Marvin Hüttermann und Andrea Grützner (Gute Aussichten 2014/2015)

 

DSC_9884

Neulich war ich im Haus der Photographie in Hamburg und habe mir die Ausstellung “Gute Aussichten 2014/15 – Junge deutsche Fotografie” angesehen. Ein festes Ritual im Jahresablauf, sowohl dem der Deichtorhallen, als auch in meinem. “Gute Aussichten” ist ein privat initiiertes Projekt, bei dem jedes Jahr von den verschiedenen Hochschulen und Akademien Deutschlands die vier besten Abschlussarbeiten junger Fotografen einer Jury vorgelegt werden (diesmal 115 Einreichungen von 40 Hochschulen), die darüber entscheidet, welche 8  Arbeiten in dieser Ausstellung gezeigt werden. Diesmal haben die 8 Auserwählten die ganze große Halle für sich und als Besucher atmet man angesichts des lichten Raumes auf, zumindest, wenn man wie ich vorher in der Leica-Ausstellung war, die jeden Fitzel Ausstellungsfläche nutzen musste.  Ich möchte hier nicht auf alle 8 eingehen, aber auf die 2, die mir mit Abstand am besten gefallen haben.

Marvin Hüttermann: Es ist so nicht gewesen. Auf dem hell getünchtem Lese-Tisch liegen ein paar Foto-Bücher aus. Dazwischen eines, das mich mit seinem quadratischen Format und dem matt-schwarzem Einband an einen Untersetzer erinnert. Aber es ist ein Buch, nämlich das von Marvin Hüttermann, sein Titel: “Es ist so nicht gewesen.” Die Bilder berühren mich und interessiert blättere ich Seite für Seite um. Martin Hüttermann setzt sich mit dem Tod auseinander. Behutsam nimmt er mich mit, in die Zeit des Übergangs. Wie sehen die Räume aus, in denen der verstorbene Mensch vor kurzem noch lebte? Wie sieht es dort aus, wo er jetzt ist? Die Bilder der Zimmer, die eben noch der Lebensmittelpunkt der Verstorbenen waren, zeigt er in Farbe, die jetzigen Räume in schwarzweiß, aber je länger der Mensch tot ist, je mehr verblassen die Farben und halten langsam Einzug in die Bilder aus der Leichenhalle. Auf diese Weise erzählt Marvin Hüttermann auf zwei Ebenen, was mir ausgesprochen gut gefällt. Es gibt je ein einzelnes Bild am Anfang und am Ende. Die Anderen sind paarweise angeordnet, sowohl im Buch als auch an der Wand. In jedem Paar gibt es eine weitere erzählerische Komponente. Dort ein Riss in der Tapete, hier ein Riss in der Kleidung. Dort das Schattenspiel einer Pflanze, hier das Muster der Leichenflecke unter der Haut. Ich empfinde diese Art der Erzählung als poetisch, es nimmt die Scheu vor dem Betrachten, die Scheu vor dem Tod. Dafür aber ist diese Gegenüberstellung in Bildpaaren wichtig und wird leider in dieser Galerie nicht sichtbar, auch in anderen Online-Galerien nicht, was die Bilder so einzeln fast beliebig erscheinen lässt. Das finde ich wirklich sehr schade, hat aber mit der Ausstellung nichts zu tun, denn hier wurde alles richtig gemacht.

 

DSC_9891

 

DSC_9876

 

IMG_4550

 

