MORGEN

 

“Morgen ist auch noch ein Tag” – am legendären Ende des Films “Vom Winde verweht” steht Scarlett o`Hara auf einem Hügel und blickt hoffnungsvoll und kämpferisch in ihre ungewisse Zukunft. Im Gegensatz zum Film scheint der Spruch an dieser Hauswand in einem Berliner Hinterhof nichts hoffnungsvolles und kämpferisches zu haben. Was sollte morgen auch anders sein? Die Menschen hier (über-)leben von HartzIV und viele haben längst die Hoffnung verloren oder auch den Antrieb selbst etwas zu ändern. Trist sieht es hier aus, die Gegend ist geprägt von Sozialbauten, eingezäunten, zubetonierten Plätzen, von denen einem zunächst sogar eine Idee fehlt, was man auf so einem Platz wohl anstellen könnte. Vielleicht soll das ein Spielplatz sein? Ein Treffpunkt für Jugendliche? Keine Ahnung. Beim Betrachten macht sich einfach nur Trostlosigkeit in mir breit und eine Ahnung davon, dass dieser Spruch hier schnell ansteckend wirken kann……..

 

Business-Shooting mit Christine

Letzte Woche hatte ich ein Business-Shooting. Christine ist Lektorin, Werbetexterin, Literaturübersetzerin und Mit-Herausgeberin der “editon fünf“, einem kleinen Verlag, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, eine eigene Auswahl bekannter oder unbekannterer Bücher, die nicht mehr gedruckt werden, neu zu verlegen.

Da es in der Business-Fotografie nicht darum geht, was für ein Bild der Fotograf möchte, sondern vielmehr und eigentlich ausschließlich darum, was für Vorstellungen der Kunde hat, frage ich immer sehr genau nach und bespreche mit den Kunden, was das Bild transportieren soll.

Christine wünschte sich neue Bilder für ihre Homepage literatex.de und hatte auch ganz klare Vorstellungen, was sie damit transportieren möchte: Tatkraft, gute Laune und Professionalität. Aber bitte ganz authentisch und nicht wie in der Hochglanz-Werbung und auf keinen Fall zu sehr bearbeitet. Damit konnten wir arbeiten und heute zeige ich euch drei der Bilder, die beim Shooting entstanden sind:

Software-Tipp: Snapseed

Vorab möchte ich erwähnen, dass es aktuell von onOne eine abgespeckte Version von Perfect Effects for free gibt, die ihr gegen Registrierung der E-Mail-Adresse hier runterladen könnt. Das habe ich vor einigen Tagen auch getan und gestern ausprobiert und bin wirklich enttäuscht, weil ich finde, dass es für mich die Mühe der Installation (und das geht beim Mac bekanntermaßen schnell ;-) ) nicht lohnte. Die Bedienung der Software ist hakelig, die Effekte nur sehr wenige, dafür gibt es viel Werbung und mir drängt sich der Eindruck auf, dass der User schnell genervt sein soll, damit er sich die Vollversion kauft. Wer noch keine Filter für die Bildbearbeitung besitzt und keinen Cent ausgeben möchte, sollte die Software aber ruhig ausprobieren, wirklich falsch macht man damit nichts ;-) .


Ich gebe allerdings lieber ein paar Euro für eine Software aus, die mir dann auch Spaß macht und mich intuitiv zu guten Ergebnissen kommen lässt. Und da fiel mir ein, dass ich vor geraumer Zeit “Snapseed” von Nik-Software gekauft, bisher aber nur wenig genutzt habe. Viele werden Snapseed als App für´s iPhone oder iPad kennen. Dies ist die Desktop-Version, die sowohl für OS als auch für Windows erhältlich ist. Übrigens sehr günstig, für 15€.

