Da ist sie. Ohne Vorwarnung hat sie mich erwischt. Erst fand ich keine Worte, keine Beschreibung. Es war mehr ein undefinierbares Gefühl, das mich lähmte. Keine Lust, die Kamera in die Hand zu nehmen. Wenn ich meine Bilder so durchsah, fand ich keines mehr gut genug. Alles doof sozusagen. Aber nun ist mir klar, was passiert ist. Mich hat die Schaffenskrise erwischt. Ich habe das Gefühl, dass alles, was ich bisher in Sachen Fotografie gemacht habe, in die Abteilung „Abgelegt“ gehört und nun etwas Neues passieren muss. Aber was?
Ich würde gern mehr im Studio arbeiten, an konkreten Ideen für Portraits u. ä. Eine gute Aussicht habe ich: Im Frühjahr wird hier das ehemalige Zimmer meiner Tochter für mich zu einem kleinen Studio umgebaut, aber im Moment ist es halt noch nicht soweit. Viele andere Ideen verwerfe ich als zu langweilig, Fotos die ich mache, ebenfalls. Mit dem Blog geht es mir da natürlich ähnlich, denn ich schreibe über Fotografie und wenn, dann soll es auch interessant für andere sein. Wenn ich natürlich selbst nicht interessant finde, was ich mache, werde ich darüber auch nicht bloggen…. Ein Teufelskreis….
Hinzu kommt, dass ich den Austausch brauche. Es frustriert mich, immer allein, quasi im Zwiegespräch mit meinem Kamera-Equipment ;-), zu arbeiten. Ich wäre gern Teil einer Atelier-Gemeinschaft, möglichst mit Künstlern querbeet, aber so etwas ist, zumindest in Hamburg, schwer zu finden. Da bräuchte es wohl bester Beziehungen zur Kunstszene und dann müsste es auch noch bezahlbar sein….. Mein Fotobuddy hat sich zwar noch nicht offiziell verabschiedet, aber ich denke nach 10-monatigem Break und zögerlicher Resonanz auf Vorschläge meinerseits brauche ich mir keine Hoffnungen mehr zu machen. Der Gute hat seine Passion in einem völlig anderen Metier gefunden. Schön für ihn, Pech für mich 😦
Aber deswegen in einem Tränental zu versinken? No way! Das bringt mich schon gar nicht weiter. Also habe ich überlegt, was ich tun kann und die erste Maßnahme ist dieser Post. Darüber zu schreiben, befreit nämlich schon mal, denn darüber öffentlich schreiben, setzt voraus, die Krise anzunehmen :-). Als zweite Maßnahme habe ich mich zu zwei Fotokursen angemeldet. Im ersten Workshop geht es um die professionelle Umsetzung eines Fotoprojekts, von der Konzepterstellung bis zur Veröffentlichung. Der Zweite beschäftigt sich mit dem Einfluss von Hand und Fuß auf´s Portrait, Gesten und Bewegungen können viel erzählen. In beiden Workshops werde ich sicher Impulse und Ideen für meine Arbeit finden und vielleicht lerne ich den einen oder anderen fotografie-besessenen Menschen kennen :-). Der dritte Schritt wird sich dann ergeben. Ich freue mich jetzt erstmal auf die Kurse, Ende des Monats geht´s los 🙂
Als Sofort-Maßnahme steht ein Tripp nach Berlin, zum „Festival of Lights“ an und nächste Woche ein Besuch der Albert-Watson-Ausstellung im Haus der Photographie 🙂
Keine Angst, diese Krise ist kein Virus und nicht ansteckend :-), sollte sie euch je erwischen, hilft es wirklich enorm, sie einfach zu akzeptieren. Oder hat sie euch sogar schon mal erwischt? Was geht ihr damit um?

Hinterlasse einen Kommentar