
Die Zeit vor dem Urlaub ist für uns fotoaffine Menschen immer auch eine Zeit der Entscheidungen. Welches Equipment ist sinnvoll, welches nötig? Was für Fotos gedenke ich zu machen, welche Motive könnten mir vor die Linse geraten und was brauche ich, um meine Bildideen umzusetzen? Objektive werden geputzt, Zubehör geordnet, Fotoforen gesichtet, das Ersparte gezählt, mit neuem Equipment geliebäugelt und am Ende packt man meist viel zu viel in die große Fototasche. Am Urlaubsort angekommen bleibt das Ganze dann entweder im Hotel, weil es an diesem und den anderen Tagen irgendwie zu viel ist oder das Wetter zu schlecht oder man schleppt alles unter den mitleidigen Blicken der Mitreisenden mit sich herum und wenn man meint, jetzt sei es an der Zeit, das schwere Zeugs endlich mal einzusetzen, sind die anderen schon so weit voraus, dass man den Gedanken verwirft und sich lieber sputet, damit man den Anschluss nicht verliert. In Gedanken notiert man sich die Idee, nächstes Mal entweder allein oder nur mit Fotografen zu reisen ;-). Nach ein paar Tagen fragt man sich, warum man das eigentlich angetan hat, reibt sich die schmerzenden Schultern, reduziert sich und versucht einen Kompromiss zu finden. Am nächsten Morgen gelobt man sich Besserung, packt nur die Hälfte in die Fototasche, freut sich ob des reduzierten Gewichts und steht spätestens irgendwann vor dem Dilemma, dass man nun genau die Linse bräuchte, die im Hotelsafe liegt. Das kennen vermutlich viele und mir geht es auch oft so. Üblicherweise nehme ich auf jeden Fall das 24-70mm, eine 50er Festbrennweite (wegen der Lichtstärke/Lieblingslinse) und ein Superweitwinkel oder ein Telezoom (je nach Reiseziel) plus FX-Kamera, die Fuji (für entspanntes Bummeln) und ein Stativ mit, wobei ich letzteres natürlich nicht ständig mit mir herum trage.
Teneriffa stand an. Ich wusste, wir würden wie immer täglich unterwegs sein, vieles ansehen, Höhenmeter auch zu Fuß überwinden und trotzdem sollte es erholsam sein. Natürlich habe ich überlegt, was ich von meinem Gerödel mitnehme. Aber relativ schnell habe ich mich entschieden, nur die Fuji x100T mitzunehmen. Ich wollte einfach frei sein, möglichst wenig Balast auf meine Schultern laden. Ich las, dass es dort nicht so schlau ist, seine Sachen im Auto zu lassen, da diese doch relativ häufig aufgebrochen werden. Ok, ich müsste also immer alles „am Mann“ haben. Da schied die große Ausrüstung sofort aus. Und ich vertraute darauf, dass ich mit der einen Festbrennweite, den begrenzten Möglichkeiten schon klar kommen würde. Und es war ein Genuss. Ich habe mir eine kleine, aber feine Fototasche gekauft, in die genau das passt, was ich meinte, zu brauchen. Das kleine Reisestativ blieb bis zu seinem Einsatz im Hotel und fuhr nur zweimal im Kofferraum mit. Keine Überlegung am morgen, was ich einpacke, kein Nachdenken darüber, welche Linse ich nutze, dafür leichtes Gewicht und viel mehr Gedanken über die Bildgestaltung. Du brauchst keine Zeit mit dem Wechsel von Objektiven verplempern, bist gedanklich schneller im Bild. Gut, es gab Momente, wo ich mein „großes Besteck“ ein wenig vermisst habe, aber es war halt nicht da und so habe mich nicht geärgert. Du machst dir über diese Dinge einfach keine Gedanken mehr. Feine Sache.
35mm passen irgendwie immer. Für Landschaften sowieso, auf Städtetouren muss man halt auch mal ein bisschen mehr laufen, ist dafür aber fast nie zu nah dran, was ich in New York mit 50mm oft empfunden und auch nur einen Tag lang gemacht habe. Eine andere Brennweite, sprich ein Tele, hätte ich gern gehabt, als ich das bunte Karnevalstreiben in Santa Cruz festhalten wollte. Mit dem 35mm musst du schon nah dran sein, was ich nicht immer angenehm finde, aber unter „raus aus der Komfortzone“ verbuchte.
In der Tasche transportierte ich die Kamera mit angesetzter Gegenlichtblende und Klarglasfilter zum Schutz der Linse vor Feuchtigkeit und Salz, mehrere Speicherkarten, Putztuch, ND-Filter (1,8), einen Fernauslöser, Ersatz-Batterien und Akkus. In der Tasche war zum Glück auch noch Platz für´s Telefon und den Lippenstift.


Ein paar Worte noch zur Kamera: Im Großen und Ganzen bin ich mit der Leistung und den Möglichkeiten der Fuji x100T sehr zufrieden. Der Umstieg von der S auf die T brachte vor allem Vorteile in der Bedienung. Ich weiß um die Schwächen des AF, der manchmal schon Geduld erfordert. Mit aktiviertem Pre-Fokus funktioniert er zwar wesentlich besser, aber das andauernde Gesurre nervt und saugt die Batterie ziemlich schnell leer, daher habe ich ihn ausgestellt. Abends macht sie ihren Job nur so lange gut, wie das Motiv still steht, wie ich bei einem, spät abends stattfindenden Karnevalsumzug feststellen durfte. Ich wollte die Stimmung der laut heulenden, trauernden Witwen während der Beerdigung der Sardine nicht durch das AF-Hilfslicht und Blitz stören ;-). Andere Fotografen sind da schmerzbefreit :-). Und was man nicht aus dem Auge verlieren sollte, ist der Ladezustand des Akkus (ob es schwächer geht, weiss ich nicht), daher habe ich drei Stück dabei gehabt. So what….
Fazit: Die Entscheidung war richtig und ich hatte Spaß am Bilder machen, keine Schulter- oder Rückenschmerzen und auch der Gatte hat sich gefreut, mir nicht ständig anbieten zu müssen, doch etwas abzunehmen. Die kleine Tasche ist immer gepackt, ein Griff und ich habe alles dabei. Super! Allerdings würde ich nicht auf jeder Reise auf meine Große verzichten wollen, no way. Aber z. B. für Städtereisen finde ich die Lösung generell großartig, selbst für NY könnte ich mir das vorstellen, na ja, im Moment zumindest ;-). Für eine Safari natürlich nicht.
Wie handhabt ihr das auf euren Reisen?

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