Snapseed kann man als alleinige Anwendung oder als externen Editior für Lightroom oder Aperture nutzen. Ich nutze es aus Lightroom heraus. Wie bei allen Nik-Filtern hat man die Möglichkeit, mit einer Kopie (mit ohne ohne LR-Anpassungen) oder dem Original zu arbeiten. Die Benutzeroberfläche ist übersichtlich und intuitiv bedienbar. Es gibt eine Übersicht über die einzelnen Bearbeitungsbereiche, hinter denen sich Werkzeuge, Texturen, Rahmen, Looks, B/W-Konvertierung, Blur-Effekte, Vignetten und Tilt-Shift-Effekte verstecken:

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Jeder Bereich verfügt über verschiedene Möglichkeiten vorgefertigter Filter, aber auch Möglichkeiten zum Feintuning, so dass ein sehr individueller Look erreicht wird.


Man kann die Effekte miteinander kombinieren und erzielt auf die Weise eine wirklich eigene Kreation, auch Anfänger in der Bildbearbeitung, die mit den Ebenentechniken in Photoshop überfordert sind, kommen hier schnell zu guten Ergebnissen.
Stellenweise kann man punktuell in das Bild eingreifen, z. B. den Kontrast eines bestimmten Bildbereiches erhöhen. Hier kommt die bewährte Nik-U-Point-Technologie zum Einsatz, die ihr vielleicht durch das Arbeiten mit anderen Nik-Filter schon kennt.
Ich finde, dass mir hier für kleines Geld ziemlich viel Leistung geboten wird, daher von mir für dieses Software ★★★★☆ Einen Stern mehr würde ich vergeben, wenn der Speichervorgang optimiert werden würde. Hier muss ich einen Schritt mehr ausführen, als bei den anderen Nik-Filtern und das bearbeitete Bild durch Synchronisation des jeweiligen Ordners in der LR-Bibliothek sichtbar machen. Bei dem Preis aber irgendwie auch verschmerzbar ;-)
Einige bearbeitete Bilder des Autodetails von oben:

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Das geht natürlich auch mit Blümchen ;-) :

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Dieser Artikel spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wider und wird nicht gesponsort ;-)

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Anton Corbijn – Inside Out

Bundesweit startete gestern der Dokumentarfilm “Inside Out” über den niederländischen Fotografen Anton Corbijn, über den ich hier schon einmal geschrieben habe, und der, obwohl er mitten in der Glamourwelt des Rock und Pop arbeitet, selbst ein unglamouröser, bescheidener Mensch geblieben ist. Der Regisseurin Klaartje Quirijns ist es gelungen, ein intimes Portrait des Künstlers zu zeichnen, weitab von Themen wie Kamera- oder Belichtungstechnik. Durch die behutsamen Interviews gewährt der Film einen kleinen Einblick in den Menschen Anton Corbijn.  Seine nächste Familie kommt im Film ebenso zu Wort, wie Musiker wie Bono, Martin Gore oder Herbert Grönemeyer, an deren Imageaufbau bzw. -wechsel er durch seine Bilder und Musikvideo maßgeblich beteiligt war. Eingestreut sind immer wieder Musik und Szenen von Shootings mit U2, Metallica u. a.. Musik ist ein wichtiger Teil im Leben Corbijns, mir scheint seine Liebe zur Musik und der Ausdruckskraft der Musiker sein Haupt-Motor zu sein. Ein faszinierender Künstler, ein faszinierender Film, der leider schon nach 80 Minuten zu Ende war. Ich hätte gern noch mehr gesehen.

Meine Bewertung: ★★★★★  Unbedingt empfehlenswert nicht nur für diejenigen unter euch, die seine Arbeiten mögen. 

und

hier findet ihr die Kinos, die den Film spielen

THREE VIEWS

One staircase – three views

Man sieht bzw. komponiert ein Bild, hält es mit der Kamera fest und geht weiter. Aber oft lohnt es sich, eben nicht weiterzugehen, sondern das abgelichtete Motiv aus anderen Perspektiven anzusehen und ein bisschen zu experimentieren. Hier hatte ich den Impuls und auch die Zeit und bin im Nachhinein froh darüber, denn dieses drei Bilder zusammen wirken ganz anders, als eines der Bilder allein.