Andrea Grützner: Erbgericht. In der Mitte der lichten Halle hängen große, farbige Prints, an denen ich zunächst vorbei gehe. Irgendwie faszinieren sie mich, aber sie irritieren auch. Es scheinen Ausschnitte aus gewöhnlichen Häusern zu sein, aber irgendwie doch fremd und besonders, auch besonders groß. Zudem fehlt den Fotos jegliche Tiefe, sie zeigen flächige, abstrakte, farbige Elemente und erinnern stark an die Farbflächen-Malerei. Bei dem Titelbild dieses Artikels (siehe oben) kommt hinzu, dass es direkt auf die Wand gedruckt zu sein scheint (es ist tatsächlich ein Großflächenplakat, direkt auf die Wand aufgebracht – ein Einweg-Bild sozusagen). Außerdem scheint mir irgendetwas merkwürdig bei den Farben und so ist es auch, denn die Fotografin hat durch farbige Folien geblitzt. Spannend und einen zweiten Besuch der Ausstellung absolut wert. Stellte sich die Begeisterung auch langsam ein, ist sie heute mein Favorit. Unter dem Foto findet ihr den Link zu einem “Geo”-Film, in dem Andrea Grützner über die Idee und die Entstehung ihrer Arbeit erzählt. Sehr sehenswert!

Auf der Seite der Deichtorhallen findet ihr umfassende Info zur gesamten Ausstellung, auch zu dem Video-Tagebuch, in welchem die Künstler auch etwas zu ihren Arbeiten erzählen.

Die Ausstellung ist nur noch bis zum 8. März 20115 in Hamburg zu sehen, aber ich lege euch die Kuratoren-Führung am 4. März um 18:00 Uhr ans Herz, Ingo Taubhorn macht das großartig :-). Die nächsten Ausstellungsorte könnt ihr auf der Webseite der Gute Aussichten erfahren.

Manchmal ist analog einfach sinnlicher ;-)

Analog

Es ist lange her, aber den Geruch werde ich nie vergessen. Den Geruch der königsblauen Tinte, die mir aus dem Schulheft in die Nase stieg und den ich liebte. Mein Vater saß bei mir und schaute mir ab und zu während Schularbeiten über die Schulter. Ich war stolz wie Bolle auf meinen Pelikan-Füller und die feucht-glänzende Tinte. Ich gab mir besonders viel Mühe und wollte die leeren Zeilen mit meiner schönsten Schrift füllen. Tintenkiller sollten erst in ein paar Jahren erfunden werden (und würden dann hässliche, gelbe Spuren auf dem Papier hinterlassen) und so stand jeder kleinste Wackler und natürlich erst Recht jedes falsch geschriebene Wort unwiderruflich in dem Heft. Schon damals hatte ich einen klitzekleinen Hang zum Perfektionismus ;-)  und hätte am liebsten bei jedem Fehler ein neues Heft angefangen, um endlich mal ein fehlerfreies zu haben. Das hat nie geklappt :-). Die ersten Seiten sahen toll aus und dann begann der Schlendrian, vielleicht kennt ihr das.

Geblieben ist meine Liebe zur Tinte, schönen Schreibgeräten und noch schöneren Heften. Ehrlich, ich kenne alle meine Stifte ganz genau und auch ihr Verhalten auf unterschiedlichen Papieren. Ich hüte sie wie meine Augäpfel und wenn ich tatsächlich mal einen verliere, bin ich untröstlich. Dabei schreibe ich nicht wirklich. Ich notiere, zitiere, fixiere, manchmal meine Gedanken, die anderer oder Lyrics, die mir etwas bedeuten. Aber das Tun mag ich. Es ist im Grunde eine kleine Kunst, die wir damals gelernt haben. Schönschrift, der ausgedehnte Schreibübungen vorausgingen. Man schrieb eine Seite nur mit dem  kleine “l” voll, die Hand musste locker kreisen und bald die komplizierten Schlingen des “Schreib-Gs”  sauber auf das Papier bringen ohne die Tinte zu verwischen. Eine schöne Fertigkeit, die Ruhe und Konzentration erfordert, Sorgfalt und Umsicht.

Heute schreibe ich selbstverständlich auch auf der Tastatur, die alles verzeiht, löscht und kopiert. Ob es schön aussieht oder nicht, entscheidet die Wahl der Schrift, nicht meine Sorgfalt. Alles geht schnell und effektiv. Das ist auch gut so, natürlich! Und die Vorstellung, die Möglichkeit nicht mehr zu haben, wäre gruselig.

