In Zeiten wie diesen ist es nicht immer leicht, das Schöne zu sehen. Die Welt wird von Krisen geschüttelt, die seit Jahren in Serie kommen. Ein Staffelende ist nicht abzusehen und ein Happy End jenseits der Vorstellungskraft. Und irgendwie trägt das vermutlich jeder und jede auf die eine oder andere Weise mit sich herum, macht sich Sorgen, spürt mehr oder weniger die Auswirkungen auf das eigene Leben und hofft. Auch ich, natürlich. Aber manchmal denke ich, um das Übel an der Wurzel zu packen, müssten wir uns wohl selbst ausrotten. Die guten Zeiten scheinen Lichtjahre entfernt. Gab es sie, oder nutzt meine Erinnerung einen Weichzeichner? Die Leichtigkeit geht verloren, wenn man zu viel darüber nachdenkt. Nicht-Denken ist auch nicht möglich.

Es ist schwer, dagegen an zu meditieren, aber oft helfen mir Meditation, Achtsamkeit und Dankbarkeit, um die innere Balance nicht zu verlieren. Die heilsamste Achtsamkeitsübung ist immer wieder die, mit der Kamera raus zu gehen. Um zu dieser Zeit in der Natur das Schöne zu finden, muss man schon genau schauen. Der ungewohnt heftige Winter hat seine Spuren hinterlassen und der Frühling weiß noch nicht so recht, ob er sich an den Kalender halten oder lieber noch etwas abwarten will. Vorsichtig lugt er an der einen oder anderen Stelle hervor, scheint sich aber nicht sicher zu sein, ob er den Temperaturen trauen kann. Sicher ist, dass er sich bald in seiner vollen Pracht zeigen wird und alles gut und das Leben sich wieder leichter anfühlen wird.

Alle Bilder: Fuji X100 VI, Rezept: Classic Chrome B&W – anschließend leicht angepasst.

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10 Antworten zu „Dunkle Zeiten“

  1. Liebe Conny,

    ich verstehe gut, was du meinst – es macht gerade wirklich keine Freude, sich mit dem Weltgeschehen zu beschäftigen, weil man so viel Krieg, Konflikte, Leid etc. sieht. Das wenigstens ab und zu auch mal (ohne in ein Dauerbeklagen zu verfallen) zu äußern, ist ein wenig reinigend; und es tut auch gut, sich trotzdem am Frühling zu freuen (der seit heute leider erst mal wieder ausgesetzt ist) … Das sind zwar dunkle, aber schöne Fotos.

    Liebe Grüße

    Ulf

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    1. Lieber Ulf,

      es hat etwas reinigendes und mitunter verbindendes, wenn man spürt, dass man nicht allein mit seinen Sorgen und Gedanken ist. Manchmal kommt es mir vor, als wären wir wie emsige Ameisen unterwegs oder Lemminge, die nichts hinterfragen, damit man fröhlich weitermachen kann wie bisher.

      Es freut mich, dass du die Bilder schön findest, obwohl sie ziemlich dunkel sind. Meine Bilder sind meist eher dunkler, weil ich das sehr mag. Es entspricht meiner melancholischen Seite.

      Liebe Grüße

      Conny

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      1. Liebe Conny,

        ich mag es auch, wenn in Schwarzweiß-Fotos viel Schwarz steckt – manchmal finde ich aber auch sehr hell gehaltene Fotos, die dann nur Silhouetten zeigen, reizvoll. Am tollsten war das Schwarz natürlich immer bei Baryt-Papier früher … Das kennt man heute kaum noch.

        Ich habe gerade auch mal meine veröffentlichten Schwarzweiß-Fotos durchgeschaut (wen es interessiert: https://www.flytotherainbow.de/category/schwarzweiss-fotografie/ – du hast ja auch manches kommentiert) – da ist das Schwarz schon auch sehr präsent, und ich mag das.

        Liebe Grüße, Ulf

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  2. Deine Auseinandersetzung mit der Melancholie und den schattigen Nuancen in diesem Beitrag geht wirklich unter die Haut und zeigt, wie viel Ausdruckskraft in der bewussten Reduktion steckt. Die Art und Weise, wie du die Stimmung der „dunklen Zeiten“ visuell übersetzt, wirkt unheimlich ehrlich und lädt dazu ein, sich Zeit für die Details zu nehmen. Falls du die Serie noch erweitern möchtest, probiere doch mal, ganz gezielt mit minimalem Restlicht oder einer starken Vignettierung zu arbeiten, um den Fokus noch intensiver auf die emotionalen Kernelemente zu lenken.

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    1. Hallo Marc,

      es freut mich, dass dir der Beitrag gefällt. Ich weiß, was du meinst, finde aber, dass eine stärkere Vignettierung zu viel von dem Kontext nimmt, in dem die Hauptmotive sich befinden, was mir in diesem Fall sehr wichtig ist.

      Nette Grüße

      Conny

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  3. hatten wir nicht auch schon früher Zeiten die dunkel und wenig aussichtsreich waren? Aufrüstung, Tschernobyl, Wende, Jugoslawienkrieg, 911, Afghanistankrieg, Iran Kriege.
    Ich hoffe wir alle bewahren uns die guten Momente in dieser Zeit und die noch besseren als mal nicht die Welt verrückt spielte.
    Behalten wir uns diese kleinen hellen Glücksmomente und versuchen aus diesen die Hoffnung und die Kraft zu ziehen, dass wir an der Veränderung mitwirken können.

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    1. ja, Oli, das stimmt natürlich, aber gepaart mit Klimawandel, gesellschaftlichen und politischen Veränderungen im eigenen Land, mit existenzbedrohenden finanziellen Einschnitten für viele Menschen und der zunehmend raue Ton, der oft fehlende Zusammenhalt……. Das ist (zumindest für mich) schon anders, schlimmer.

      Aber ja, auch ich sehe die Glückmomente und ziehe Kraft daraus.

      Danke für deinen Kommentar und nette Grüße!

      Conny

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  4. thomasclemens

    Hallo Conny,

    Ich glaube, ich weiß was du meinst. Ich habe selbst das Gefühl, dass wir im Moment ungewöhnlich dunkle Zeiten erleben und auch ich habe einen – vielleicht verklärten – Blick auf eine bessere Vergangenheit.
    Die Fotos sind in ihrer Erscheinung düster, ich finde sie aber wirklich – ich bin auf der Suche nach dem „richtigen“ Adjektiv – berührend.

    Mir gefällt die Ästhetik und dieses gewisse Maß an Melancholie, dass ich beim Betrachten empfinde. Toll!

    Viele Grüße,
    Thomas

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    1. Hallo Thomas,

      es freut mich, dass die Bilder in dir etwas berühren und somit tatsächlich ein wenig davon transportieren, was ich empfinde.

      Nette Grüße

      Conny

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  5. „Früher war sogar die Zukunft besser“ – Karl Valentin

    Nach einem („gefühlt“ – wir fühlen ja heute alles) langem Winter, sehnen wir uns nach Wärme und Licht.

    Im auf Dauer tristen Grau der letzten Wochen bekommen alle schlechten Nachrichten dieser Welt noch zusätzlich einen Hauch von Dystopie. Wie gut, dass wir unsere Fotografie haben. Sie fängt uns immer wieder auf. Danke für diesen Beitrag, liebe Conny.

    Liebe Grüße,

    Werner

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