Kein Bild von mir…

 

…0der doch? Fotografieren tue ich leidenschaftlich gern, auch Menschen. Aber wehe, man richtet eine Kamera auf mich, dann flüchte ich meistens. Ich mag das überhaupt nicht. Manchmal komme ich aber nicht darum herum. So wie hier, als mein Mann mir die Wartezeit auf eine Fähre damit versüßen wollte, dass er sich so richtig ins Zeug legte und Fotograf spielte. Ziemlich überzeugend gespielt muss ich sagen, fehlte nur noch der Assi :-) Nicht desto trotz habe ich mir das Bild nachträglich angeeignet und durch eine Ausschnittvergrößerung meine Sicht der Szene aus dem Bild gemacht, denn ursprünglich war das natürlich ein Portrait :-)

Egal….. Ich finde das Bild ganz cool.

 

 

THE DESK

 

Aufgeräumt, umgeräumt, leergeräumt. Ein Schreibtisch, Überbleibsel geschäftigen Treibens. Vermutlich vermisst er den Menschen nicht, der bis vor Kurzem noch an ihm saß, Fotos seiner Lieben auf ihm aufstellte, an  ihm lachte, verhandelte, überredete oder Verträge unterschrieb. Der sein Kaugummi, wie früher in der Schule, auf seine Unterseite klebte, wenn Kunden sich näherten. Der ihm die Kerben in der Ecke zufügte, weil eine Verhandlung zu scheitern drohte. Ob es umgekehrt anders ist? Ob der Mensch seinen Schreibtisch vermisst? Ich weiss es nicht, weiss nicht mal, wer an diesem Tisch arbeitete, aber durch die Scheiben sehe ich ein Bild, welches all diese Fragen offen lässt.

 

Hilfreiches Gadget: Der Aufnahmetisch

Wir alle machen ab und zu einen Ausflug in die Produktfotografie. Sei es, weil Tante Frieda uns bittet, ihre Schmucksammlung für die Versicherung abzulichten oder wir  ein schönes Foto von einem Produkt brauchen, welches wir verkaufen möchten. Ziemlich professionell sieht das Ganze aus, wenn wir eine Hohlkehle im Hintergrund haben. Durch die sanfte Rundung zwischen Boden und Wand erscheint der Hintergrund endlos. Wenn man nur selten eine Hohlkehle braucht, kann man sich aus Fotokarton eine basteln. Hier gibt es eine Anleitung dazu. Das hilft für´s Erste auf jeden Fall.

Wesentlich komfortabler ist ein Aufnahmetisch. Ich habe mir vor kurzem einen solchen Tisch gekauft und bin wirklich glücklich, mich nicht lange mit selbstgebastelten Sachen rumärgern zu müssen. Wichtig war für mich, dass das Gerät platzsparend aufbewahrt werden kann, superschnell und unkompliziert aufgebaut ist und Licht durchlässt, damit ich die Möglichkeit habe, Licht von unten durchscheinen zu lassen. Ich habe ein Modell gefunden, bei dem man das Gestell zusammenklappen und in eine Nische stellen kann und die Auflage passt auf den Kleiderschrank ;-) . Perfekt. Der Auf- und Abbau dauert keine Minute und dadurch setze ich dieses Gadget gern und oft ein ;-) . Man kann den Tisch prima auf dem Bett oder einem größerem Tisch aufbauen und hat so eine bequeme Arbeitshöhe. Er ist belastbar,  knickt nicht ein und ist abwaschbar. So sieht der Tisch aus:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Auflage ist aus einem Kunststoff und sehr robust. Trotzdem lässt sie Licht durch, was für schöne Effekte sorgt, wie man auf diesem Bild sieht:

Hier habe ich mit einer normalen Glühlampe von hinten durch die Platte geleuchtet und die Lichteffekte auf dem Boden mit zwei Blitzen erzeugt, die ich einfach seitlich auf den Tisch gelegt habe. Wie man hier sehr schön sieht, reflektiert der Kunststoff, obwohl er eigentlich recht rau aussieht. Das gefällt mir besonders! Man kann natürlich auf farbigen Karton passgenau zuschneiden und auflegen oder Stoffe oder oder oder….. Meist leuchte ich die Gegenstände mit einer 60×60 großen Softbox aus, das macht schön weiches Licht wie ganz oben auf dem Foto und zusätzlich arbeite ich gern mit einem Reflektor, weil ich damit gezielt goldige oder silberne Effekte ins Bild bringen kann.

