Ein Fotograf muss kein Animateur sein!

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Eine Fotograf muss kein Animateur sein und sollte es auch nicht sein!?

Oh je. Wenn ich Menschen fotografiere, mache ich das anders, als ich es machen sollte, wenn ich der einschlägigen Fach-Literatur glauben würde. Meine Shootings laufen ruhig ab. Da wird nicht pausenlos geredet. Kein „Ja, genauso so.“ „Super“ usw., ihr wisst schon. Ich habe lange versucht, das zu  können, aber es liegt mir nicht und die Erfahrung zeigt mir, dass ich das auch nicht leisten muss. Im Gegenteil. Die Menschen fühlen sich vor meiner Kamera wohl. Sie können loslassen, sich entspannen und fühlen sich frei von jeglichem Druck. Und mir geht es auch so. Ich finde das Sich-Einlassen aufeinander viel wichtiger. Lass dich auf den Menschen ein, höre ihm zu, nehme ihn wahr, nicht als Model, sondern als Menschen und schon ist die Chemie eine ganz andere. Eine Annehmende, Akzeptierende. Und schon zeigen dir Menschen ganz andere Facetten, als die, die sie zeigen, wenn sie etwas verbergen wollen. Vertrauen ist das Stichwort.

Vertrauen kann nicht da wachsen, wo ein vermutlich erwartetes Verhalten abgespult wird. Da fühlt sich doch auch niemand ernst genommen oder? Was würde ich erwarten, wenn mich jemand portraitieren würde? Dass er mich wahrnimmt, akzeptiert, im richtigen Moment abdrückt und genau den Moment erkennt, wo ich etwas zeige, was ich normalerweise verhülle.

Wie sind da eure Erfahrungen oder Erwartungen?

23 Antworten zu Ein Fotograf muss kein Animateur sein!

  1. jam3003 sagt:

    So sehe ich das auch… Ich versuche die Shootings locker und ungezwungen zu gestalten. Ich unterhalte mich mit der Person, mache dann wieder ein paar Aufnahmen usw.
    Zu Beginn habe ich auch zu viele Videos gesehen die sich mit dem „dirigieren“ des Modells befassten… Aber das ist nicht mein natürliches Verhalten, und meine Modelle sind in der Regel keine Profis sondern Menschen die gerne mal schöne Bilder von sich haben möchten.
    Ich habe auch den Eindruck wenn man zu viel Anweisungen gibt wirken die Bilder etwas verkrampfter als wenn ich dem Modell seinen Freiraum lasse. Ich sage z.B. setz dich doch mal dort hin und den Blick nach dort, aber so wie es für dich angenehm oder bequem ist. Meiner Meinung nach wirken die Ergebnisse so einfach authentischer als die exakte Position vorzugeben. Natürlich immer mit dem Auge darauf das es auf dem fertigen Bild nicht unvorteilhaft aussieht, das ist klar.
    Da muss am Ende jeder seinen Weg finden.

    Grüße, Thorsten

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  2. Paul Simmen sagt:

    …. nur so wie du es beschreibst, Conny, kann’s für dich und mich klappen. Alles andere passt nicht für diese Art von Menschenbildern, welche wir beide machen. Aber bedenke: Viele, auch Bücher schreibende und Video machende Fotografen sehen das so, wie sie es eben sehen. Und das ist für sie der richtige Weg. Das gilt es zu respektieren. Es gibt nicht ein Richtig oder Falsch.

    Gell, wir beide stellen auch weiterhin weniger unser Ego in den Vordergrund und fotografieren unser Gegenüber – still und achtsam.
    Liebe Grüsse, Paul

    Übrigens: ganz grosses Kino, das Bild zum Artikel!!

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    • Verfasser

      Nun, Paul, dieser Post soll all denen Mut machen, die sich zu still, zurückhaltend oder gar schüchtern finden und sich deshalb nicht trauen, mit Menschen zu arbeiten. Wie andere das machen, ist selbstverständlich ihre Sache, aber ich möchte dort nicht vor der Kamera stehen und finde es manchmal mehr als albern, wie dort agiert wird, soweit ich das einigen Videos entnehmen kann.
      LG, Conny

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  3. Harald Brey sagt:

    Ich versuche immer ins Gespräch zu kommen und auch mehr über den menschen zu erfahren. Hobbies, Beruf, Erfahrungen usw. Da werde ich lockerer und mein gegenüber auch. in dieser erste Zeit des Kennenlernens werden meist keine „Weltbilder“. Aber nach der Anwärmphase machte ich schon mal Witze und versuche auch ein Lächeln abzutrotzen, wenn es zu steif ist. So wie ich dies im Fernsehen gesehen habe, kann ich nicht arbeiten. Ich brauche Ruhe und Vertrauen.

