Die Schönheit des Gewöhnlichen

FLITTERING TAPES_Ein kalter, nasser Abend. Eigentlich will ich ein großes Gebäude bei Nacht fotografieren, aber ein Geräusch lenkt mich ab. Ein Knistern, ein Schlagen geht von dem als Absperrung aufgebautem Autoreifen mit den rot-weiß gestreiften Absperrbändern aus. Ich lausche und betrachte. Es sieht wunderschön aus, wie die Bänder im Wind flattern. Rhythmisch, laut und leise werdend, im Fordern nach Freiheit, so scheint es. Rundherum ist alles nacht-ruhig. Nirgendwo ist Bewegung wahrnehmbar, kein Auto, keine Menschen, nichts. Nur die Bänder, mit denen der Wind spielt. Die Szene fängt mich ein. In einer Langzeitbelichtung halte ich meinen Eindruck fest und schaue noch lange hin. Ein Zauber geht von den sich im Wind bewegenden Tapes aus und ich hätte sie gern gefilmt.

Wenn ich jetzt wieder an „meinen“ Bändern vorbei komme, denke ich an den Augenblick und freue mich über diesen besonderen Moment, den ich erlebt habe.  Es liegt so viel Schönheit im Gewöhnlichem. Man muss nur Hinschauen und sich  öffnen und man entdeckt die Poesie, die daran liegen kann. Habt ihr schon einmal beobachtet, wie wunderschön es aussieht, wenn der Wind eine Plastiktüte umher wirbelt? In meinem Lieblingsfilm „American Beauty“ wird so eine Szene gezeigt. Und Rick, der sie gefilmt hat, sagt zu seiner Freundin, während er ihr diesen kleinen Film zeigt,:

 

Sometimes there’s so much beauty in the world I feel like I can’t take it, like my heart’s going to cave in.“  

 

14 Antworten zu Die Schönheit des Gewöhnlichen

  1. Franka sagt:

    Das mag ich alles sehr: ein Bild, dass die Schönheit im ansonsten nicht Beachteten zeigt und deine Worte dazu. Wie viele glückliche Momente wir alle haben könnten, wenn wir die Augen offen halten würden für die Poesie im Alltäglichen. Ein wunderbares Foto, das das Flattern erlebbar macht und die Magie des Augenblicks.

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  2. Ray Catcher sagt:

    Ohne zuerst weitergelesen zu haben, kam mir sofort American beauty in den Sinn. Genau, der Zauber liegt im Unscheinbaren, Trivialen. Ein Bild ganz nach meinem Geschmack.

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  3. aebby sagt:

    Sehr gute Gedanken und ein feines Bild. Manchmal denke ich, dass das Konzentrieren in einen Augenblick, das Festhalten von kurzen gedanklichen Filmen in einem Bild das eigentliche Wesen der Fotografie ist.

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  4. paleica sagt:

    ich muss bei sowas auch immer an american beauty denken. lustig, dass sich manche szenen so einbrennen. ich hab sogar ganz zu beginn meines blogs, als erste serie, etwas in anlehnung daran gehabt – unter dem schlagwort perspektivenwechsel oder veränderte blickwinkel, alltägliches zu fotografieren. meine ersten spielereien mit tiefenunschärfe und makro. finde ich bis heute faszinierend, mache ich aber leider nur mehr sehr selten.

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  5. dailydany sagt:

    Das Bild ist toll! Wenn du nachts fotografierst, gehst du dann alleine? Hätte auch ein paar Spots, an denen ich gerne mal nachts Aufnahmen machen würde. Finde das aber zu unheimlich, ich Weichei 🙂 vllt sollte ich mir zu diesem Zwecke nen Hund ausleihen?!
    LG
    P.s: insgesamt sehr schöne Bilder

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    • Verfasser

      Allein gehe ich nur in Ecken, wo ich mich sicher fühle. Dies Bild entstand zwar vor kurzer Zeit, aber da wurde es noch sehr früh dunkel und in der Innenstadt fühle ich mich sicher. Nachts, in den Seitenstrassen der Reeperbahn würde ich mich vielleicht allein nicht wohl fühlen, da ich keinen Hund habe, verabrede ich mich dann mit jemanden, der auch fotografiert :-).

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  6. www.lytmotif.com sagt:

    Ui, nach all den durcharrangierten Bildern, die ich zuhauf sehe, berührt dieses Bild (und natürlich der Beitrag dazu) mit seiner schlichten aber starken Aussagekraft 🙂
    Sehr fein!!
    …der Verweis auf American Beauty passt perfekt!

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