Günstige Aufnahmetische gibt es schon ab ca. 80€ . Mein Modell ist von der Firma Mettle, aber wenn ich das richtig gesehen habe, gibt es das gleiche Produkt auch ohne Namen und etwas günstiger. Man kann optional auch spezielle Leuchten dafür kaufen, wenn man mit dem Blitzen nicht klar kommt. Aber eigentlich ist gerade die Table-Top-Fotografie bestens dafür geeignet, sich im Blitzen zu üben ;-)

Monalisen der Vorstädte

Die Mona Lisa kennt jeder. Es ist das wohl bekannteste Gemälde der Welt. Eine junge Frau, eine klassische Schönheit, die geheimnisvoll lächelt. Die Mona Lisa inspirierte das Berliner Fotografen-Ehepaar Ute und Werner Mahler zu einer besonderen Portrait-Serie. Eine Serie, die auch vom Umbruch handelt. Sie wollten Mädchen portraitieren, die zum einen klassische, zeitlose Gesichter haben und zum anderen im  Übergang vom Mädchen zur Frau stecken. Gesucht haben sie diese Mädchen in den Vorstädten von Reykjavik, Minsk, Berlin, Liverpool und Florenz. Vorstädte, die am Rande großer Städte liegen. Übergangsorte.

Während der drei Monate, die die Fotografen durch Europa reisten, entstanden Hunderte von Portraits. Die Arbeitsweise forderte dem Künstlerehepaar mitunter einiges an Geduld ab: Zuerst suchten sich die Mahlers den Ort, der dem Bild als Hintergrund dienen sollte.  Dort bauten sie die Plattenkamera auf und richteten den Portraitstuhl ein. Ein Stuhl ohne Lehnen, dafür aber mit einer Kopfstütze, die den Mädchen helfen sollte, ihre Haltung während der Fotositzung beizubehalten. Einer der beiden Fotografen saß für die Einstellungen und die Festlegung des Ausschnitts Modell. Dann erst hielten sie Ausschau nach einem geeigneten Mädchen, was manchmal viele Stunden gedauert hat und sprachen es an. Fast immer hatten sie Glück und die jungen Frauen, die das berühmte Gemälde alle kannten,  ließen sich bereitwillig auf das Projekt ein, nahmen auf dem unbequemen Sitzmöbel Platz und schauten in die Kamera wie die Mona Lisa, bzw. wie sie selbst die Mona Lisa in Erinnerung hatten. Die eigentliche Prozedur des Fotografierens dauerte ungefähr 20 Minuten. Zeit genug, um einen besonderen Ausdruck in den Gesichtern festzuhalten. So entstanden ganz wunderbare Bilder, von denen eine Auswahl zur Zeit in der Hamburger Galerie Morat zu sehen ist.

Dieser Film gibt einen kleinen Einblick in Arbeitsweise:

Im Künstlergespräch zur Ausstellungseröffnung am 23. März 2012 stellten die Mahlers ihre Arbeit vor und beantworteten geduldig die Fragen der Anwesenden. Am meisten schien das Publikum die Frage zu interessieren, wer denn jeweils auf den Auslöser gedrückt, sprich fotografiert hat. Die Antwort der Künstler gibt das nicht preis. Ein echtes Gemeinschaftsprojekt halt.

Im Online-Kunstmagazin art  ist ein interessantes Interview mit den Mahlers zu dieser Arbeit zu lesen.

Die Ausstellung “Monalisen der Vorstädte”  ist noch bis zum 28. April 2012 in der Galerie Morat in Hamburg zu sehen.

Das Buch zur Serie ist im Verlag Meier und Müller erschienen.

Ein Leser machte mich auf dieses Video aufmerksam, in dem Jörg M. Colberg (Verlag Meier und Müller) das Buch zur Serie ausführlich vorstellt (englisch). Sehr empfehlenswert!

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