Ein Blog Award

 

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forgottenforawhile hat mich schon vor einer Weile als einen ihrer liebsten Blogs nominiert – vielen Dank dafür – und mich gebeten, einige Fragen zu beantworten, was ich gern tue, auch weil ich die Fragen mag, für die sie sich entschieden hat.

1) Warum hast du dich für das Medium entschieden, mit dem du künstlerisch tätig bist?

Das Medium hat, glaube ich, mich gesucht. Ich lebte zu der Zeit weit weg in Hongkong und es entstand der unbändige Wunsch meine Eindrücke festhalten zu können. Und dann gab es diesen kleinen Fotoladen, in dem eine Nikon D80 stand und mir zurief: „Ich bin die, die du brauchst.“ 😉 Na ja, ein bisschen war das wohl so, aber es gibt auch einen Hintergrund, der mir erst später klar wurde: Ich war und bin ein Mensch mit ausgeprägten Sinnen für Musik, Gerüche, feinste Stimmungen und Bilder, vor allem für Bilder. Ich habe früher viel gemalt und gezeichnet, aber ich war viel zu ungeduldig. Die Fotografie gaukelte mir vor, schnell zu sein. Ich konnte endlich ohne großen Zeitaufwand Bilder machen. Heute weiß ich, das ein gutes Bild Zeit braucht, manchmal auch viele Wiederholungen bis es gelingt, aber es gibt auch die schnellen und trotzdem guten Bilder. Aber die gibt es nur, weil ich viel Zeit und Neugierde investiert habe, achtsamer sehen zu lernen. Mal ganz abgesehen davon, brauchte es auch viel Zeit, die Technik zu beherrschen.

2) Woher nimmst du deine Inspiration?

Manchmal inspirieren mich die Arbeiten anderer Fotografen, aber oft sind es ganz klitzekleine Alltagsmomente, ein Licht, ein Schatten, eine Farbe…. Musik, Filme und vor allem Gefühle und Gedanken. Aktuell finde ich z. B. Steve McCurry inspirierend, von ihm kann man u. a. viel über Komposition lernen und ich bin ein großer Fan der Fotos von Jessica Backhaus. Ich mag Künstler, die sich nicht auf technische perfekte Bilder beschränken (ausser in der Architektur-Fotografie), sondern versuchen Gefühle zu transportieren, etwas ausdrücken.  Ein Portfolio, das mir z. B. sehr gefällt ist das von Zewar Fadhil. Ausserdem verändert sich das immer mal wieder. Früher mochte ich die „großen“ Bilder, perfekt und „postertauglich“, heute mag ich oft die „leisen“ Bilder, die einen nicht immer auf Anhieb umhauen.

3) Gibt es Menschen, die dich unterstützen?

Ja, da ist vor allem mein Mann, der meine Arbeit wertschätzt und mich nicht nur mental, sondern manchmal auch praktisch unterstützt  und ein sehr enger, auch fotografierender Freund.

4) Was kostet dich deine „Kunst“ (also die Medien dafür) im Schnitt monatlich?

Puh, manchmal zuviel und manchmal relativ wenig. Kommt drauf an, was gerade ansteht. Gutes Equipment ist teuer, aber oft eine Anschaffung für´s Leben. Hoffe ich zumindest, bin ja nicht mehr Zwanzig ;-). Dann sind da die laufenden Kosten für die Creative Cloud, den Blog, die Internetpräsenzen, in Summe eigentlich zuviel, aber mir ist es das wert.

5) Welches Medium würdest du gern ausprobieren, traust dich aber nicht und warum?

Die analoge Fotografie. Mir ist das zu aufwändig und ich scheue die vielen Fehlversuche, die es sicher nach sich ziehen würde. Dabei mag ich sie sehr, ich finde, dass analoge Bilder oft wesentlich mehr Charme haben, als digitale Bilder. Aber über die Jahre habe ich mich an so manches getraut und suche in der Fotografie neue Herausforderungen, daher würde ich nicht ausschließen, dass ich eines Tages doch plötzlich einen Film entwickle 😉 Und ich merke, dass ich Herzchen in den Augen habe, wenn ich alte Kameras sehe, so würde ich wahnsinnig gern mal  eine Rolleiflex ausprobieren, wenigstens mal durchgucken :-).

6) Was würdest du tun, wenn du plötzlich deine Kunst nicht mehr umsetzen könntest, weil du körperlich dazu nicht mehr in der Lage wärest (Lähmung, Erblindung….)? 

Also, wenn ich als Fotografin die Kamera nicht mehr halten könnte, wäre das schon auch dramatisch. Aber tatsächlich denke ich manchmal darüber nach, was geschehen würde, wenn ich erblinden würde. Eine der größten Katastrophen, die ich mir vorstellen kann. Furchtbar, grausam. Dann musst du das Leben neu lernen und die Fotografie wäre nur eine Sorge von vielen. Vielleicht würde ich versuchen, meine inneren Bilder über Texte zu transportieren. Das müsste ich lernen, denn so gut bin ich nicht im Schreiben. Aber es wäre mir ein Bedürfnis. Daran mag ich aber eigentlich nicht denken, nächste Frage.

7) Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?

Im Moment schön aufgeräumt, was ich mag. Aber es sammelt sich immer wieder viel Zeugs auf meinem Schreibtisch an, vor allem aufgeschlagene Bildbände und Fotomagazine. Da steht ein Mac, ein Grafiktablett, ein Foto von meiner Tochter, Festplatten und eine transparente Schreibtischunterlage, unter der Shortcuts für PS, LR und Apple liegen, die ich trotzdem nur selten nutze ;-). Jede Menge Memos, also kleine Erinnerungszettel „Morgen Müll rausbringen“ :-D. Manchmal ein paar weiße Blumen, die ich sehr mag.

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8) Warum bloggst du?

Vermutlich um einen Spiegel zu haben. Mich mitzuteilen. Eine Zeitlang  dachte ich (und das war auch meine Motivation am Anfang), das tue ich hauptsächlich für mich, um mich zu strukturieren, zu sammeln, mich intensiv auseinanderzusetzen, aber bloggen ohne Resonanz wäre auch doof. Ich freue mich über die Auseinandersetzung mit meinen Lesern und würde mir diesbezüglich manchmal mehr wünschen, auch konstruktiv-kritisch, aber in der schnelllebigen Internet-Welt gehört der schnelle Klick auf das „gefällt mir“ halt dazu. Als Blogger liest du auch in vielen anderen Blogs und da bleibt oft einfach keine Zeit für einen ausführlichen Kommentar, das kenne ich von mir selbst.

9) Welches Zitat oder Motto beschreibt dein Leben derzeit am treffendsten?

Puh, das ist schwierig. Wo andere „yeah – das mach ich“  schreien, gehe ich erstmal einen Schritt zurück und beobachte. Ein Zitat von Kafka begleitet mich schon lange mahnend: „Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.“

10) Zu welchen Themen würdest du gerne mehr Blogs sehen und welche Themen hast du schon völlig über?

Völlig über sind mir zahlreiche Blogs, aber die muss ich ja nicht lesen ;-). Wünschen würde ich mir mehr Blogs, die sich mit Bildern auseinandersetzen, einen Text dazu schreiben, für Kritik offen sind und insofern meine Auseinandersetzung mit der Fotografie bereichern. Ich mag es auch sehr, wenn Blogger sich mit der Kunstszene rund um die darstellende Kunst beschäftigen. Ein Blog, der das zumindest auf dem Sektor der Fotografie immer wieder gut umsetzt, ist kwerfeldein.de, wobei ich es nicht schaffe, das alles zu lesen, leider.

11) Könntest du dir eine Welt ohne Internet vorstellen und würdest du in einer solchen leben wollen

Ich bin ohne Computer aufgewachsen, ohne Internet, ohne Handy. Und ich erinnere mich gut an diese Zeit. Zeit…… ich hatte viel Zeit für viele Dinge, für die ich heute durch das Internet keine Zeit mehr habe. Ich hatte immer ein Buch dabei und habe gelesen, sobald sich die Möglichkeit dazu bot. Heute lese ich kaum mehr, sondern höre Hörbücher, weil ich die hören kann, während ich andere Dinge tue. Ich habe mehrere Abende an einem Bild gezeichnet, jeden Morgen eine Zeitung gelesen oder mich auch einfach mal gelangweilt, was wirklich zu einem kreativem Schub führen kann :-). Ehrlich: Internet, Computer und Handys kosten Zeit, viel Zeit. Das finde ich manchmal ganz schön bitter. Andererseits eröffnet es mir Welten, von denen ich vorher nur geträumt habe. Und ich weiß gar nicht, wie es mit der Fotografie so wäre, wenn es das Internet nicht gäbe. Würde man sich dann in Fotogruppen treffen, um seine Bilder zu besprechen? Würde man nur für sich allein Fotos machen? Spannende Frage. Aber es ist keine Antwort auf deine Frage und ich kann dir leider keine geben, außer vielleicht der, dass ich weiß, dass man ohne Internet leben kann :-).