Aber sinnlicher ist es analog. Deswegen habe ich meinen Füller, der keine Tinte mehr aufziehen wollte, nun für richtiges Geld reparieren lassen und freue mich (mal wieder) an einem neuen Buch, welches mit Worten gefüllt werden möchte. Übrigens ziert das Cover die Handschrift  von Antoine de Saint-Exupéry und es ist einfach schön. Die erste Seite liegt blank vor mir und einige Zeilen geht es gut, aber dann – verschrieben *grrrr*. Der Versuch, die Seite so herauszureißen, dass es nicht auffällt, scheitert. Das Buch ist verletzt. Dann heute beim “Fotoshooting”  für diesen Artikel: Absturz! Buchabsturz – die Länge des Objektivs unterschätzt und beim Runterfahren des Stativs damit auf´s Buch gehauen, welches am Rand des Küchentisches liegend natürlich vorn runter, hinten hoch klappte, den Füller ins Rollen brachte, den ich im letzten Moment vor dem Absturz retten konnte, die Finger verschmiert mit dokumentenechter schwarzer Tinte, das schöne Blatt auch. Aber ich habe ja das Löschblatt parat ;-). Ach, analog ist irgendwie cool. Wenn ich das Buch später mal in die Hand nehme, werde ich mich schmunzelnd an diesen Moment erinnern und das Geschreibsel ist so wirklich  einzigartig. Copy & Paste unmöglich.

Ich verstehe euch, die ihr mit echtem Film und Chemie in der Nase in der Dunkelkammer steht, ehrlich :-). Und ich schiele immer öfter in entsprechende Kursangebote.

Fast wie neu zurück – D750

DSC_9826

Als ich im November die ersten Tests mit meiner nagelneuen D750 machte, fiel mir zu Hause auf einigen Bildern ein komischer Effekt auf, den ich aber nicht einordnen konnte, auch nicht wollte und somit erstmal “vergaß”. ;-) Nun, es ist Winter, ich fotografiere seltener draußen und noch seltener ins Gegenlicht.

D75_0434

D75_0454

 

 

 

 

 

Mittlerweile hat Nikon eingeräumt, dass es Probleme mit der D750 gibt: Ein Streulicht- bzw. Schwarzes Band-Problem, was bei Gegenlicht-Situationen auftreten kann. Nikon hat sich an die Kunden gewandt und eine Seite eingerichtet, auf der man sich über die nötigen Schritte informieren kann. Bei mir hat die Eingabe der Serien-Nummer allerdings ergeben, dass mein Body von diesem Fehler nicht betroffen sei – ah ja ;-)- Gut, dass ich meinen Bildern mehr traue….

Aber was stimmt denn nun nicht mit dem Body? Es handelt sich vermutlich um einen Konstruktionsfehler und hat mit der Platzierung des AF-Moduls zu tun.  Sehr ausführlich wird dies auf dieser englischsprachigen Seite besprochen. Den Artikel fand ich sehr interessant, denn die Störungen auf den Bildern der D750 sind stark, aber etwas abgemildert ähnlich auch bei anderen Kamera-Modellen vorhanden bzw. mit ihnen reproduzierbar.

Wie dem auch sei. Mit keiner Kamera vorher habe ich solche Störungen im Bild gehabt, die weit entfernt von schönen Flares sind, die ich gern provoziere. Vor 12 Tagen habe ich die D750 also zum Nikon-Service gefahren und gestern wieder abgeholt. Die Reparaturbeschreibung ist lang und so fragte ich nach, was denn nun eigentlich genau gemacht wurde. Nikon hat das große OP-Besteck herausgeholt und den kompletten Frontbody ausgetauscht. Das sei sehr aufwändig, so erklärte man mir, aber schließlich wolle man sicher stellen, dass die Kunden zufrieden seien. Das klingt vernünftig und ich bin erstmal zufrieden und hoffe, dass das Problem nun wirklich nicht mehr auftritt. Das bleibt halt abzuwarten.

