
Gestern, als ich aus dem Bahnhof im Hamburger Stadtteil Ohlstedt kam, spielten auf der Dorfstraße zwei Kinder aus „unserem“ Flüchtlingslager. Sie hatten ein kleines Fahrrad dabei und wirkten unbeschwert und fröhlich und waren vertieft in ihr Spiel. Wie schön, dachte ich, dass sie hier spielen und zur Ruhe kommen können. Die traumatisierenden Erlebnisse, die Strapazen der Flucht, die sie mit ihren Familien durchlitten haben, werden sie nur langsam hinter sich lassen, aber dies ist ein guter Ort dafür. Was sie durchgemacht haben, kann ich mir nur ausmalen, vermutlich ist die Wirklichkeit um vieles härter. Sie haben es geschafft, sind nicht erschossen worden, nicht im Mittelmeer elendig ertrunken oder in einem Kühllaster qualvoll erstickt.
Wie schön, dass sie hier untergebracht sind, wo sie überwiegend freundlich aufgenommen wurden, wo sie vorerst wirklich in Sicherheit sind und sich ohne Angst allein aus dem Zeltlager bewegen und auf der Straße spielen können. Wie schrecklich wäre es für die Beiden gewesen in Sachsen untergebracht worden zu sein, wo sie sich einer erneuten Bedrohung gegenüber gesehen hätten. Einer Bedrohung, die von deutschen Bürgern ausgeht, vor der die Polizei sie dann hätte schützen müssen. Wie hätten sie das verstehen sollen, was nicht mal ich verstehe, die ich in Deutschland geboren wurde?
Ich habe kurz überlegt, ob ich ein Foto von den zwei kleinen, neuen Nachbarn mache, aber ich habe es sein gelassen, denn ich fand es einfach unpassend und respektlos. Ich habe das Bild in meinem Kopf und meinem Herzen und euch kann ich davon erzählen, das muss reichen.
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