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    • Verfasser

      So geht es eben vielen Menschen, vor und hinter der Kamera. Und auf beiden Seiten gibt es sicher viele, die sich nicht trauen, obwohl sie perfekt zusammen arbeiten würden.

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  4. Hat dies auf uwerichtersfotoblog rebloggt und kommentierte:
    Hallo Du,
    Du glaubst gar nicht, wie sehr du mir mit diesem Text aus der Seele sprichst. Der Unterschied zwischen den Animateuren und den eher ruhigeren Fotografen ist vielleicht der Auftrag, der Sinn und Zweck der Aufnahmen. Auf beiden Seiten. Macht hier nur jemand einen Job … Ein Auftragsshoot mit bezahltem Model z.B. Für eine Modestrecke, muss animiert werden. Müssen Posen herausgeholt werden. Ist Zeit Geld.
    Möchte jemand tatasächlich einen Menschen portraitieren, ihn zeigen, als Mensch, als Charakter … Ja, da darf, muss er Vertrauen gewinnen und auch mal „laufen lassen“. Wir beide scheinen zur zweiten Kategorie zu gehören.
    Daher berührt mich der Text sehr und ich finde mich absolut darin wieder.
    Liebe Grüße
    Uwe

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    • Verfasser

      Danke für deinen Kommentar und das Rebloggen! Ja, klar gibt es Ausnahmen, vor allem in der Werbe-oder Fashion-Fotografie, wo ein Model genau das und nichts anderes ist. LG, Conny

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  5. Hallo Conny,
    wenn es darum geht, ein ausdrucksstarkes Charakterportrait zu machen, hast Du natürlich völlig Recht. Wenn es aber darum geht, innerhalb von 10 Minuten ein anständiges und wirkungsgerechtes Vorstandsportrait hinzukriegen, können ggf. andere Mittel nötig sein. Es kommt halt – wie immer im Leben – darauf an! 🙂
    Schönes Portrait, übrigens!

    Viele Grüße
    Christian
    http://www.christianahrens.de

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    • Verfasser

      Hallo Christian, 10 Minuten sind für ein Portrait schon ziemlich knapp bemessen, da braucht es natürlich eine andere, etwas beschleunigte Heraungehensweise ;-), aber auch das kann ein eher zurückhaltender Fotograf, davon bin ich fest überzeugt. Auch so ein Portrait braucht nicht das Laute.

      Danke und viele Grüße nach Köln! 🙂

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  6. Es ist im Grunde in den Kommentaren schon alles gesagt: In einem Portrait eines Gegenübers liegt auch immer die eigene Persönlichkeit. Man ist wie man ist. Und man macht das, was man macht. So finden sich für jeden auch die geeigneten „Portraitkandidaten“: Nämlich die, die zu einem passen. Die Zauberworte sind „Emphatie, „Einfühlungsvermögen“ und das „Herstellen einer Atmosphäre des Vertrauens“
    Tolles Portrait!
    Lg,
    Werner

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    • Verfasser

      Du sprichst einen wichtigen Punkt an: Den Anteil der eigenen Persönlichkeit im Portrait. Darüber hatte ich auch einige Gedanken formuliert, sie dann aber gestrichen, weil ich dazu einen separaten Post schreiben will.
      Deine Zauberworte beschreiben treffend, worum es geht und das kann auch ein stiller Fotograf gut, vielleicht sogar besser als der laute.
      LG, Conny

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  7. Hallo Conny,
    mir gefällt das Bild oben auch ausgesprochen gut. Sehr schön.
    Ansonsten fotografiere ich selbst eigentlich nie im Auftrag Menschen, die sich mir bewusst vor die Kamera stellen, so dass ich dazu nicht viel sagen kann. Bei Konzertfotos heißt es ja immer (du kennst die Seite ja, wenn es Kommentarleser interessiert: http://www.rainbow-nights.com): ständig dran bleiben und gucken, dass man im richtigen Moment auf den Auslöser drückt. Ist aber auch viel trial & error, weil bei den schwierigen Lichtverhältnissen einfach viel Ausschuss dabei ist: schlecht belichtet, unscharf … Die blödeste Situation dabei ist übrigens immer, wenn mir ein Musiker eigens zulächelt und für ein Foto posiert (kommt nicht so oft vor), ich dann aber das falsche Objektiv auf der Kamera habe, das Licht gar nicht passt oder sonst was nicht geht. Das wären oft tolle Fotos gewesen … Da habe ich schon oft potenziell tolle Aufnahmen – z. B. von Mike Box (Uriah Heep), Helge Schneider oder Curt Dress (das sind die, die mir spontan einfallen) – nicht mitnehmen können. Ärgerlich.
    Viele Grüße, Ulf

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      • Verfasser

        Hi Ulf, über die Autokorrektur ärgere ich mich auch oft herum und führe regelrechte Kämpfe um meine Schreibweise 😀 In der Konzert-Fotografie ist es ja genau anders herum, da sind die Musiker die Akteure/Animateure und du schiesst aus dem Graben, idealerweise mit dem richtigen Objektiv 😀
        LG, Conny

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  8. stefangroenveld sagt:

    One size fits all? Gibt es nicht. Es gibt Menschen und Fotos, da sind die leisen Töne richtig und wichtig und es gibt Situationen, da muss es stimmgewaltiger sein. Das ist so unterschiedlich, wie die Fotos, die dabei entstehen.