Und froh bin ich, diese tolle Kamera nun quasi fast wie neu zurück zu haben, denn sie ist mir schnell ans Herz gewachsen und das 50er Sigma Art hat sie auch vermisst – mein Dream-Team!  :-) Und bei Gegenlicht von rechts oben trat das Problem ja eh nicht auf, jedenfalls nicht auf diesem Bild ;-)

D75_0363

STRONG ENOUGH?

D75_2045

 

 

 

God, I feel like hell tonight
Tears of rage I cannot fight
I’d be the last to help you understand
Are you strong enough to be my man?

Nothing’s true and nothing’s right
So let me be alone tonight
‘Cause you can’t change the way I am
Are you strong enough to be my man?

Lie to me
I promise I’ll believe
Lie to me
But please don’t leave
Don’t leave
Don’t leave

I have a face I cannot show
I make the rules up as I go
Just try and love me if you can
Are you strong enough to be my man?
My man

Are you strong enough to be my man?
Are you strong enough to be my man?
Are you strong enough my man?

When I’ve shown you that I just don’t care
When I’m throwing punches in the air
When I’m broken down and I can’t stand
Would you be man enough to be my man?

Lie to me
I promise I’ll believe
Lie to me
But please don’t leave


SHERYL CROW

 

 

 

 

Ein Fotograf muss kein Animateur sein!

D75_2112

 

Eine Fotograf muss kein Animateur sein und sollte es auch nicht sein!?

Oh je. Wenn ich Menschen fotografiere, mache ich das anders, als ich es machen sollte, wenn ich der einschlägigen Fach-Literatur glauben würde. Meine Shootings laufen ruhig ab. Da wird nicht pausenlos geredet. Kein “Ja, genauso so.” “Super” usw., ihr wisst schon. Ich habe lange versucht, das zu  können, aber es liegt mir nicht und die Erfahrung zeigt mir, dass ich das auch nicht leisten muss. Im Gegenteil. Die Menschen fühlen sich vor meiner Kamera wohl. Sie können loslassen, sich entspannen und fühlen sich frei von jeglichem Druck. Und mir geht es auch so. Ich finde das Sich-Einlassen aufeinander viel wichtiger. Lass dich auf den Menschen ein, höre ihm zu, nehme ihn wahr, nicht als Model, sondern als Menschen und schon ist die Chemie eine ganz andere. Eine Annehmende, Akzeptierende. Und schon zeigen dir Menschen ganz andere Facetten, als die, die sie zeigen, wenn sie etwas verbergen wollen. Vertrauen ist das Stichwort.

Vertrauen kann nicht da wachsen, wo ein vermutlich erwartetes Verhalten abgespult wird. Da fühlt sich doch auch niemand ernst genommen oder? Was würde ich erwarten, wenn mich jemand portraitieren würde? Dass er mich wahrnimmt, akzeptiert, im richtigen Moment abdrückt und genau den Moment erkennt, wo ich etwas zeige, was ich normalerweise verhülle.

Wie sind da eure Erfahrungen oder Erwartungen?

Das erste Bild in diesem Jahr

Tropfen an einem Band

 

Das erste Bild in diesem Jahr gibt es noch gar nicht. Dieses ist aus dem Letzten, aber angesichts der Wetterlage fügt es sich nahtlos ein. Es ist quasi die Initialzündung zu einer freien Arbeit, an der ich in diesem Jahr arbeiten möchte: “Die Schönheit des Trivialen”. Ich habe mir für dieses Jahr viel vorgenommen und es wird noch ein weiteres Projekt geben und viel Arbeit (mehr verrate ich an dieser Stelle nicht). Dieses soll der Ausgleich sein. Eine Serie, die mir viel Spielraum und Entspannung gibt und die durch mein Sehen für mich frei von Stress ist :-). Auch das darf ein Projekt, eine Serie: Einfach nett sein und für positive Gefühle sorgen. So entspricht sie doch am ehestem dem, warum ich einst zur Kamera griff: Aus Spass am Tun und den Bildern.