 

Ich gebe diesen Award mit diesen Fragen, die angepasst werden dürfen, weiter an folgende Blogs, die ich persönlich sehr mag und die sich bitte nicht verpflichtet fühlen, ihn anzunehmen, denn ich weiß, manche haben da gar keine Lust zu oder es passt gerade oder sowieso nicht in den Blog (kein Stress! 🙂 :

 

Jörg Kruth malt, zeichnet und fotografiert und diese Kombination finde ich erfrischend und inspirierend

Baphomet´s Throne rue23 fotografiert und musiziert

aebby LOG fotografiert, denkt, schreibt – interessante Mischung

kiekste hier Patrick fotografiert hauptsächlich, ich mag die Fotos

alleaugenblicke.de Werner fotografiert und schreibt und hat eine besondere Sicht auf die Welt

moodway Jörn fotografiert, „äppelt“ und musiziert

kreuzberg süd-ost Tikerscherk schreibt und das richtig gut

Frau Doktor, Tom & Jamie Marion bloggt sehr persönlich und fotografiert hauptsächlich Blumen und bearbeitet die Bilder aufwändig

Das Pixel Café Cologne Luiza und Thorsten fotografieren hauptsächlich Menschen und amerikanische Autos und sind cool drauf

Pabuca Christian und Markus, die mit Pabuca ein wirklich tolles Projekt ins Leben gerufen haben

Jarg´s Blog, schreibt unglaublich gute Film- und Buchrezensionen

Spiegelbremse, Hansekiki fotografiert und ich bin wegen ihrer Bilder aus Asien bei ihr gelandet und hängengeblieben 🙂

 

 

 

 

18 Antworten zu Ein Blog Award

  1. Vielen Dank für die vielfältigen Einblicke. Hat Spaß gemacht, sie zu lesen und mehr über dich zu erfahren. Und was die analoge Fotografie angeht, die Rolleiflex kann ich nur empfehlen. Ich selbst hatte keine, habe aber mir der eines Freundes einige Zeit fotografiert. Ist toll, macht Spaß. Allerdings noch viel, viel mehr, wenn man die Entwicklung selbst in die Hand nimmt. Und da fehlt mir noch der richtige Auslöser.
    LG Michel

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  2. Florian Roth sagt:

    Was meinst Du, ist an der analogen Fotografie zu aufwändig? Die Fehlversuche werden sich im Rahmen der jetzigen Fehlversuche bewegen, die digitale Fotografie hat ja die Grundsätze nicht neu erfunden. Ich bin nach einigen Jahren wieder zurück zur analogen Fotografie und entwickel mittlerweile schwarz-weiß Filme selbst ohne großen Aufwand. Mittlerweile hab ich mir meine Traumkamera gekauft (MF, Pentax 67) und nutze den analogen Krempel hauptsächlich für entspannte Aufnahmen. In Hamburg gibt es doch genug Analog-Nerds, die Dir unter die Arme greifen können.
    Trau Dich!

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    • Verfasser

      Danke für´s Mut machen, Florian :-). Ja, man kann das sogar auf kleinstem Platz machen, es gibt ja Entwicklerdosen, die man mit Emulsionen befüllt, wenn ich es recht in Erinnerung behalten habe. Vielleicht ist das ein Projekt für das nächste Jahr, ich werde es im Auge behalten.

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  3. Immer wieder schön, von dir zu lesen und das eine oder andere neue zu erfahren. Auch ich suche gerne die konstruktiv-kritische Auseinandersetzung in den Blogs und scheitere sehr oft an der Zeit, die das in Anspruch nimmt.
    Danke dir übrigens:-)
    Lg,
    Werner

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  4. Bianca sagt:

    Vielen, vielen Dank für das Beantworten meiner Fragen! Es freut mich sehr, dass sie dir zugesagt haben. Deine Antworten sind toll, so manches spricht mir wirklich aus dem Herzen =)

    Deine verlinkten Blogs werde ich mir am Wochenende mal zu Gemüte führen und hoffentlich auch für mich noch ein paar Perlen finden =)

    Ich wünsche dir weiterhin soviel Spaß und Leidenschaft bei der Fotografie und dass du dich auch irgendwann an die analoge Fotografie herantraust. Ich würde mich freuen die Ergebnisse zu sehen.

    Vielen Dank für deine Zeit und liebste Grüße aus Leipzig!
    Bianca

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  5. tikerscherk sagt:

    Interessant mehr von dir und deiner arbeit zu erfahren.
    Danke für die Nominierung.
    Weiss noch nicht, wie ich die Fragen beantworten kann- fotografiere ja nicht 😉

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  6. paleica sagt:

    schöne antworten! toll – du hast in hong kong gelebt? das wusste ich gar nicht.. und das zitat von kafka mag ich gern, obwohl ich sonst nicht sooo ein kafka-fan bin 🙂

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  1. […] Lichtbildwerkerin ehrte uns mit einem Blog Award, den wir gerne annahmen und uns freuen, dass das Projekt Pabuca so viel Spaß macht. Auch wir beantworten gerne die Fragen und geben den Award natürlich an alle Teilnehmer von PABUCA weiter, sofern sie nicht schon diesen Award erhalten haben. Fühlt euch frei, ob ihr das Stöckchen aufnehmt oder nicht. Ihr seid uns die liebsten Blogs! […]

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