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    • Verfasser

      Ja, wenn man das kann, wenn man in diese Rolle schlüpfen kann. Wenn nicht, kommt das nicht gut rüber und da man immer seine Persönlichkeit einbringt, funktioniert es dann auf eine andere Weise, authentischer. Ich glaube, man muss keine Angst davor haben, kein Spassvogel zu sein.

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  9. davidjwitte sagt:

    Um ehrlich zu sein: Das ist einer der Gründe, warum ich es vorziehe, keine Menschen zu porträtieren 😉
    Viele Grüße,
    David

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  10. candyshop60 sagt:

    Tja… die Frage ist doch eigentlich: WAS will man darstellen? Und WARUM? Oder?
    Was für ein Fotograf bin ich selbst? Bin ich der Fotograf um die Ecke, der ein Publikum hat das so verschieden ist, wie man es sich nur vorstellen kann? Der wohl möglich sich nicht so leicht auf die verschiedenen Charaktere einstellen kann und somit auch das hervorbringt, was man vielerorts eben sieht…
    Oder bin ich vielleicht ein gestandener Profi, der sich seine Models aus der Agentur bestellt und eben genau den Typ „nutzt“ den er braucht. Und das Modell auf jede Anweisung (nicht ANIMATION) reagieren kann, weil wie schon angesprochen Zeit Geld ist…
    Oder bin ich ein leidenschaftlicher Hobbyfotograf, der sich ALLE ZEIT der Welt nehmen kann, um sich das heraus zu picken was ihn fasziniert. Das kann dann mal ein paar Tage dauern bis der erste Schuss fällt oder eben auch mal ein paar Wochen. Bis dahin kann man dann ja das angesprochene Vertrauen, Atmosphäre und Einfühlungsvermögen herstellen.
    So habe ich es immer gehalten und denke auch nicht daran es zu ändern.
    Es sind dabei langjährige Freundschaften entstanden, die immer noch von Bestand sind. Es entstehen immer noch Bilder und für viele ist es schon fast eine Chronik ihres Lebens. So sollte man das auch mal sehen.
    Ob ich dabei als „Animateur“ aufgetreten bin, weise ich entschieden zurück – nur manchmal – und das werden mir sicher auch einige von Euch zugestehen, MUSS man als Regisseur einfach mal durchgreifen… ist so!… 🙂

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  11. Jörn sagt:

    Zuerst: Dein Foto gefällt mir sehr. Du hast eine schöne Frau sehr gut „eingefangen“.

    Nach meiner Erfahrung ist es extrem wichtig, dass die „Chemie“ zwischen Fotograf und den zu fotografierenden Menschen stimmt. Wenn ich bei einem Shooting nicht selbst gut drauf und einigermaßen charmant bin, springt kein Funke über. Wenn alles gut läuft, bin ich irgendwie immer auch eine Art Animateur, wobei mir das Wort zwar nicht gefällt, mir aber gerade kein besseres einfällt. Animateur passt insofern, dass ich das Bild ja auch gestalte. Hier im Dialog, der humorvoll, sachlich, oder sonst wie sein kann.

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    • Verfasser

      Vielleicht hätte ich statt des Wortes „Animateur“ lieber „Entertainer“ wählen sollen, das hätte vermutlich drastischer dargestellt, was ich meine. Natürlich lenkt ein Fotograf, das ist klar.

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  12. Schöner Beitrag – und: ich stimme dir voll zu!

    Man erkennt am Bild, wie der Fotograf mit den Akteuren gearbeitet hat.

    Hat er ihnen etwas aufgezwungen oder hat er sie selbst sein lassen und hat er ihr Innerstes herausholen können? So wie sie wirklich sind?

    Manchmal sieht man Hochzeitsbilder von Fotografen – da merkt man – jep, das ist überhaupt nicht der Stil der Brautleute.

    Ein Fotograf muss ein gewisses Händchen und auch Intuition besitzen und natürlich auch Einfühlungsvermögen, damit die Bilder so werden, wie es sich die zu Fotografierenden wünschen. Dazu gehört auch, die Stimmung im Vorfeld so zu gestalten – natürlich und nicht gekünstelt – damit sich die Akteure wohlfühlen.

    Das ist meine Meinung dazu 🙂

    Weiter so und liebe Grüße,
    Julia
    https://hochsensibel1753.wordpress.com/herzlich-willkommen/

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