Habt ihr euch ein Ziel gesteckt oder ein Projekt oder ähnliches geplant? Ich bin neugierig!

Harley-Tour USA IX: Kayenta – Kanab – Vegas und ein Filmchen

DSC_9134-Bearbeitet

Tag 14: Für diesen Tag stand etwas ganz besonderes auf dem Plan: Der Antelope Canyon. Bilder davon hat jeder schon gesehen und so auch ich. Hach, meine Vorfreude war groß und ihr wisst ja: Je größer die Erwartung……. Man muss wissen, dass man in Gruppen regelrecht durch die Höhlen getrieben wird und es wirklich brechend voll und eng ist, weswegen Stative nicht erlaubt sind. Vermutlich gibt es da aber Ausnahmen, sonst gäbe es nicht so viele wundervolle Bilder dieser Location.

Mittagspause in Page an einer Tankstelle, wo das Tragen von Waffen ausdrücklich willkommen ist, schräg. Danach ging es noch mal an den Colorado River und den Glen Canyon, der vor allem durch seinen gigantischen Staudamm und den dadurch entstandenen Lake Powell bekannt ist. Das Wetter an diesem Tag war wieder traumhaft, ebenso wie die Landschaften. Tageskilometer: 290

 

Am nächsten und letztem Tag führte uns die Tour durch den wunderschönen und beeindruckenden Zion Nationalpark. Hier hatten wir gar nicht viel erwartet und wurden verwöhnt. Die Strecke ist landschaftlich so schön, dass es mich traurig stimmte, dass die Tour nun zu Ende war. Nachdem wir die Harleys in Vegas zurückgeben hatten, mischte sich etwas in die Stimmung, was ich die Leere nach einem erfüllten Traum nennen würde. Tageskilometer: 340

Es war großartig, es war toll! Wenn ich die Bilder sehe, möchte ich sofort wieder dorthin. Gute zwei Wochen nur blauer Himmel, supertolle Landschaften, fast immer leckeres Essen (vom Frühstück mal abgesehen) und vielen freundlichen und interessierten Amerikanern begegnet. Die Harley, eine E-Glide, hat Spaß gemacht, war super bequem, aber nicht so cool wie unsere, auf der wir aber diese Tour nicht hätten fahren mögen :-). Die Organisation der Tour durch American Motorcycle Tours war hervorragend! Ein Tourguide, der das Navi  im Kopf hat, ist Gold wert! Es war eine Rundum-Sorglos-Reise. Danke Thomas und Frank :-)

Zum Abschluss habe ich noch ein Schmankerln für euch. Mein Mann hat netterweise aus unserem Urlaubsfilm, der überwiegend mit einer Helm-Kamera entstanden ist, einen wirklich dynamischen Film zusammengeschnitten. 16 Tage in 8 Minuten. Macht wirklich Spaß, also schaut ihn an, am besten in HD und schön laut :-)

Danke, dass ihr mit mir gereist seid, es freut mich sehr, dass diese Tour auf so viel Interesse gestoßen ist. :-)

 

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren:

Vegas – bunt, laut, skurril

Harley-Tour USA und das Foto-Equipment

Harley-Tour USA II: Warum eine geführte Tour und Death Valley

Harley-Tour USA III: Von Bishop über Mariposa nach San Francisco

Harley-Tour USa IV: San Francisco

Harley-Tour USA V: Highway No.1 – S. F. bis L. A.

Harley-Tour USA VI: L. A. bis Palm Springs

Harley-Tour USA VII: Palm Springs bis Kingman

Harley-Tour USA VIII: Kingman – Williams – Kayenta

Ein Zitat von Erwitt und einige Gedanken zum Reisen

LANDING IN VEGAS I

 

Das Reisen ist für die Fotografie recht nützlich, denn man bekommt viel Neues vor die Linse. Man erhält neuen Antrieb. Wenn man jedoch genug Disziplin hat, kann man auch vor seiner eigenen Tür Bilder machen. Bilder gibt es überall. Das Reisen befreit einen lediglich vor der Routine. Als Konsequenz arbeitet man effizienter. Es ist nicht zwingend notwendig, macht aber Spaß.

