An einem warmen Tag in Palma. Die Touristen erkunden die Stadt, suchen ein schattiges Plätzchen in einem Café und entspannen. Er sucht auch ein schattiges Plätzchen um zu entspannen, findet eine freie Bank, öffnet seine Kühlbox und setzt sich mit dem Schälchen Salat. Beobachtet dabei vielleicht das Treiben der Passanten, ist vielleicht in einem Tagtraum gefangen oder blickt einfach ins Leere. Die Menschen um ihn herum nehmen von ihm keine Notiz.
Ich bin zunächst fasziniert von der Ordnung, die in seinem praktisch organisiertem „Transportwagen“ herrscht (Einkaufswagen passt hier irgendwie nicht). Kühlbox, Koffer, Fächer. Er muss nicht lange suchen, sondern kramt zielsicher in seinem Hab und Gut. Das Gefühl, welches ich hier in Hamburg oft habe, wenn ich Obdachlose sehe, will sich nicht so recht einstellen. Liegt es daran, dass er dort lebt, wo ich das absolute Urlaubsfeeling habe? Daran, dass er sich so selbstbewusst und stolz bewegt? Meinem Bild von einem Obdachlosen entspricht er irgendwie nicht, aber über all das denke ich erst im Nachhinein nach, während ich überlegte, ob ich dieses Bild veröffentlichen werde.
Überschreite ich eine Grenze? Ich habe Hemmungen, überprüfe meine pros und cons. Lege das Bild zur Seite, aber der Mann und das Bild wollen mir einfach nicht aus dem Kopf. Ich recherchiere über Obdachlose in Palma, erfahre, dass dort ca. 1000 Obdachlose leben und die Tendenz steigend ist.
Dann frage ich mich, ob dieser Mensch überhaupt obdachlos ist? Es wäre auch denkbar, dass er für einige Monate ein „freies“ Leben auf der Sonneninsel genießt und praktisch, wie er offensichtlich veranlagt ist, einen Einkaufswagen nutzt, um seine Koffer und ein wenig mehr, bequem durch die Straßen zu schieben. Wer bin ich, dass ich über einige wenige Merkmale darüber urteilen kann? Gefragt habe ich ihn nicht.
Das Bild beschäftigt mich immer noch ….

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