
Anfang April im CCH. Der Abend ist lau und der Himmel sieht wunderschön aus. Ganz Hamburg scheint irgendwo in der Sonne sitzen. In Parks, auf Wiesen, am Wasser lässt man die Seele baumeln oder eben auf den Dächern des CCHs, wo diese Kinder sich austoben ;-). Dieses Bild nehme ich mit in ein super Konzert, super für mich, weil auf einer großen Leinwand Videos zur Musik laufen, wodurch das Ganze nicht nur ein akustischer, sondern auch ein visueller Genuss ist. Musik, Lyrics und Bilder, die berühren, alles passt.
Kurz zur Story: Steven Wilson hörte von der Geschichte einer jungen Frau, die in England zwei Jahre tot in ihrer Wohnung lag, bevor ihre Leiche entdeckt wurde. Eine schreckliche Vorstellung und von ähnlichen Fällen hört und liest man immer wieder, aber meist handelt es sich um alte Menschen, die niemanden mehr haben.
„Wie konnte jemand, der Freunde und Familie hatte, so lange unbemerkt verschwunden sein?“, fragt Steven Wilson. „Für mich illustriert das perfekt die emotionale Kälte, der man in einer Metropole wie London ausgesetzt sein kann.“ Wilson, der den Großteil seines Lebens in London lebte, weiß wovon er spricht und ist auch deshalb vor vier Jahren aufs Land gezogen: „Ich hatte zu Beginn meiner Karriere harte Zeiten in London, war zeitweilig so einsam, dass ich kaum vor die Tür gehen mochte. In dem Dorf, in dem ich jetzt lebe, kannte ich nach drei Tagen schon den Namen des Postboten.“ (spiegel.de)
Dem Musiker gab sie den Anstoß für sein Solo-Album „Hand. Cannot. Erase.“, auf dem er die Geschichte einer fiktiven jungen Frau erzählt, die aus dem Leben verschwinden möchte. Einsamkeit, Wut, Trauer und Schmerz, aber auch Liebe und Freundschaft sind die großen Themen und die Bilderwelt von Lasse Hoile ist gewaltig. Es zieht mich völlig in den Bann, rührt und rüttelt mich. Ich habe lange kein so gutes Album gehört, aber das Highlight ist für mich die Kombination mit den Filmen, den gewaltigen oder auch leisen Bildern. Der Abend war voller Inspiration und Gefühl und das muss ich mir ab und zu woanders holen, als in der Fotografie. Für manche ist es dann ein gutes Buch und/oder Musik. Für mich ist es eher die Kombination aus Film und Musik, nicht von ungefähr bin ich ein großer Fan von Filmmusik (Kopfkino pur) und kreativ gemachten Musikvideos. Ich bin und bleibe halt ein visueller Mensch und insofern hat dieser Beitrag dann doch noch viel mit Fotografie zu tun 😉
Ich freue mich schon wie Bolle auf die DVD, um das Konzert, vor allem die Filme noch einmal sehen zu können, denn es gibt kaum welche im Netz. Filmen und Fotografieren war streng verboten und streng meint streng, was ja nicht jeden abschreckt. Ich habe noch nie erlebt, dass Ordner ständig durch die Reihen laufen, Leute rausziehen und verlangen, das Material zu löschen, etwas nervig :-(.
Es gibt übrigens einen gleichnamigen Blog, in dem die fiktive Frau eine visuelle „Realität“ bekam, schräg, aber im Grunde sicher nicht der einzige seiner Art ;-).

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