 

Elliott Erwitt sagt dies auf seine unverwechselbare Art im Austausch mit Marc Riboud. Zwei große Magnum Fotografen unter sich. Der Film wurde auf FotoTV veröffentlicht, ist leider nur zahlenden Mitgliedern zugänglich, aber sehenswert.

Der Aussage schließe ich mich uneingeschränkt an :-). Ich leide zunehmend an Fernweh und würde am liebsten die Koffer packen und die ganze Welt entdecken. Reisen inspiriert, erweitert den Horizont, erfrischt den Geist und den Blick. Man muss nicht am Grand Canyon stehen, um zu verstehen, wie klein und unbedeutend wir und unser Dorf sind, aber es hilft ungemein ;-) . Die Perspektive auf das eigene Zuhause und sein “Viertel”  verändert sich durch längere Abwesenheit, als entdecke man es neu, so geht es jedenfalls mir. Nach Hause kommen ist schön, aber dafür muss man es erstmal verlassen (können). (Dennoch kann man natürlich auch ohne Reisen in seinem Umfeld die interessantesten Fotos machen, das will ich gar nicht in Abrede stellen.)

Im Urlaub zu Hause verweile ich zur Zeit gern in zwei Bildbänden und ich frage mich manchmal, wie es diesen Fotografen ging, als sie nach langer und weiter Reise in die abgelegensten Winkel dieser Welt, nach der Begegnung mit so viel Ursprünglichem, nach Hause kehrten. Für die die Reise nur ein Mittel zum den Zweck war, ihrer großen Passion zu folgen:

Before they pass away von Jimmy Nelson

Genesis von Sebastião Salgado

Zwei unterschiedliche Fotografen, die unabhängig voneinander doch irgendwie denselben Gedanken verfolgen. Was sie verbindet ist ohne Frage die ganz große Kunst der Fotografie und ihr Bedürfnis, fotografische Dokumente, ja Denkmäler zu erschaffen, intensive Portraits, die das Wesen der Urlandschaften und ihren Bewohnern erfassen, bevor beides unwiderruflich verloren geht. Dafür sind sie weit und lange gereist. Zwei ganz unterschiedliche Bildbände, die sich aber wunderbar ergänzen. Ich verneige mich vor so viel Engagement und Können.

Auch das Leben ist eine Reise, mal sehen, wo sie uns hinführt und was sie im nächsten Jahr bereit hält. Ich bin gespannt!

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit, eure Kommentare und E-Mails, in denen ihr eure Gedanken mit mit geteilt habt!  

Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch in ein wundervolles Jahr 2015!

Conny

 

Harley-Tour USA VIII: Kingman – Williams – Kayenta

 

DSC_8599

 

Tag 12 unserer Westküstentour stand ganz im Zeichen der Nostalgie und war eher ein schön bummeliger, für mich ohne große Highlights, was zwischendurch auch mal ganz gut war, denn ich war an Bildern mittlerweile übersättigt :-). Auf der Mother Road ging es zunächst nach Seligman, dem “Birthplace of Historic Route 66″. Und dieses Städtchen feiert sich entsprechend, indem hier alles ausgestellt wird, was irgendwie an die alten Zeiten erinnert, als die Route 66 noch nicht durch den Bau der Interstate Highways an Bedeutung verloren hatte. Uralte Autos, Motorräder und Souvenirs jeder erdenklichen Art prägen das Bild. Am Ende der Tagesstrecke lag Williams, ein hübscher, kleiner Ort, den wir am Nachmittag schon erreichten. Aber wie immer, waren wir kaputt, zu kaputt um sich mit Kamera und Stativ auf die Socken zu machen, dabei hätte sich das hier gelohnt. Am Abend steckte ich meistens nur das iPhone ein. Da es hier mit Untergang der Sonne recht kühl wurde, waren alle früh auf ihren Zimmern und bereiteten sich mental auf den nächsten Tag vor, an dem es zum Grand Canyon und zum Monument Valley gehen sollte. Vermutlich waren alle froh, einfach mal auf dem Bettchen vor dem Fernseher zu chillen ;-). Hier einige Impressionen dieses Tages, darunter geht es mit dem nächsten Tag weiter.

