längere Belichtungszeit nutzen möchte, das Umgebungslicht aber zu hell dafür ist, wie es z. B. bei illuminierten Häuserfassaden der Fall sein kann. Wie man ihn einsetzt, ist hier gut beschrieben.
- Ein Ersatz-Akku, denn falls es kalt ist, kann es dir passieren, dass der Akku leer ist, bevor du fertig bist (Ehrlich gesagt, ist mir das noch nie passiert, wenn der Akku vorher voll geladen war, aber das ist sicher auch vom Fabrikat abhängig)
Wenn die Fototasche gepackt und die Location erreicht ist, kann es los gehen:
Die beste Zeit für schöne Nachtaufnahme ist die blaue Stunde. Das ist die Zeit 1/2 Stunde vor und nach dem Sonnenuntergang. Das obere Foto ist zur blauen Stunde aufgenommen worden. die Zeit der blauen Stunde ändert sich täglich, aber es gibt zum Glück eine Tabelle dazu.
Ich fotografiere grundsätzlich RAWs und keine JPGs, da ich damit alle Entwicklungsmöglichkeiten behalte und mich auch nicht um den Weißabgleich kümmern muss.
Nun könnte man denken, es ist dunkel, also stelle ich Lichtempfindlichkeit (Iso) des Sensors höher ein. Das wäre ein fataler Fehler, denn bei Dunkelheit gilt: Je höher die Iso, je höher das Rauschen. Richtig ist, den Iso-Wert auf den niedrigsten einzustellen, der für der für die jeweilige Kamera optimal ist. Bei der D300/D700 ist das z. B. 200, andere Kameras geben 100 oder sogar nur 50 Iso an.
Da wir mit einem Stativ arbeiten, müssen wir den Bildstabilisator (VR/IS/OS) ausschalten, denn er würde hier zu unerwünschten Verwacklungen führen. Auf Nummer sicher geht man, wenn man die Spiegelvorauslösung nutzt, denn selbst das Hochklappen des Spiegels kann zu kleinen Erschütterungen führen.
Für die Messung der Kamera sollte man die Matrix- bzw. Mehrfeldmessung einstellen, weil sie ausgeglichenere Ergebnisse liefert als die Spotmessung.
Das Fokussieren im Dunkeln stellt oft ein echtes Problem dar. Der Autofokus spielt verrückt und im Sucher sieht man nicht so recht etwas. Für die Bildgestaltung hilft hier, kurz die Iso zu erhöhen, die Blende aufzureißen und dann das Bild komponieren und den Schuss am Monitor kontrollieren. Steht die Komposition, stellen wir Iso und Blende wieder zurück. Für´s Fokussieren kommt nun die (einigermaßen leistungsstarke) Taschenlampe ins Spiel. Damit kann man das Objekt anleuchten, fokussieren und dann auf manuellen Fokus gehen, damit er sich nicht wieder verstellt. Man kann sicher auch einen Blitz dafür nutzen. Ist das Objekt, z. B. eine Skyline, weiter weg, stellt man am Objektiv am besten „unendlich“ ( ∞ ) ein.

Wie schon erwähnt, sollte man keine Belichtungsautomatiken nutzen, da diese mit dieser Lichtsituation meist überfordert sind und nur erstrebt wären, das Bild gleichmäßig hell zu kriegen, was ja gar nicht erwünscht ist und eine schöne Lichtstimmung kaputt machen kann. Also nutzen wir den manuellen Modus. Zwar sollte man immer versuchen, das Bild korrekt zu belichten, aber bei Nacht liegt die Schwierigkeit oft darin, die Lichter korrekt zu belichten. Hier kann man in dem Fall also lieber einen Tick unterbelichten, was hinterher mit Bildbearbeitung eher wieder ausgeglichen werden kann. In überbelichtete Lichter bekommt man schwerer Zeichnung zurück, als man dunklere Stellen aufhellen kann. Auf Nummer sicher geht man, wenn man eine Belichtungsreihe erstellt, so hat man eine Auswahl und/oder kann daraus später ggfls. ein HDR machen, so man mag.
Zwischendurch das Bild am Monitor zu überprüfen macht natürlich Sinn, allerdings sollte man dann auch ins Bild zoomen, denn auf dem kleinen Monitor der Kamera sieht ein nicht ganz scharfes und nicht richtig gut belichtetes Bild vielleicht noch knackig aus, auf dem Computer-Monitor stellt sich dann die Enttäuschung ein. Ob viele Lichter ausgefressen sind, zeigt uns das Histogramm.
Das hier ist das Histogramm zu dem Bild der Raffinerie darunter:

Man kann hier am Histogramm ablesen, dass das Bild weder „abgesoffene Tiefen“ noch „ausgefressene Lichter“ hat. Wichtig ist, dass der rechte Rand (Spitze der Lichter) nicht überläuft. Sucht euch doch ein Bild von der Festplatte und hebt die Belichtung per Regler an und beobachtet dabei das Histogramm, dann wird sehr schnell klar, was das Histogramm zeigt.
Immer wieder wird in Foren die Frage gestellt, wie man den Sternchen-Effekt erreicht. Das ist ganz einfach, man muss die Blende weiter schließen. Je nach Objektiv und Lamellenzahl ab einem Blendenwert von 8, ganz sicher mit 16 hat man die schönsten Sternchen im Bild:

Lichtschlangen brauchen gar keine so lange Belichtungszeit, das folgende Bild wurde 1,6 Sekunden lang belichtet:

Auch um nette Bokehs zu fotografieren, eignen sich die Lichter in der Nacht sehr gut:

So schwer ist das also gar nicht und die Fotografie bei Nacht lädt zum Experimentieren ein. Spielt doch einfach mit Blende und Belichtungszeit und schaut, was dabei rauskommt. Ich hoffe, mit diesem Artikel habe ich euch die Basics vermitteln können und euch Lust gemacht, abends die Fototasche zu schnappen und auf Fototour zu gehen. Die Stimmung nachts ist schön und nachfolgende Termine hat man auch nur selten, so dass viel Zeit und Ruhe da ist ;-).
Wer mehr dazu lesen möchte und dem dieser Artikel nicht weit genug geht, dem empfehle ich neben Tante Google, auf das Buch von Ronny (blogtimes.de) zu warten. Ronny ist ein Spezi auf diesem Gebiet und der Langzeitbelichtungen und schreibt gerade an einem Buch, auf das ich schon sehr gespannt bin.
Nachtrag:
Michael hat eine App empfohlen, die die Planung einer Nachtaufnahme entscheidend erleichtern könnte:
The Photographer´s Ephemeris – TPE. Die App ist als Desktopversion kostenlos (gut, um sich überhaupt erstmal ein Bild von den Funktionen zu machen) , die App gibt es für Android, iOS – auch für´s iPad und kostest 9€. Robert Blasius hat sich die Mühe gemacht, die App auf deutsch zu erklären und hat 4 Tutorials dazu veröffentlicht, die kostenlos über seine Webseite herunter geladen werden können.

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