
In der letzten Playdates-Aufgabe sollte ich mit 5-7 Bildern eine Geschichte erzählen, die ohne Worte auskommt. Für mich lag die Herausforderung vor allem darin, keinen Satz dazu schreiben zu dürfen. Ich mag Bilder ohne Worte nicht so und mache mir seit einiger Zeit Gedanken darüber.
„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“ Im Original: „One Look is Worth A Thousand Words.“ (Werbeslogan von Fred R. Barnard)
Ist das so? Wenn ich die Werbung mal aussen vor lasse und mich nur auf die Fotografie beziehe, muss ich dem widersprechen. Ohne einen begleitenden Text wird der Betrachter im besten Fall zum Bild eigene Interpretationen finden, was völlig in Ordnung sein kann. Die Frage ist, ob es das ist, was ich mit meinen Bildern erreichen möchte. Und ob es auch das ist, was ich beim Betrachten der Bilder anderer tun möchte. Neulich bemängelte eine Ausstellungsbesucherin während einer Führung, dass ihr durch die kurzen Texte neben den Bildern, der eigene Zugang, die eigene Interpretation und Auseinandersetzung genommen würde. Ich empfinde das nicht so. Mich lassen einzelne Bilder oder Serien ohne Text manchmal ratlos zurück. Besonders wichtig waren die zusätzlichen Informationen z. B. bei einem Projekt der Landschaftsfotografin Donna J. Wan, vor deren Bilder ich in den Deichtorhallen stand, den Begleittext aber übersehen hatte. Seht euch die Bilder auf ihrer Webseite an. Allenfalls der Titel der Serie „Death wooed us“ könnte in die richtige Richtung weisen. Ohne jegliche Erläuterung betrachtet man Landschaftsaufnahmen, was sie genau genommen auch sind. Die Intention der Fotografin war aber eine andere. Sie fotografierte Plätze, an denen sich Menschen das Leben genommen haben. Hier http://www.leverage-magazine.com/donna-wan-fotografiert-orte-an-denen-menschen-suizid-begangen-haben/ könnt ihr näheres dazu lesen. Mit dieser Information erreichen die Bilder eine gänzlich andere Wirkung bei mir und vermutlich auch bei anderen. Im Journalismus ergänzen sich Bild und Text ganz selbstverständlich, da ist das eine ohne das andere kaum vorstellbar. Im Bildbänden finde ich einleitende und/oder einstimmende Texte wichtig. Diese Texte setzen eine Klammer um die Fotos bzw. die Serie. Die Bilder werden in einen Kontext gesetzt und dies erleichtert es dem Betrachter, sie zu lesen, der Text verdeutlicht ihre Aussage. Im Idealfall gibt es also eine Beziehung zwischen Text und Bild, es entsteht quasi ein gutes Team.

Für mich gibt es noch einen weiteren Punkt. Der Text schafft die Verbindung zwischen den Bildern und mir, die ich brauche. Deswegen besuche ich nur ab und zu und sehr wenige reine Foto-Blogs. Wenn ich dort einen Post öffne und nur ein Bild ohne ein weiteres Wort sehe, schließe ich die Seite meist wieder. Es ist, als würde ich den Fernseher einschalten und hätte keinen Ton. Eigentlich reichen ein bis zwei Sätze, um eine Verbindung herzustellen, wie z. B. die Beschreibung des Ortes, der Situation, des Gefühls oder ähnlichem. Aber die brauche ich, wenn sie nicht auf einer anderen Ebene stattfindet, z. B. durch eine persönliche Beziehung zu dem

Fotografen oder Blogger. Manchmal (!) reicht auch ein sehr guter Bild-Titel, nämlich dann, wenn er die Erläuterung übernimmt, mir eine Idee der Intention des Fotografen gibt. (Vorsicht ist übrigens bei großen, plakativen Titeln geboten, die den Bildern eine Bedeutung geben, die diese nicht halten können. Das wirkt oft überzogen und lässt das Bild gegen die erweckten Erwartungen geradezu verblassen. Es gibt diese Bilder, die einfach nur ein Bild sind und zu dem einem einfach keine Worte einfallen 😉 ) Es gibt auch noch den Sonderfall Online-Galerien. Wenn ich durch reine Foto-Galerien scrolle, wie z. B. 500px, habe ich diesen Anspruch nicht, da weiß ich von vornherein, worauf ich mich einlasse.
„Gute Bilder erzählen eine Geschichte“
Auch diese Behauptung gerät bei genauer Betrachtung ins Wanken. Ein „gutes Bild“ mag bei seinen Betrachtern erreichen, dass ihre Fantasie

Blüten treibt und sie sich eine Geschichte dazu denken, aber es ist die Geschichte der Betrachter, nicht unbedingt die, die der Fotograf gesehen hat und vielleicht schon gar nicht die, die tatsächlich passiert ist. Es ist eine Sache der Interpretation oder auch der Manipulation. Ein Foto zeigt den Sekundenbruchteil des Geschehens und alles was vor- und nachher passiert, denken wir uns dazu, wobei wir auf unsere Erfahrungen, Erlerntes, also unsere Sozialisation und kulturelle Prägung zurückgreifen, was erklären kann, warum vielleicht mehrere Menschen eine gleiche oder zumindest ähnliche Geschichte im Bild erkennen. Um eine Geschichte zu erzählen, braucht es meines Erachtens im Idealfall ein paar mehr Bilder. Besonders gefällt es mir, wenn Gedichte, Lyrik, Haikus oder Geschichten mit passenden Bildern verbunden werden. Das nimmt mich mit auf eine Reise, in eine Stimmung und ich kann mich ganz darauf einlassen. Selbst dann werde ich noch meine Interpretation mit in die Betrachtung bringen.
In meinem Fazit schließe ich mich kurz und bündig Allard an, der da sagte:
Worte und Bilder kommunizieren gemeinsam viel stärker als alleine (William Albert Allard)
Und Ihr, was denkt ihr dazu?


Hinterlasse einen Kommentar