 

 

Für den 13. Tag hatte ich mir für den ersten Streckenabschnitt das erste und einzige Mal auf der Tour einen Platz im Auto gesichert, denn es war schweinekalt morgens und wir hatten Eiskristalle auf den Sitzen. -2°C – da wäre mir den ganzen Tag nicht mehr warm geworden :-). Wahnsinn, was für Temperatur-Unterschiede wir auf dieser Reise erlebt haben. Aber das wusste man vorher und konnte entsprechend packen. :-)

Am Grand Canyon hatten wir einen Hubschrauber-Rundflug gebucht, auf den ich mich sehr gefreut hatte. Leider finden in dieser Art Hubschrauber 7 Passagiere Platz, was bedeutet, dass mindestens 2 davon hinten in der Mitte sitzen müssen. Jeder wird hier gewogen und die Gesellschaft verteilt das Gewicht im Hubschrauber. Macht natürlich Sinn, aber es bescherte mir einen Platz hinten in der Mitte, wodurch ich in keine Richtung wirklich gute Sicht hatte. Egal. Einfach mal genießen. Da wir anschließend noch an den Rand des Grand Canyon fuhren und ich dort fotografieren konnte, fühlte ich mich entschädigt. Die Aussicht war der Wahnsinn. Wenn man sich bewusst macht, dass das alles durch die Kraft des einst mächtigen Colorado River entstanden ist, von dem heute durch die stromaufwärts gelegenen Staustämme hier nur noch ein Rinnsal übrig geblieben ist, packt einen schon die Ehrfurcht. Das Werk des Flusses lässt uns heute Erdschichten von ca. 2 Milliarden Jahren bestaunen.

Durch das Navajo-Rerservat fuhren wir Richtung Monument Valley. Das Land ist karg, der Boden staubig, Sandsteinwüste. Ab und zu sahen wir die meist ärmlich anmutende Häuschen, davor standen Autos, von denen man nicht glauben konnte, dass sie überhaupt noch fahren.  Die Armut hier gleicht der in der dritten Welt, die Arbeitslosigkeit ist mit 50-60% einer der höchsten der Welt.  Als wir einen Laden an einer gut besuchten Tankstelle betraten, hat es mich umgehauen. Leere Regale, nur am vorderen Rand standen einzelne Waren. Selbst wenn man Geld hätte, könnte man hier nichts kaufen.

Nachmittags kamen wir am Monument Valley an. Einer der Orte auf der Welt, wo dir bewusst wird, dass dein Leben nicht mal ein Wimpernschlag im Universum ist. Die Tafelberge bestehen aus 275 Millionen Jahre altem Sandstein, die markanten Formen wurden in den letzten 50 Millionen Jahren durch witterungsbedingte Einflüsse geschaffen. Und sie sehen wunderschön aus, besonders im Licht der späten Nachmittagssonne. Was man auf dem Bild nicht sieht, ist der Krach der laufenden Busmotoren hinter uns, Autos, die ankamen, Touristen ausspuckten, die schnell ein Selfie vor den berühmten Bergen machten und wieder abfuhren ;-). Und ausnahmsweise dachte ich an den Janusblick, sprich: Ich drehte mich um und machte ein Bild, wegen der Objektivität, ihr wisst schon ;-).

Das Motel für die Nacht lag an einer großen Straße und das nächste zu Fuß zu erreichende Restaurant, war das einer großen Burgerkette. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Wer denkt schon bei einer Übernachtung im Indianer-Reservat an Burger, Cola und Hauptstraßen ;-)  Irgendwie spielten in meiner Phantasie Steppenwölfe, Lagerfeuer und Bohnen aus der Dose eine Rolle ;-) :-D

 

 

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren:

Vegas – bunt, laut, skurril

Harley-Tour USA und das Foto-Equipment

Harley-Tour USA II: Warum eine geführte Tour und Death Valley

Harley-Tour USA III: Von Bishop über Mariposa nach San Francisco

Harley-Tour USa IV: San Francisco

Harley-Tour USA V: Highway No.1 – S. F. bis L. A.

Harley-Tour USA VI: L. A. bis Palm Springs

Harley-Tour USA VII: Palm Springs bis Kingman

Harley-Tour USA IX: Kayenta-Kanabl-Vegas und ein Filmchen

Impressionen von “Augen auf! 100 Jahre Leica Fotografie”

DSCF8701

Im November war ich im Haus der Photographie und habe mir die Ausstellung “Augen auf! 100 Jahre Leica Fotografie” angesehen. Leica-Fotofrafen gehen hier vermutlich durch ihre “heiligen Hallen” und haben ein ehrfürchtiges Gefühl, da natürlich auch alte Leicas ausgestellt sind, Bücher, in denen genau aufgelistet wurde, wann welche Leica wohin verkauft wurde. Sogar die Entwürfe für die erste Leica überhaupt hängen hier. Nach diesem Abschnitt der Präsentation geht es dann richtig los. Was ich einfach wahnsinnig spannend finde: 100 Jahre Leica sind 100 Jahre Geschichte, unsere Geschichte. Nicht nur die Geschichte der Fotografie, sondern Geschichte allgemein. Sehr interessant und für mich rückte die Leica komplett in den Hintergrund, hier geht es um die Geschehnisse und die Fotografen der vergangenen 100 Jahre. Es sind wirklich viele Bilder, schöne, interessante und teilweise auch grausam reale. Klar, die Leica war die Reportage-Kamera schlechthin.

Rund 550 Fotografien von über 140 Künstlern, ergänzt um dokumentarisches Material − Zeitschriften, Magazine, Bücher, Werbemittel, Broschüren, Kameraprototypen, Filme − rekapitulieren die Geschichte der Kleinbildfotografie von den Anfängen bis in unsere Tage.

Quelle: Deichtorhallen

 

Das ist Input, für den man Zeit braucht. Ich habe an einer öffentlichen Führung teilgenommen, leider nicht an der Kuratorenführung, die passte diesmal nicht in meinen Zeitplan. Aber wenn ihr überlegt, die Ausstellung zu besuchen, bringt viel Zeit mit und versucht möglichst eine Führung zu erwischen. Es ist so wahnsinnig viel Material, dass ein bisschen Anleitung und Information ganz hilfreich sind. Ich zeige euch einige Impressionen, ausführlich darüber zu schreiben, würde hier den Rahmen sprengen. Dieser Artikel vom NDR beschreibt es sehr gut. Es gibt auch ein Buch zur Ausstellung, welches natürlich auch auf meinem ellenlangen Wunschzettel gelandet ist.

Hier bin ich tatsächlich schon an Bildern von Rodcenko vorbeigelaufen, Herr Herschelmann, aber in der Fülle der Bilder ist er mir durchgerutscht ;-)

Die Ausstellung läuft noch bis zum 11. Januar 2015 und ich denke, selbst eine weite Anreise lohnt sich!  Die nächste und letzte Kuratorenführung findet am 7. Januar 2015, um 18:00 Uhr statt. Infos auf der Webseite der Deichtorhallen.

Die Ausstellung geht anschließend auf Tour. Im Frühjahr 2015 wird sie in Frankfurt/M. zu sehen sein, im Sommer dann in Berlin, im Herbst/Winter in Wien und im Frühjahr 2016 in München.